Erneuerbare Energien "Die Solarförderung muss sinken"

Wie viel kostet der subventionierte Solarstrom die deutschen Verbraucher? Der grüne Ex-Umweltminister Trittin wehrt sich im SPIEGEL-Interview gegen "dramatische" Übertreibungen, wirbt für eine maßvolle Senkung - und warnt davor, noch eine Zukunftsindustrie aus Deutschland zu vertreiben.


SPIEGEL: Wenn die Förderung des Solarstroms so weiter läuft wie bisher, kostet sie den Verbraucher in den kommenden 23 Jahren insgesamt bis zu 150 Milliarden Euro – ist das nicht deutlich zu viel?

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DDP
Jürgen Trittin, 55, Bundesumweltminister von 1998 bis 2005, ist nach wie vor einer der führenden Grünen-Politiker Deutschlands. Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag ist inzwischen für Außenpolitik verantwortlich.
Trittin: Diese Zahl ist – diplomatisch ausgedrückt – dramatisch überhöht.

SPIEGEL: Die Zahlen stammen vom Solar-Verlag, also einer Institution, die nicht im Verdacht steht, die Photovoltaik schlecht zu reden. Selbst wenn Sie die Inflation und andere Effekte herausrechnen, bleiben noch über 60 Milliarden Euro.

Trittin: Auch Solarfreunde können irren. Tatsache ist: Die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) für alle erneuerbaren Energien kostet jeden zurzeit einen Euro pro Monat. Real wird die EEG-Umlage 2010 auf rund 1,70 Euro steigen und bis 2020 wieder auf 1,40 Euro sinken, wenn das EEG entsprechend unseren Vorstellungen novelliert wird. 60 Milliarden alleine für Solarstrom werden es auch in 23 Jahren nicht werden.

SPIEGEL: Warum nicht?

Trittin: Es bedarf einer Novelle des EEG. Wir müssen den Aufbau von Offshore-Windparks besser fördern, die Erneuerung alter Windanlagen an Land und die Kraft-Wärme-Kopplung im Biomassebereich. Dagegen gilt es den Bonus für nachwachsende Rohstoffe zu reduzieren und die Regression bei der Photovoltaik von jährlich fünf Prozent zu verschärfen.

SPIEGEL: Die Kosten der Solarstrom-Industrie sinken jedes Jahr um etwa zehn Prozent – warum sinkt die Einspeisevergütung dann nicht auch um 10 Prozent?

Trittin: Ob es immer zehn Prozent sein werden, ist nicht gewiss. Die Solarförderung muss sinken – aber dabei so gestaltet werden, dass der Ausbau der Photovoltaik auch im Rahmen von Bürgersolaranlagen weiter möglich ist. Alles andere liefe darauf hinaus, erneut eine Zukunftsindustrie aus Deutschland zu vertreiben.

Die Fragen stellte Ulrich Jaeger.



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