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Ethikkommission: Töpfer und Co. wollen Atomausstieg bis 2021

Von Christian Schwägerl

Geht es nach der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung, dann werden bald sämtliche Atomkraftwerke stillgelegt. Das Gremium empfiehlt im Entwurf für seinen Abschlussbericht "einen vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie" - und nennt dafür auch ein Datum: 2021 oder sogar schon früher.

Atomkraftwerk Biblis: "Begrenztheit menschlicher Katastrophen-Vorsorge" Zur Großansicht
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Atomkraftwerk Biblis: "Begrenztheit menschlicher Katastrophen-Vorsorge"

Berlin - "Living Document", lebendiges Dokument, steht im Dateinamen des 28-seitigen Papiers - Änderungen sind also noch möglich. Doch schon der Entwurf für einen Abschlussbericht der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung, auf deren Arbeit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre "Energiewende" gründen will, hat es in sich. Bei dem Dokument, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, haben die beiden Kommissionsvorsitzenden, der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer und der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, die Feder geführt.

Das Papier trägt den Titel "Deutschlands Energiekonsens - Ein Gemeinschaftswerk Energiezukunft Deutschland". Eingangs wird über den Atomunfall von Fukushima räsoniert. Die Katastrophe "zeigt die Begrenztheit menschlicher Katastrophen-Vorsorge auf" und könne nicht als Restrisiko abgetan werden. Zudem stehe die Kernkraftnutzung für eine "Vergiftung der gesellschaftlichen Atmosphäre", heißt es.

Die zentralen Sätze für die deutsche Energiepolitik: "Die Ethik-Kommission empfiehlt einen vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie. Der Ausstieg ist nötig, um Risiken grundsätzlich auszuschließen." Die sieben ältesten Anlagen, die für eine Sicherheitsüberprüfung Mitte März abgeschaltet wurden, sollten "dauerhaft stillgelegt werden", sie seien "ohne Probleme ersetzt" worden. Die restlichen Anlagen sollten "in der Reihenfolge ihres verbleibenden Risikos und ihrer Bedeutung im Stromnetz" abgeschaltet werden.

Dafür gebe es einen "Ausstiegs-Korridor". Aus der Anhörung der Kommission am 28. April habe sich ergeben, dass 2021 ein machbares Enddatum sei. Doch auch ein noch früherer Ausstieg sei denkbar: "Im besten Fall kann der Ausstiegskorridor so verkürzt werden, dass das letzte Atomkraftwerk schon deutlich eher (...) vom Netz genommen wird. In einem Begleitprozess soll entschieden werden, ob Atomkraftwerke schon früher abgeschaltet werden können", heißt es. Hier müssen nach den Kriterien der Preiswirkung, Leistungsbereitstellung, Systemstabilität, CO2-Emissionen und Importen abgewogen werden.

Konträre Positionen in der Ethikkommission

Offen führen die Autoren aus, dass in der 22-köpfigen Kommission die grundsätzlichen Meinungen weit auseinander gehen: Sowohl eine kategorische Ablehnung als auch eine graduelle Risikoabwägung bei der Kernkraftnutzung würden von Mitgliedern favorisiert. Gemeint sind damit zum Beispiel BASF-Chef Jürgen Hambrecht, der bisher als Kernkraftbefürworter gilt, und der Soziologe Ulrich Beck, ein erklärter Kernkraftgegner. Doch "welche der beiden Positionen eher zu vertreten sind, hat die Kommission (...) weder entscheiden wollen, noch brauchte sie darüber eine Entscheidung herbeiführen", heißt es weiter. Beide Positionen kämen nämlich zu dem gleichen Schluss, "die Nutzung der Atomkraftwerke so bald zu beenden wie ihre Leistung durch risikoärmere Energien ersetzt werden kann". Dies bilde eine "Brücke" zwischen Gegnern und Befürwortern.

