EU-Kommissar zur Energiewende "Das entscheidet der liebe Gott"

Deutschland geht bei der Energiewende nach Auffassung von EU-Kommissar Oettinger zu schnell voran. Der CDU-Politiker macht sich Sorgen um eine stabile Stromversorgung. Wind und Sonne als Stromlieferanten? Darüber würden der "liebe Gott" und der "Wetterfrosch" entscheiden.

EU-Energiekommissar Oettinger: "Regionale, nationale und europäische Lösungen"
DPA

EU-Energiekommissar Oettinger: "Regionale, nationale und europäische Lösungen"


Büdelsdorf - EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat sich für ein Tempolimit bei der Energiewende ausgesprochen. "Wir brauchen eine Geschwindigkeitsbegrenzung beim weiteren Ausbau von Wind- und Solaranlagen", sagte Oettinger auf dem Energieforum Schleswig-Holstein in Büdelsdorf bei Rendsburg vor rund 550 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Oettinger begründete dies vor allem mit einer stabilen 24-Stunden-Versorgung mit Strom. Dies sei nicht nur für Bürger, sondern insbesondere auch für die Industrie in Deutschland entscheidend.

Ob sich mit Wind und Sonne Strom erzeugen lasse, "das entscheidet für Christenmenschen der liebe Gott und sonst der Wetterfrosch", mahnte Oettinger. Es sei deshalb fraglich, inwieweit die erneuerbaren Energien Versorgungssicherheit gewährleisten könnten. Strom lasse sich noch nicht richtig speichern. "Wenn alle Anlagen zur Stromerzeugung ausfallen würden, dann hätten wir in Deutschland für 24 Minuten Strom aus unseren Speichern." Der weitere Bau von Wind- und Solaranlagen solle daher gedrosselt werden. Der Ausstieg aus der Atomenergie stehe in Deutschland außer Frage, aber ein Energiemix mit Gas und Kohle sei im kommenden Jahrzehnt unabdingbar.

Oettinger reagierte damit auch auf die Diskussion um mögliche Überkapazitäten. Wenn die Bundesländer ihre Pläne umsetzen, würde das auf eine Ökoenergie-Leistung von 147.000 Megawatt bis zum Jahr 2022 hinauslaufen. Allein bei Windenergieanlagen an Land und auf See zeichnet sich ein Szenario von 87.400 Megawatt ab. Werden die Vorhaben alle verwirklicht, läge der Ökostromanteil bis 2020 bundesweit bei rund 50 Prozent. Das Ziel der schwarz-gelben Bundesregierung wäre damit übererfüllt. Sie strebt 35 Prozent an. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte bereits eine Deckelung beim Anlagenausbau angeraten und dies auch mit deutlich steigenden Stromkosten für die Bürger begründet. In Schleswig-Holstein war Altmaiers Äußerung auf massive Kritik gestoßen.

Der EU-Kommissar forderte bei der Umsetzung der Energiewende ein stärker europäisches Denken: "Das autarke Dorf ist vorstellbar. Aber der große industrielle Stromverbraucher brauche regionale, nationale und europäische Lösungen." Der EU-Kommissar mahnte, dass die Energiewende sowohl innerhalb Deutschlands als auch auf europäischer Ebene deutlich stärker koordiniert werden müsse. "Da muss Ratio einkehren", sagte Oettinger. Es mache wenig Sinn, Solaranlagen im Bayerischen Wald zu fördern, statt etwa im Süden Europas. Ebenso sei der Bau von Nord-Süd-Trassen zum Windstrom-Transport aus Schleswig-Holstein nur sinnvoll, wenn etwa Bayern einen entsprechenden Strombedarf anmelde.

