Bundeswehr-Drohne "Euro Hawk"-Desaster könnte noch viel teurer werden

Schlechte Nachrichten für Verteidigungsminister de Maizière: Das gescheiterte Rüstungsprojekt "Euro Hawk" könnte noch größere Kosten verursachen. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es Zweifel, ob die Aufklärungstechnik der Drohne in anderen Fluggeräten verwendet werden kann.

Drohne "Euro Hawk": Aufklärungssystem könnte nicht weiter nutzbar sein
DPA

Drohne "Euro Hawk": Aufklärungssystem könnte nicht weiter nutzbar sein


Ottobrunn - Die finanziellen Verluste nach dem Aus für den " Euro Hawk" könnten weit höher ausfallen, als von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) erhofft: Vor dem am Montag beginnenden Untersuchungsausschuss zum gescheiterten Millionenprojekt gibt es Zweifel an der weiteren Nutzbarkeit der in der Drohne getesteten Aufklärungstechnik Isis. Das geht aus einem als "vertraulich" eingestuften Bericht der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft in Ottobrunn hervor, die sich im Auftrag des Wehrbeschaffungsamts im November 2012 mit Alternativen zum gescheiterten "Euro Hawk" befasst hat.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 30/2013
Außer Kontrolle: Die geheime Zusammenarbeit von NSA, BND und Verfassungsschutz

De Maizière hatte die finanziellen Verluste des Projekts für verkraftbar gehalten, weil Isis auch auf anderen Fluggeräten genutzt werden könne. Die Prüfer kommen in ihrer Untersuchung jedoch zu dem Ergebnis, dass die Nutzung von Isis für andere Luftfahrzeuge, darunter der Airbus A319 und die israelische Drohne "Heron TP", vermutlich nur unter hohem Zeitaufwand möglich sei und mittlere bis sehr hohe Kostenrisiken berge. Selbst bei dem Modell mit den besten Noten, der A319, müsste die Bundeswehr mit Nachteilen rechnen, sogar die Piloten der Isis-Aufklärungsflüge könnten in Gefahr geraten.

Zudem kann die A319 nicht so hoch fliegen wie der "Euro Hawk" und damit weniger Daten ermitteln. Auch für den Fiskus würde die Umrüstung teuer: Laut Studie wäre bei einem 20-jährigen Betrieb des neuen Aufklärungssystems mit Gesamtkosten von rund 1,5 Milliarden Euro zu rechnen.

Nicht nur die Kostensteigerungen setzen de Maizière unter Druck: Es erscheint zunehmend als zweifelhaft, dass der Minister das Rüstungsprojekt wirklich erst stoppte, als er von Problemen mit der Zulassung der Drohne für den Einsatz im deutschen Luftraum erfuhr. Das hatte de Maizière in der Vergangenheit immer wieder betont. Einige Oppositionspolitiker werfen ihm deswegen vor, gelogen zu haben und fordern seinen Rücktritt.

Sie wollen wissen, was diese Woche im SPIEGEL steht? Bestellen Sie den kostenlosen SPIEGEL-Brief . Die Redaktion des Magazins informiert Sie per Mail.

ade

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.