Das Papier spart nicht mit mahnenden Worten für den Ausstiegsprozess. Die Gesellschaft werde in großem Stil Zielkonflikte heraufbeschwören, wenn sie die abgeschalteten Anlagen einfach durch Zukauf von Atomstrom aus dem Ausland ersetze. Auch Rationierung und das Inkaufnehmen stark erhöhter Strompreise sei nicht akzeptabel. Ebenso seien höhere CO2-Emissionen nicht verantwortbar. Es gebe eine "gleichrangige ethische Verantwortung, dem Klimawandel zu begegnen", weshalb die deutschen CO2-Ziele weiter verfolgt werden sollten. Warnungen enthält das Dokument sogar vor einem "nochmals drastisch beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien". Es gebe "Grenzen der Belastbarkeit natürlicher Lebensräume", die technische Machbarkeit werde schnell überschätzt. Dies bezieht sich auf die Kritik von Naturschützern an den Umweltfolgen von Offshore-Windparks und des großflächigen Maisanbaus für Bioenergie.

"Der Ausstieg aus der Kernenergie ist ein Wachstumstreiber"

Den Ausweg zeichnet das Entwurfspapier in einem durchdachten, "intelligenten" Ausbau erneuerbarer Energien, der von einem "Parlamentarischen Beauftragten für die Energiewende" und einem "Nationalen Forum Energiewende" begleitet werden solle. Vor allem aber wird der Kampf gegen Energieverschwendung als vordringlich beschrieben. Das Einsparpotential liege bei "40-60 Prozent". "Hier steckt auch eine ethische Fragestellung an die Verantwortung aller", heißt es. Es gelte, die Mitwirkungsmöglichkeiten von Bürgern und Gemeinden an der Energiewende zu verstärken und letztlich ganze Städte energetisch zu sanieren. Dass hierfür Fördermittel immer wieder gekürzt wurden, wird scharf kritisiert.

Bei den ökonomischen Konsequenzen des Ausstiegs wagen Töpfer und Kleiner keine Prognose, wie stark der Strompreis steigen könnte. Die genannten Szenarien lägen zwischen 0,1 Cent und 5 Cent pro Kilowattstunde. Doch den ökonomischen Effekt beurteilen sie dennoch rundum positiv: "Der Ausstieg aus der Kernenergie ist ein Wachstumstreiber", heißt es. Die Energiewende biete "enorme technische, ökonomische und gesellschaftliche Chancen für die weitere Profilierung Deutschlands als Exportnation im Hinblick auf nachhaltige Produkte und Dienstleistungen". Deutschland könne zeigen, dass "ein Ausstieg aus der Kernenergie die Chance einer Hochleistungs-Ökonomie" sei.

Positiv fällt auch das Urteil zur Inbetriebnahme neuer, effizienterer Kohlekraftwerke aus, die ineffiziente Anlagen ersetzen: "Die in Bau befindlichen oder planungsrechtlich zugelassenen Kraftwerke sollten an das Netz gebracht werden." Zudem solle Deutschland künftig mit Hilfe neuer technologischer Verfahren eine Stromreserve von einem halben Jahr aufbauen mit Hilfe von Wasserstoff und Methan als Speichermedien.

Zwei sehr grundlegende Empfehlungen finden sich ganz am Ende des Dokuments: Bei der Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen wird eine gänzlich andere Strategie empfohlen als bisher. Der Atommüll soll nämlich nicht auf immer vergraben, sondern so unter die Erde gebracht werden, dass er wieder herausgeholt werden kann: "Die Ethik-Kommission empfiehlt, den radioaktiven Abfall auf rückholbare Weise zu lagern." Dies erweitere den Suchraum für die Findung von Endlagerstätten radioaktiven Mülls in Deutschland. Zweitens wird gefordert, den Euratom-Vertrag zu kündigen. Er sei in der Zwecksetzung, die Bevölkerung vor den Gefahren radioaktiver Strahlung zu schützen, "nicht umgesetzt". Besser wäre es, den Vertrag zu kündigen und eine neue und erweiterte Zuständigkeit für die gesamten Aufgaben der Atomsicherheit in das europäische Regelwerk zu überführen.

