Euro-Krise Merkel attackiert urlaubsfreudige Südeuropäer

Bundeskanzlerin Angela Merkel will Hilfen Deutschlands für angeschlagene Euro-Staaten zunehmend an Bedingungen knüpfen: Die kriselnden Länder müssten sich nachweisbar anstrengen, sagte die CDU-Chefin auf einer Parteiveranstaltung - und kritisierte Renten- und Urlaubsregelungen in Südeuropa.

Kanzlerin Merkel: "Das geht auf Dauer nicht zusammen"
DPA

Kanzlerin Merkel: "Das geht auf Dauer nicht zusammen"


Meschede/Brüssel - Die Sätze von Bundeskanzlerin Angela Merkel fielen vor Parteifreunden im nordrhein-westfälischen Meschede. Aber sie galten den Regierungen der schwer angeschlagenen Euro-Länder wie Griechenland, Spanien und Portugal - und dürften dort für Verärgerung sorgen: Die CDU-Vorsitzende hat angesichts der Milliardenhilfen für kriselnde EU-Staaten das frühe Renteneinstiegsalter und die Urlaubsregelungen in einigen Ländern kritisiert. Es gehe nicht nur darum, keine Schulden zu machen, sagte Merkel am Dienstagabend. "Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen - das ist wichtig", wird Merkel von der Nachrichtenagentur dpa zitiert.

Nach heftigem Streit wird in Deutschland derzeit das Renteneinstiegsalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre heraufgesetzt. Merkel fügte weiter hinzu: "Wir können nicht eine Währung haben und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig. Das geht auf Dauer auch nicht zusammen." Gesetzlich festgelegt sind in Deutschland mindestens 20 Tage Urlaub.

"Natürlich wollen wir den Euro und natürlich wollen wir nicht, dass einer sozusagen Pleite macht und dann wir alle mitgezogen werden", sagte Merkel. Die Hilfe sei aber an Bedingungen geknüpft. "Wir können nicht einfach solidarisch sein, und sagen, diese Länder sollen mal einfach so weitermachen wie bisher", sagte die Kanzlerin. "Ja, Deutschland hilft, aber Deutschland hilft nur dann, wenn sich die anderen anstrengen. Und das muss nachgewiesen werden."

Juncker bringt "weiche Umschuldung" ins Spiel

Der Euro sei weiter stabil, betonte die Kanzlerin. "Aber die Wahrheit ist auch: Wenn wir nicht aufpassen, wird das in der Zukunft anders. Und deshalb müssen sich alle Staaten daran halten, dass solides Wirtschaften die Grundlage unseres Handelns ist."

Die Euro-Zone hatte Griechenland zuletzt zu größeren Anstrengungen zum Abbau seiner Schulden gedrängt und sich zugleich auf weitere Hilfen für das Land eingestellt. Wenn Athen Milliardenerlöse durch den Verkauf von Staatsbesitz erziele, sei im Gegenzug eine "weiche Umschuldung" möglich, sagte Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker am Dienstag in Brüssel.

Ebenso wie Deutschland und Frankreich lehnte Juncker einen radikalen Schuldenschnitt ab, bei dem Gläubiger auf einen bestimmten Prozentsatz ihrer Forderungen verzichten müssen. Er brachte am Dienstag auf einer Konferenz in Brüssel aber erneut eine "weiche Umschuldung" ins Spiel: Dabei können etwa Kreditlaufzeiten verlängert und Zinssätze verringert werden.

Griechenland hatte im vergangenen Jahr internationale Notkredite über insgesamt 110 Milliarden Euro zugesprochen bekommen, kann seinen Schuldenberg aber nicht abtragen. Die Regierung in Athen hatte bereits vor Wochen angekündigt, Staatsbesitz im Wert von 50 Milliarden Euro bis 2015 verkaufen zu wollen. Dabei kommt sie aber nicht voran.

Milliarden-Hilfspaket für Portugal abgesegnet

Bislang sei "effektiv für keinen Euro privatisiert worden", kritisierte der deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen auf einem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. EU-Währungskommissar Olli Rehn rief alle politischen Parteien in Griechenland auf, die Privatisierungen zu unterstützen. Griechenland habe angekündigt, seine Bemühungen zu verstärken, sagte der Finne. Erst wenn das erfüllt sei, werde die Euro-Gruppe weitere Schritte erwägen, um dem Land zu helfen.

