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Euro-Krise: Die rätselhaft coolen Deutschen

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Rätsel 1: Die Krise eskaliert - aber das Vertrauen in die Kanzlerin wächst.

Kanzlerin Merkel: Ihr Euro-Kurs wird immer populärer in Deutschland Zur Großansicht
dapd

Kanzlerin Merkel: Ihr Euro-Kurs wird immer populärer in Deutschland

Nein, blind für das Ausmaß der Schuldenkrise sind die Deutschen nicht. Im Gegenteil: Angesichts der bislang wenig durchschlagenden Rettungsbemühungen hat sich Ernüchterung breitgemacht. Die übergroße Mehrheit von 84 Prozent glaubt sogar, das Schlimmste stehe erst noch bevor, ein Rekordwert im neuesten ARD-Deutschlandtrend. Das Grundvertrauen, dass die internationale Politik die Lage wirklich beruhigen kann, ist in der Bevölkerung längst verloren gegangen.

So traurig das Gesamtbild ist, so groß das Misstrauen in die Kompetenz und Durchsetzungskraft des Staates gegenüber den ominösen Finanzmärkten - bei ihrer Bundeskanzlerin scheinen sich die Menschen trotz allem ganz gut aufgehoben zu fühlen. Die Zustimmungskurven für den Krisenkurs Angela Merkels zeigen in den Umfragen nach oben. Im Deutschlandtrend von Infratest dimap knackte die Kanzlerin wieder die 50-Prozent-Marke - jeder Zweite glaubt demnach, Merkel habe "in der Euro-Krise richtig und entschlossen gehandelt". Im ZDF-Politbarometer bewerteten jüngst sogar fast zwei Drittel Merkels Krisenmanagement positiv.

"Es gibt wieder ein positiveres Merkel-Grundgefühl", sagt Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa. "Die Menschen haben das Gefühl, dass sie sich in der Euro-Krise abrackert." Ihnen gefalle, dass sich die Kanzlerin nicht unterbuttern lasse.

Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Emnid-Instituts, erkennt einen "gewissen Stolz" auf die europäische Führungsrolle der Kanzlerin. Er spricht von einem "Joschka-Fischer-Effekt": Wie einst dem Turnschuhminister hätten viele auch Merkel früher nicht zugetraut, eine solche Rolle auszufüllen. Zur Zufriedenheit trage auch der Politikstil der Kanzlerin bei. "Sachliche, unaufgeregte Politik kommt in Krisenzeiten immer besser an", sagt Schöppner.

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insgesamt 505 Beiträge
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1. asd
_stordyr_ 02.12.2011
übersättigung mit horromeldungen stumpfen den Menschen ab ein wenig auch die breitärschigkeit des deutschen michels. Er geht ja auch nicht auf die Strasse. Man lebt vor sich hin. Irgendwie wird es weitergehen.
2. Vielleicht die Kanzlerin
mc6206 02.12.2011
Zitat von sysopDer Euro*taumelt, die Nachbarländer meckern über die*Berliner Dominanz, die Kanzlerin hetzt von Krisengipfel zu Krisengipfel. Doch die Deutschen bleiben*anscheinend völlig entspannt. Woher nur kommt diese neue Gelassenheit? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,801146,00.html
..aber was ich vor allem im Spiegel, in der Welt und hier im Forum lese weist auf totale Panik hin. Jeden Tag drei Artikel, die die Apokalypse voraussagen.
3. wo leb ich denn ?
nebukadnezarin 02.12.2011
Zitat von sysopDer Euro*taumelt, die Nachbarländer meckern über die*Berliner Dominanz, die Kanzlerin hetzt von Krisengipfel zu Krisengipfel. Doch die Deutschen bleiben*anscheinend völlig entspannt. Woher nur kommt diese neue Gelassenheit? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,801146,00.html
Die Krise eskaliert - aber das Vertrauen in die Kanzlerin wächst. Also entweder grassiert bei mir der Alzheimerwahn, oder ich habe eine völlig falsche Wahrnehmung. Bei all den Menschen mit denen ich Tag für Tag zu tun habe, hör ich Kommentare wie: "die Merkel geht gar nicht mehr" "wann macht Angie endlich den Abgang" "die wäre besser in ihrer DDR geblieben" "wie konnte man die nur wählen" und Sie erklären hier, das das Vertrauen in diese nach kohlschen Manier alles aussitzende Dame (weil irgendwas weltbewegendes hat sie ja wirklich noch nicht zustande gebracht) in der Bevölkerung wachsen würde? leb ich auf Melmak und mir ist es nur noch nicht aufgefallen?
4. Freudenpartys
nudelsuppe 02.12.2011
Zitat "Müssten also nicht gerade die Deutschen in diesen Tagen in Panik geraten, weil der Euro bald Geschichte sein könnte?" Nein, die Deutschen werden Freudenpartys feiern, wenn der Euro Geschichte ist!
5. zählt
lebenslang 02.12.2011
Zitat von sysopDer Euro*taumelt, die Nachbarländer meckern über die*Berliner Dominanz, die Kanzlerin hetzt von Krisengipfel zu Krisengipfel. Doch die Deutschen bleiben*anscheinend völlig entspannt. Woher nur kommt diese neue Gelassenheit? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,801146,00.html
ähnlich wie der finanzkrise im jahre 2008 spielt sich die eurokrise für die meisten deutschen eher im TV denn im wirklichen leben ab. der euro ist weitestgehend stabil, das zählt. ein untergangsszenario jagt das andere während die arbeitslosigkeit weiter zurückgeht, das zählt.
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So funktionieren Euro-Bonds
Drei mögliche Modelle in der Übersicht
"Jeder haftet für sich"
Das Prinzip

