Eröffnungsrede auf Piraten-Parteitag Ponader plant den großen Abgang

In aller Stille abtreten, das möchte er nicht: Auf dem Bundesparteitag der Piraten im Mai will Johannes Ponader sein Amt als politischer Geschäftsführer niederlegen - und überraschenderweise auch die Eröffnungsrede halten. Parteichef Schlömer überließ ihm das Feld.

Pirat Ponader: Vom Sandalenheld zum Basismitglied
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Pirat Ponader: Vom Sandalenheld zum Basismitglied


Berlin - Es wird sein vorerst letzter großer Auftritt als Oberpirat sein, aber der soll es in sich haben: Der scheidende politische Geschäftsführer Johannes Ponader wird auf dem nächsten Bundesparteitag der Piraten die Eröffnungsrede halten. Das erfuhr SPIEGEL ONLINE aus Vorstandskreisen. Im Mai treffen sich die Piraten in Neumarkt in der Oberpfalz, um am Programm zu feilen und ihren ausgedünnten Vorstand mit Personal aufzufüllen.

Auch Ponader stellt auf diesem Parteitag sein Amt zur Verfügung. Über seine Personalie hatte es bei den Piraten monatelang erbitterten Streit gegeben, der 36-Jährige war im Bundesvorstand zuletzt isoliert. In einer parteiinternen Umfrage erhielt Ponader von der Hälfte der Abstimmenden die Note Sechs, und als persönliches Feedback zum Teil scharfe Anfeindungen von Basismitgliedern. Als Konsequenz kündigte Ponader Anfang März seinen baldigen Rückzug an.

Nun versuchen die Piraten also einen Neustart ohne Ponader im Spitzenteam - vor diesem Hintergrund mutet die Entscheidung, ausgerechnet ihm die symbolisch wichtige Eröffnungsrede zu überlassen, kurios an. Beim letzten Parteitag in Bochum richtete noch Parteichef Bernd Schlömer die Begrüßungsworte an die Mitglieder. Doch Schlömer ist nach eigenen Angaben beruflich verhindert und kann erst einen Tag später anreisen.

Aus dem Umfeld des Piratenvorstands drang die Nachricht, Ponader habe das Vorrecht auf die Eröffnungsrede als eine Bedingung für seinen Rückzug ausgehandelt. Im Klartext: Er bestand auf die Ansprache, auch wenn Schlömer anwesend sein würde. Ponader selbst wies diese Darstellung am Mittwoch zurück und betonte, diese Entscheidung obliege nicht ihm allein, sondern der Basis. "Die Eröffnungsrede auf einem Parteitag gebührt einem Piraten oder einer Piratin aus dem einladenden Landesverband. Ich freue mich, wenn ich als scheidender politischer Geschäftsführer danach ein paar Worte sagen darf", sagte er SPIEGEL ONLINE.

Offiziell wollte sich niemand im Bundesvorstand dazu äußern. Ein Vorstandsmitglied räumte aber ein, dass der entsprechende Vorschlag von Ponader selbst stamme. "Das ermöglicht ihm eine saubere Niederlegung seines Amts", sagte das Vorstandsmitglied. "Ich hoffe, dass er die Gelegenheit zu einem sauberen und fairen Abgang und nicht zum Nachtreten nutzt."

amz

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