Mit dem Entwurf legen die Kommissionsvorsitzenden Töpfer und Kleiner ein Dokument vor, das von Urteilen und Empfehlungen nur so strotzt. Es ist aber erst der Einstieg in die entscheidende Phase der Kommissionsarbeit. Das Abschlussdokument wird die Kommission erst am 28. Mai öffentlich vorstellen. Bis dahin wird also noch viel diskutiert, besonders bei einer Klausurtagung des Gremiums am kommenden Wochenende auf Schloss Genshagen bei Berlin.

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1. Geilomat
louis_quatorze 10.05.2011
Da haben sich ja die wahren Experten zusammengefunden. Theologen, Soziologen, Juristen und Politologen wollen das ultimative Rezept zum Atomausstieg gefunden haben. Sogar ein Datum nennen die Weisen aus der Kommission uns. Wir glücklichen! Jetzt ist ja alles in Ordnung! Nicht falsch verstehen: Das sind alles wichtige Berufsgruppen. Pfarrer, Rechtsanwälte und auch Taxifahrer braucht das Land. Aber sie sollten sich bitte nicht zu technischen Fragen äußern.
2. Tausche Risiko gegen Risiko
Eutighofer 10.05.2011
Durch den Atomausstieg werden die CO2 Emissionen steigen und damit das Risiko einer Klimakatastrophe, die einen atomaren GAU in den Auswirkungen deutlich übertreffen würde. Sicherer wird in der Gesamtbetrachtung gar nichts. Man tauscht nur das (sehr geringe) Risiko eines GAUs in deutschen Kernkraftwerken gegen das dann etwas erhöhte Risiko einer Klimakatastrophe. Eine rationale Abwägung beider Risiken findet in der Öffentlichkeit aber nicht statt, Emotionen scheinen als Ratgeber zu genügen.
3.
kein Ideologe 10.05.2011
Hm, nun habe ich in den letzen Monatenso ziemlich jede Jahreszahl zwischen 2011 und 2026 gelesen. Könnten wir uns doch bitte mal auf konkrete, nicht zu grosse, Schritte verständigen? Sich Jahreszahlen an den Kopf werfen ist unsinnig. Langfristige Pläne streuen eben ein paar Jahre. Das führt nur zu Schummeleien, um das Ziel dann doch zu erreichen. Und ehrlich, dann lieber 2 Jahre länger Atomkraftwerke, als stillgelegte Kohlekraftwerke auszumotten. Wobei ich, nach allem was ich so in den letzen Wochen gelesen habe, 2021 ohne Ausweitung der Kohleverstromung für realistisch halte.
4. sie wollen beides nicht? kein problem
gfk777 10.05.2011
Zitat von EutighoferDurch den Atomausstieg werden die CO2 Emissionen steigen und damit das Risiko einer Klimakatastrophe, die einen atomaren GAU in den Auswirkungen deutlich übertreffen würde. Sicherer wird in der Gesamtbetrachtung gar nichts. Man tauscht nur das (sehr geringe) Risiko eines GAUs in deutschen Kernkraftwerken gegen das dann etwas erhöhte Risiko einer Klimakatastrophe. Eine rationale Abwägung beider Risiken findet in der Öffentlichkeit aber nicht statt, Emotionen scheinen als Ratgeber zu genügen.
es gibt sie doch, die ansaetze, die beide probleme gleichzeitig vermeiden, auch guenstiger als atomstrom: http://www.ringwallspeicher.de/ oder http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1061069&_z=859070
5. Kommission der Ahnungslosen
quacksalberei 10.05.2011
Warum durfte ich nicht an der Kommission teilhaben? Ich habe mindestens genausowenig Ahnung von Atomkraftwerken wie ein Biolehrer oder ein Pfarrer! Ich fordere, dass ich auch meinen Senf dazu geben darf, da ich bessere Qualifikationen als die Ethik-Kommissions-Mitglieder habe: ich verstehe davon noch viel weniger!
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Grafiken: Deutschlands Energiewirtschaft

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.

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