Das Modell setzt auf die Eigenverantwortung der einzelnen Staaten. Nationale Anleihen blieben bestehen, Länder könnten nur eine begrenzte Menge Geld über Gemeinschaftsanleihen aufnehmen. Im Gegensatz zum zweiten Modell würde jeder Staat zudem nur anteilsmäßig für die gemeinsamen Schulden haften.

Der Vorteil des Modells

Da jeder Staat nur bis zu einem bestimmten Anteil haftet, wäre keine Vertragsänderung nötig. Das Modell ließe sich schnell umsetzen. Weil Staaten durch nationale Anleihen weiter auf das Wohlwollen von Investoren angewiesen sind, bliebe die disziplinierende Wirkung durch die Märkte erhalten.

Der Nachteil des Modells

Das Modell würde wohl von allen drei Varianten am wenigsten Erleichterung bei Zinsen bringen. Denn die Haftungsbegrenzung senkt zwar das Risiko für die Partnerländer, doch bei den Investoren dürfte diese Einschränkung eher zu Misstrauen führen. Es würde wohl keine Bestnote beim Rating geben, die Renditen würden dementsprechend nicht so stark sinken. Stabile Länder wie Deutschland würden sich wohl kaum über solche Bonds finanzieren.

"Jeder haftet voll für ein bisschen"
Das Prinzip

Gemeinschaftsanleihen werden zu einer Art Teilfinanzierung der Staatsschulden. Länder könnten weiter eigene Staatsanleihen ausgeben und zusätzlich Geld über Euro-Bonds eintreiben. Die Kreditaufnahme über die Gemeinschaftsanleihen wäre aber begrenzt: Die Menge könnte an die Haushaltsdisziplin der Länder geknüpft werden oder an eine bestimmte Obergrenze. Diese könnte etwa in der sogenannten Maastricht-Grenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bestehen.

Der Vorteil des Modells

Weil sie weiter nationale Anleihen ausgeben, wären die Länder motiviert, sich Vertrauen bei Investoren zu sichern und ihren Haushalt in Ordnung zu bringen. Weil alle Partner voll haften müssten, dürfte das Vertrauen von Investoren hoch sein, die Zinsen dürften sinken.

Der Nachteil des Modells

Weil auch hier alle Euro-Länder voll für die Schulden haften, müssten die europäischen Verträge geändert werden. Die Bonds wären damit zunächst nur ein Signal an die Märkte, dass Europa beim Schuldenmachen enger zusammenrückt.

"Alle haften für alle"
Das Prinzip

Gemeinschaftsanleihen ersetzen die nationalen Staatstitel komplett. Es gäbe europaweit einheitliche Anleihen und damit eine einheitliche Rating-Note. Die Euro-Länder können auf diesem Weg theoretisch unbegrenzt Kredite aufnehmen. Unabhängig von ihrem eigenen Anteil müssten die beteiligten Länder auch für Staaten einspringen, die ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können.

Der Vorteil des Modells

Das Vertrauen in Staaten mit hoher Kreditwürdigkeit wie Deutschland, die Niederlande, Österreich, Finnland und Luxemburg könnte das Misstrauen der Gläubiger gegen Krisenländer ausgleichen. Diese Gemeinschaftsanleihen wären deshalb bei Kreditgebern sehr gefragt - auch weil der größte Anleihenmarkt der Welt entstünde. Die Gläubiger könnten darauf setzen, dass sie ihr Geld zurückbekommen - wer am Ende wie viel bezahlt, darüber müssten sich die Euro-Staaten untereinander streiten. Eine Europäische Schuldenagentur könnte die Einnahmen aus den Euro-Bonds an die Länder verteilen und die Zinsen für die Gläubiger von den Mitgliedsländern eintreiben.

Der Nachteil des Modells:

Für starke Länder wie Deutschland bedeutet es ein hohes Risiko, weil die Länder unbegrenzt für die Schulden der anderen haften. Der Spardruck auf die Krisenländer könnte angesichts geringerer Zinsen sinken. Dank ihrer starken Partner bekommen sie günstiger Geld, ohne dafür im Gegenzug ihre Haushalte in Ordnung bringen zu müssen. Um Hauhaltssünder zu disziplinieren und die Kredite gerecht aufzuteilen, müsste die EU also strenge politische Regeln aufstellen. Dazu wären umfassende Vertragsänderungen notwendig. Das würde viel Zeit in Anspruch nehmen - für eine schnelle Lösung taugt dieses Modell also nicht.

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