Erstmals seit 1906 SPD hat weniger als 500.000 Mitglieder

Der Volkspartei läuft das Parteivolk davon: Die SPD hat weniger als eine halbe Million Mitglieder - erstmals seit mehr als hundert Jahren. Laut Parteichef Gabriel liegt der Mitgliederschwund nicht an den Inhalten, sondern am demografischen Wandel.

SPD-Chef Gabriel: "Mitgliederverlust hat begonnen im Jahr 1976"
DPA

SPD-Chef Gabriel: "Mitgliederverlust hat begonnen im Jahr 1976"


Hamburg - Zu viele Todesfälle, zu wenige Neueintritte: Die SPD hat erstmals seit mehr als hundert Jahren weniger als eine halbe Million Parteiangehörige. "Seit 1906 sind wir das erste Mal weniger als 500.000 Mitglieder", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Freitagabend in Hamburg. Grund dafür sei der demografische Wandel. Es liege nicht an möglichen Austritten. Es gebe vielmehr weit mehr Todesfälle als Neueintritte.

"Damit keiner denkt, das hätte was mit der " Agenda 2010" zu tun. (...) Der Mitgliederverlust hat begonnen im Jahr 1976", sagte der SPD-Chef. Gabriel betonte, in seiner Partei liege das Durchschnittsalter mittlerweile bei knapp unter 60 Jahren. Das führe dazu, dass die Sozialdemokratie nicht mehr so nah an den Menschen sei. "Wir wissen nicht mehr so viel wie früher."

40 Prozent der Ortsvereine haben laut Gabriel zudem weniger als 20 Aktive. Mehr als die Hälfte der Ortsvereine habe weniger als drei Mitgliederversammlungen im Jahr. Das einzelne SPD-Mitglied sei damit kaum oder gar nicht gefordert, sich aktiv einzuschalten. Dabei wollten sie beteiligt werden, wollten in der Partei mehr zu sagen haben, sagte Gabriel.

"Deswegen, glaube ich, müssen wir uns verändern", verteidigte er seine teils umstrittenen Vorschläge zur Reform der Partei. "Wenn eine Partei von 1,2 Millionen auf unter 500.000 runterkommt, muss etwas geschehen." Die Reformen sehen unter anderem eine Verschlankung der Gremien, die Fusion zu kleiner Ortsvereine und eine Frauenquote vor.

Die SPD-Spitze hatte zudem vorgeschlagen, Nichtmitgliedern Stimmrecht bei internen Vorwahlen für öffentliche Ämter zu geben. Dazu sollen bei mehreren Bewerbern auch die Kanzlerkandidatur oder die Aufstellung für Bundestags- und Landtagsmandate gehören. Außerdem macht sich die SPD-Führung für eine Migrantenquote stark und bietet den reformorientierten Kräften in der Linkspartei die Aufnahme bei den Sozialdemokraten an.

ulz/dpa-AFX

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Neurovore 27.05.2011
1. ...
Zitat von sysopDer Volkspartei läuft das Parteivolk davon: Die SPD hat weniger als eine halbe Million Mitglieder*- erstmals seit mehr als hundert Jahren. Laut Parteichef Gabriel liegt der Mitgliederschwund nicht an den Inhalten, sondern am demografischen Wandel. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,765408,00.html
Mit dem ersten hat er recht, schließlich hat die SPD inzwischen ja überhaupt keine Inhalte mehr. Und beim zweiten Punkt meint er wahrscheinlich den demagogischen Wandel der Parteiführung...
immigrantin 27.05.2011
2. SPD und die Demografie
Nun, ja. Dann ist das Buhlen um die Migranten verständlich. Es geht um Demografie. Die SPD will sich verjüngen und weiß, wie die Zukunft Deutschlands aussieht, wer die meisten jungen Leute in der Zukunft stellen wird. Es ist aber umsonst vertane Mühe. Die Migranten werden in wenigen Jahren ihre eigenen Parteien gründen. Aber das, was SPD mit der Agenda 2010 ihren Wählern angetan hat, wird nie vergessen werden.
Hardliner 1, 27.05.2011
3. Demografie und andere Gründe
Zitat von sysopDer Volkspartei läuft das Parteivolk davon: Die SPD hat weniger als eine halbe Million Mitglieder*- erstmals seit mehr als hundert Jahren. Laut Parteichef Gabriel liegt der Mitgliederschwund nicht an den Inhalten, sondern am demografischen Wandel. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,765408,00.html
Die alten Sozis und Gewerkschafter sterben weg, die Jungen pfeifen auf Parteibücher. Und dass es auch eine Reihe von Leuten gibt, die wegen Hartz IV oder Kriegseinsätzen oder dem Umgang mit Sarrazin, Müntefering oder Clement die Partei velassen haben, davon ist auch auszugehen.
Rainer Daeschler, 27.05.2011
4. Denkprothese gefragt
Warum beauftragt Sigmar Gabriel nicht einfach die aktuell als Denkprothese der SPD tätige Unternehmensberatung McKinsey, so dass ihre Infografiker ihm mal zwei Kurvendiagramme aufzeigen: a) die Bevölkerung Deutschlands 1906 - 2011 b) die Mitgliederzahl der SPD 1906 - 2011 Da geht vielleicht auch mal dem SPD-Vorsitzenden ein Licht auf.
talvisota 27.05.2011
5. Der demokratische Wandel
Naja, wäre die Mitgliedszahl ein Aktienkurs, dann könnte man sagen, die SPD ist völlig überbewertet. Aber ein großer Teil dieser Mitglieder weiß wohl aufgrund fortgeschrittenen Alters gar nicht mehr so richtig,in was für einer Partei sie Mitglied sind.
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