EU-Kommissionschef CSU-Vize Weber bringt sich als Nachfolger von Juncker in Stellung

Wer wird der nächste EU-Kommissionspräsident? In Brüssel hat das Ringen um den Posten begonnen. Nach Informationen des SPIEGEL vorne mit dabei: ein CSU-Mann.

Manfred Weber
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Manfred Weber

Von , Brüssel


Es geht um einen der mächtigsten Posten in der EU. Ein Jahr vor der Europawahl ist in Brüssel das Rennen eröffnet, wer Jean-Claude Juncker im kommenden Jahr als Kommissionschef nachfolgen wird. Namen machen die Runde, Favoriten werden gehandelt. Klammheimlich bringt sich nach Informationen des SPIEGEL dabei ein Mann in Stellung, den viele bislang nicht auf dem Zettel haben - und der mehr als nur Außenseiterchancen haben könnte: Manfred Weber, CSU-Vizevorsitzender und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Parteifreunden vertraute Weber bereits an, wie reizvoll er den Posten findet. "Den Kommissionschef zu stellen, so eine Chance gibt es für die CSU so schnell nicht wieder", sagte Weber nach Informationen des SPIEGEL. Weber begründete damit im Zuge der Debatte um eine mögliche Nachfolge von Horst Seehofer als CSU-Parteichef im vergangenen Herbst, warum er nicht von Brüssel nach Berlin oder München wechseln wollte, um CSU-Parteivorsitzender zu werden.

Seehofer steht einer Spitzenkandidatur Webers nach Informationen des SPIEGEL aufgeschlossen gegenüber. Beide besprachen sich vergangene Woche in Berlin unter vier Augen.

Die Europäische Volkspartei will im Herbst in Helsinki ihren Spitzenkandidaten für die Europawahl im Mai 2019 bestimmen. Als möglicher Kandidat ist unter anderen auch der EU-Brexit-Chefunterhändler Michael Barnier im Gespräch.

Seit den Wahlen 2014 ist die Wahrscheinlichkeit deutlich gewachsen, dass der siegreiche Kandidat nach der Wahl auch Chef der EU-Kommission wird, der mächtigen EU-Behörde mit über 30.000 Mitarbeitern. Da die EVP aus der Europawahl wohl als größte Parteienfamilie hervorgehen wird, ist die Entscheidung, wen sie ins Rennen schickt, eine wichtige Weichenstellung.

Parteifreund: "Er muss das machen"

Weber war zuletzt auffällig häufig bei diversen EVP-Mitgliedsparteien auf Parteitagen und im Wahlkampf zu Gast, auch bei Treffen mit EU-Staats- und Regierungschefs wird er regelmäßig darauf angesprochen, ob er kandidieren wolle. Er gehört zu den liberaleren CSU-Politikern, in der Partei ist er sehr beliebt, was in der CSU eher ungewöhnlich ist für einen Europapolitiker. Dennoch pflegt er auch einen engen Draht zu Forza-Italia-Pate Silvio Berlusconi und Ungarns Premierminister Viktor Orbán. Delegierte der beiden EVP-Rechtsausleger bringen auf dem Parteitag viele Stimmen.

Parteifreunde drängen Weber zu einer Kandidatur. "Es ist gar keine Frage", sagt der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Straubinger aus Webers niederbayerischer Heimat, "er muss das machen." Der Vorsitzende der Unionsabgeordneten im Europaparlament Daniel Caspary (CDU) betonte, Weber hätte im Falle einer Kandidatur großen Rückhalt im Parlament. "Wenn Manfred Weber als Spitzenkandidat der EVP antreten will, wird er die breite Unterstützung der Fraktion erhalten."

Im Gespräch mit SPIEGEL wollte Weber eine mögliche Kandidatur weder bestätigen noch dementieren. "Die Frage stellt sich jetzt nicht", sagte er lediglich, er fühle sich als Fraktionschef wohl.

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
prefec2 18.05.2018
1. EU-Skeptiker als Kommissionspräsident
Die CSU fällt ja immer mit ihren Anti-EU-Parolen auf. Wenn sie nun den Kommissionspräsident stellen darf dann könnte man auch einfach Orban zum Chef erklären oder die EU als gescheitert erklären. Die CSU auf dem Kommissionschefsessel ist der sprichwörtliche Bock der Gärtner sein soll.
menefregista 18.05.2018
2. Good bye CG Juncker . Hello Mr. Weber
Bin kein CSU fan, aber der Mann ist kompetent und hat realistische Visionen mit Blick auf die z.Zt. total verkalkte und durch Utopien sowie mangelhafter Führung chaotisch gewordene Union. Der CG Juncker war zuletzt nur noch ein verträumter Apparatschik und konturloser Beamter, dem es an formalen Wissen über das Zusammenspiel von Wirtschaft, Kapital und Machtstreben fehlte. Endlich ist die Zeit gekommen, wo auch Deutschlands langfristige Interessen bedient werden können. Dazu braucht man einen strategisch denkenden Politiker wie es Weber ist.
stefan taschkent 18.05.2018
3. Führungskompetenz
Keine Ahnung, aber ich vermute, ein Kommissionschef sollte auch nachgewiesene Führungskompetenz mitbringen - in dem Job ist das sicher mehr als ein nice to have asset. Bei der vorliegenden Personalie Weber sieht es mir allerdings eher nach der klassischen Funktionärskarriere aus, die sich leider oft auch dadurch auszeichnet, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Was hat Herr Weber, bei allem Respekt, auf seinen Posten Nennenswertes durchgesetzt und erreicht, dass er sich nunmehr sogar den Kommissionschef zutraut?
vanmoders 18.05.2018
4. Die EU braucht Fortschritt, keinen Rückschritt!
Nein, danke! So einen Kommissionspräsidenten braucht die EU ganz bestimmt nicht und dann auch noch von der kleinen Bayernpartei CSU. Es reicht ja schon, dass die den deutschen Kommissar stellen durften (auch wenn ich seine Haushaltspolitik grundsätzlich befürworte). Aber mit einem weiteren konservativen CSU-Politiker als Kommissionspräsidenten, der auch noch gute Kontakte zu allen anderen Gestalten der neuen rechten konservativen Elite (Seehofer, Orban etc.) hat, sehe ich nicht den dringend gebrauchten Fortschritt für die EU, um z. B. die gemeinsame Außenpolitik auszubauen und auch dort das Prinzip der qualifizierten Mehrheit anzuwenden, um die EU mobiler und fähiger zu machen, ihre Interessen zu vertreten. Meiner Meinung nach brauchen wir einen sozialen und pro-europäischen Kommissionpräsidenten, der die Probleme der Union klar benennt und versucht zu beheben, aber trotzdem realitätsnah bleibt. Aber, mal sehen. Am Ende entscheidet ja der Bürger, welche Partei gewinnt.
isi-dor 18.05.2018
5.
Wir brauchen überzeugte Europäer in diesen Ämtern und keine Europahasser. Es ist mir unverständlich, wie ausgerechnet diese Personalie dafür auch nur in Frage kommen soll?
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