Von Veit Medick und Severin Weiland
Gipfelchaos, Abstimmungsschwierigkeiten, deutsch-französischer Streit: Washington beäugt das Krisenmanagement der Europäer mit wachsendem Unwohlsein - und macht auch öffentlich keinen Hehl daraus. Präsident Barack Obama persönlich sah sich kürzlich veranlasst, der Kanzlerin und Sarkozy per Videokonferenz ins Gewissen zu reden, auch Finanzminister Tim Geithner mahnt seine Kollegen in Europas Hauptstädten regelmäßig zu größerer Entschlossenheit.
Die Ungeduld hat einen Grund: Weitet sich die Krise von Griechenland auf andere Euro-Länder aus, dürfte das auch den amerikanischen Markt in Mitleidenschaft ziehen. Es ist ein Szenario, dessen Gefahr der Präsident längst erkannt hat. Obama kämpft um seine Wiederwahl im November 2012. Gerät die ohnehin schwächelnde US-Wirtschaft zusätzlich in Turbulenzen, ist dieses Projekt stark gefährdet.
Längst ist die Euro-Krise auch zur Belastung für die transatlantischen Beziehungen geworden. Die europäischen Staatschefs verbitten sich Einmischungen und erinnern an den nicht immer souveränen Umgang der Amerikaner mit der Finanzkrise 2008. Washington sieht die Sache anders: Dort gibt man Brüssel die Schuld daran, dass die Banken nun vor einer zweiten Implosion stehen und die Weltwirtschaft auf die schiefe Bahn zu geraten droht.
Vor allem von der Kanzlerin wird in den USA mehr Führung erwartet. Den Zeitpunkt sieht man spätestens jetzt für gekommen: Mit einem breiten Bundestagsmandat im Rücken soll Angela Merkel den EU-Gipfel zum Erfolg führen, die Märkte beruhigen und endlich für eine Entschärfung der Krise sorgen. Das jedenfalls ist die Hoffnung der Amerikaner.
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