Von Florian Gathmann und Philipp Wittrock
Berlin - Die Stunde der Wahrheit naht. In der kommenden Woche reist die Kanzlerin zum Gott weiß wievielten Krisengipfel nach Brüssel. Gemeinsam mit den anderen Staatenlenkern Europas will Angela Merkel endlich den Euro retten. Sie muss ihn retten.
Es geht um alles, das Endspiel um den Euro und um Europa ist in vollem Gang. Mit jedem Tag, an dem sich die Schuldenkrise weiter zuspitzt, wächst die Angst, dass alle Mühen umsonst gewesen sein könnten, dass der Zusammenbruch nicht mehr zu vermeiden ist. Sie wächst an den Finanzmärkten, in den Regierungszentralen von Paris, Rom und Madrid. Sie wächst auch im Berliner Kanzleramt.
Nur bei den Deutschen, da scheint die Angst nicht zu wachsen.
Dabei ist doch gerade die German Angst, von der besonders die Angelsachsen und Amerikaner gerne sprechen, so legendär wie sprichwörtlich. Haben die Deutschen nicht immer verzagt bis hysterisch reagiert, sobald irgendwo vermeintliches Unheil drohte? Hierzulande ist die Sorge vor dem Klimawandel besonders ausgeprägt, uns versetzen Krankheiten wie Ehec oder Schweinegrippe in helle Aufregung, wir steigen sofort aus der Atomenergie aus, weil im fernen Japan ein Tsunami für den Super-GAU sorgt. Müssten also nicht gerade die Deutschen in diesen Tagen in Panik geraten, weil der Euro bald Geschichte sein könnte?
Tun sie aber nicht, zumindest nicht spürbar. Wer im Advent durch die Einkaufszentren und über Weihnachtsmärkte zieht, wird von Angst und Sorge wenig merken. Dabei bleibt niemandem der Ernst der Lage verborgen. Familie und Freunde fragen misstrauisch, was wohl aus ihrem Geld werden wird. Doch schon im nächsten Satz geht es um die Weihnachtswünsche. Und eine Mehrheit von immerhin 55 Prozent, das zeigt der aktuelle ARD-Deutschlandtrend, sagt: "Ich persönlich bin von der Krise nicht betroffen." Dem diffusen Unbehagen scheint eine unerschütterliche Gelassenheit gegenüberzustehen. Ist aus der German Angst längst eine German Lässigkeit geworden, wie Roger Cohen, der langjährige Berlin-Korrespondent der "New York Times", es den Deutschen schon in der Finanzkrise attestierte?
Woher kommt nur diese rätselhafte Gelassenheit? Schauen wir genauer hin:
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