Auch Asmussen mahnte, wenn es bei der angestrebten Konsolidierung Probleme gebe, "liegt es zuallererst bei den griechischen Behörden, weitere Maßnahmen zu ergreifen". Dann könnten weitere Schritte geprüft werden, "die nicht allein zu Lasten des Steuerzahlers gehen, sondern die auch den Privatsektor mit einbeziehen und das auf freiwilliger Basis".

Die EU-Finanzminister segneten zudem am Dienstag das Hilfspaket über 78 Milliarden Euro für Portugal endgültig ab. Ein Grundsatzbeschluss war bereits am Montagabend getroffen worden. Von den 78 Milliarden Euro übernimmt der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Drittel. Der Rest der Summe kommt zu Teilen von jeweils 26 Milliarden Euro aus zwei Töpfen von EU und Euro-Zone. Wird der gesamte deutsche Anteil zusammengezählt, bürgt der deutsche Steuerzahler für etwa 14,5 Milliarden Euro.

Portugal ist nach Griechenland und Irland das dritte Euro-Land, das innerhalb eines Jahres Finanzhilfe erbitten musste, weil es seine Schulden nicht in den Griff bekommt. Das südeuropäische Land muss ebenfalls ein hartes Spar- und Reformprogramm auflegen.

hen/dpa/AFP/dapd

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insgesamt 568 Beiträge
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Seite 1
frubi 18.05.2011
1. .
Zitat von sysopBundeskanzlerin Angela Merkel will Hilfen Deutschlands für angeschlagene Euro-Staaten zunehmend an Bedingungen knüpfen: Die kriselnden Länder müssten sich nachweisbar anstrengen, sagte die CDU-Chefin auf einer Parteiveranstaltung - und kritisierte Renten- und Urlaubsregelungen im europäischen Raum. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,763247,00.html
Als ob Renten- und Urlaubsregelungen zu dieser Krise geführt haben. Wieso rügt die Merkel nicht die Bankster von GS, die massiv an der Bilanzfälschung der griechischen Regierung beteiligt gewesen sein sollen? Ich kriege einen Krampf wenn versucht wird, die einzelnen Bevölkerungen gegeneinander aufzuhetzen. Der normale griechische Bürger hat an der Eurokrise genau so wenig Schuld wie der normale deutsche Bürger.
si_tacuisses 18.05.2011
2. Das müssen gerade diese politischen Geisterbahnfahrer verlangen,
Zitat von sysopBundeskanzlerin Angela Merkel will Hilfen Deutschlands für angeschlagene Euro-Staaten zunehmend an Bedingungen knüpfen: Die kriselnden Länder müssten sich nachweisbar anstrengen, sagte die CDU-Chefin auf einer Parteiveranstaltung - und kritisierte Renten- und Urlaubsregelungen im europäischen Raum. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,763247,00.html
die noch nie in ihrem unnützen Dasein gearbeitet haben...
Baikal 18.05.2011
3. Merkelmurks
Zitat von sysopBundeskanzlerin Angela Merkel will Hilfen Deutschlands für angeschlagene Euro-Staaten zunehmend an Bedingungen knüpfen: Die kriselnden Länder müssten sich nachweisbar anstrengen, sagte die CDU-Chefin auf einer Parteiveranstaltung - und kritisierte Renten- und Urlaubsregelungen im europäischen Raum. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,763247,00.html
Ist die nun wirklich so schlicht im Kopüf oder galubt die wirklich damit Wählerstimmen ziehen zu können? Langsam wird diese Tante richtig lästig und wir Deutsche zum Spott- und Hassobjekt.Ab in die Ückermark!
nilmim 18.05.2011
4. c
es wird immer wilder und wilder... jetzt muss muddi schon den südeuropäern ihre arbeitszeiten vorsagen. irgendwann sagst uns berlusconi wie unser liebesleben auszusehen hat.
Der Bruddler, 18.05.2011
5. Überschrift
Zitat von sysopBundeskanzlerin Angela Merkel will Hilfen Deutschlands für angeschlagene Euro-Staaten zunehmend an Bedingungen knüpfen: Die kriselnden Länder müssten sich nachweisbar anstrengen, sagte die CDU-Chefin auf einer Parteiveranstaltung - und kritisierte Renten- und Urlaubsregelungen im europäischen Raum. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,763247,00.html
Recht hat sie! Auch unsere EU-Mitglieder in Südeuropa müssen mehr arbeiten! Ganz ohne Ironie. Aber hier kann man mit der Überlegung nicht aufhören, weitergeführt muss diese lauten: "Welche Arbeit geben wir ab?".
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