Oettinger sprach sich zwar für Schleswig-Holstein als wichtigen Standort zur Windstrom-Erzeugung aus, betonte aber auch: "Der ideale Ort der Stromerzeugung muss nicht unbedingt der ideale Ort der Stromspeicherung sein." Man müsse an grenzüberschreitenden, europäischen Lösungen arbeiten. "Deutschland muss von der kommunalen und regionalen Wagenburg wegkommen." Der EU-Kommissar warnte vor der europäischen Konkurrenz auf dem Strommarkt. "Am Ende entscheidet allein der Preis", sagte Oettinger. Die Erzeugung von Offshore-Windstrom sei in Dänemark beispielsweise preiswerter als in Norddeutschland.

hen/dpa-AFX

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Velociped 30.08.2012
1. Nichts Neues von Oettinger
Zitat von sysopDPADeutschland geht bei der Energiewende nach Auffassung von EU-Kommissar Oettinger zu schnell voran. Der CDU-Politiker macht sich Sorgen um eine stabile Stromversorgung. Wind und Sonne als Stromlieferanten? Darüber würden der "liebe Gott" und der "Wetterfrosch" entscheiden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,852989,00.html
Warum sollte Oettinger seine Meinung oder Politik ändern - nur weil er in Europa ist? Warum sollten seine alten Beziehungen jetzt nicht mehr funktionieren?
tempus fugit 30.08.2012
2. Und sowas nennt sich 'Energiekommissar'...
...der nach Brüssel weggelobte Filbinger-Verehrer, der wohl an der EnBW-Affäre auch nicht ganz unbeteiligt war (ist...?) und nun den Lieben Gott und den Wetterfrosch als Wegweiser für die Energiewende bemühen muss... Ohne Frösche beleidigen zu wollen: Das war wirklich gut gequa(r)ckt! Andres war nicht zu erwarten!
unpolit 30.08.2012
3. der LIEBE Gott
wo auch immer der sein mag und wie auch immer er seine Entscheidung umsetzen mag, kann ja als LIEBER Gott nur eines tun: Die Erddrehung am 27.7. stoppen, sobald die Sonne in Stuttgart im Zenit steht. Dann hat es im Ländle 24h Sonne und die Solaranlagen produzieren schönen Strom für die Stromer. Bis in alle Ewigkeit. Es wurde aber auch Zeit, dass wir wieder das C in der Politik stärker betonen. Braucht euch nicht mehr wundern über den Berliner Politzirkus - alles gesteuert vom LIEBEN Gott. Wenn es nicht so peinlich wäre - man könnte lachen.
Jean P. v. Freyhein 30.08.2012
4.
Zitat von sysopDPADeutschland geht bei der Energiewende nach Auffassung von EU-Kommissar Oettinger zu schnell voran. Der CDU-Politiker macht sich Sorgen um eine stabile Stromversorgung. Wind und Sonne als Stromlieferanten? Darüber würden der "liebe Gott" und der "Wetterfrosch" entscheiden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,852989,00.html
Und wie lange hätten wir in Deutschland Strom, wenn alle Anlagen zur Stromerzeugung aus nicht-erneuerbaren Energien ausfallen? Irgendwie ist für mich unglaubwürdig, dass sowohl Wind als auch Sonne in Absehbarer Zeit ausfallen würden. Im Gegensatz zu Atomkraftwerken, die durchaus ausfallen können. Sehr ausfallend, mit viel Fallout sogar. Oder sorgt man sich nur um die chinesische Kohlebergwerke, nachdem für die deutschen Kohlekraftwerke sich der Kohleabbau in Deutschland nicht mehr rentiert hatte?
rgom 30.08.2012
5.
Zitat von sysopDPADeutschland geht bei der Energiewende nach Auffassung von EU-Kommissar Oettinger zu schnell voran. Der CDU-Politiker macht sich Sorgen um eine stabile Stromversorgung. Wind und Sonne als Stromlieferanten? Darüber würden der "liebe Gott" und der "Wetterfrosch" entscheiden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,852989,00.html
"Lieber Gott" und "Wetterfrosch". Das spiegelt also den geistige Horizont des Herrn Öttinger wieder, wenn es um eine solche Menschheitsfrage geht. Unsere Kindeskinder werden solche Figuren noch verfluchen, die damals die Chance gehabt hätten, die Weichen für eine nachhaltige Bewirtschaftung dieses Planetens zu stellen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.