Europawahl 2014 Uns geht es zu gut!

Stell Dir vor, es ist Europawahl, und vielen ist das völlig egal: Die Beteiligung könnte blamabel gering ausfallen, manche Deutsche sind stolz auf ihr Nichtwählen. Dabei müssen wir uns endlich klarmachen, was wir an Europa haben.

Ein Kommentar von

In der EU lässt die Europa-Begeisterung zu wünschen übrig
REUTERS

In der EU lässt die Europa-Begeisterung zu wünschen übrig


Wann waren die Menschen eigentlich am glücklichsten? Althistorikern fiel auf diese Frage lange das Römische Reich während des 2. Jahrhunderts nach Christus ein, also in jener Phase kurz vor dem Zerfall. Doch nennen Geschichtsforscher mittlerweile oft eine andere Epoche: die der friedlichen und nach wie vor wohlhabenden Europäischen Union - und in deren Herzen liegt Deutschland, das von dieser Union profitiert hat wie kein anderes Land.

Zu spüren ist in diesem deutschen Europawahlkampf aber statt historischer Freude eher historischer Frust: Politiker aller Parteien tun, als ekelten sie sich vor "Eurokraten", die den Deutschen die Details ihrer Duschköpfe oder Kaffeemaschinen vorschreiben wollten. Sie maulen über die teure Euro-Rettung und mäkeln, dass die Deutschen für die Fehler der Südeuropäer zahlen müssten.

Und wer hierzulande gar an die historische Friedensleistung der Union erinnert, gilt als Geschichtsromantiker. Kein Wunder, dass es bei vielen Bundesbürgern geradezu schick geworden ist, damit zu prahlen, am Sonntag eben nicht wählen zu gehen. Natürlich rasen diese Nörgler trotzdem gerne durch Europa, ohne an Grenzbäumen stoppen zu müssen. Sie heulen auf, wenn sie in jedem Land neue Stecker für ihre Handy-Ladegeräte kaufen müssen. Sie rufen nach Intervention durch eine unabhängige EU-Behörde, sobald Frankreich seinen Markt abriegeln will oder Google sich zu einer Datenkrake entwickelt.

Kritik an Europa ist richtig und wichtig. Bürokratien schaffen sich selbst oft neue Befugnisse, und die selbstbewussten Brüsseler Beamten sind darin besonders gut. Auch lässt sich vieles besser national regeln, jedoch - das übersieht die pauschale EU-Schelte - längst nicht mehr alles. Wie sollten eigentlich auf sich allein gestellte Nationalstaaten ohne die EU klarkommen? Etwa, wenn es darum geht, auf russische Gaserpressung zu reagieren, auf den Klimawandel oder den globalen Wettbewerb?

Deutschland wird im Jahr 2050 keine G-8-Wirtschaftsmacht mehr sein, weil Länder wie Indien oder Brasilien rasend schnell aufholen. Und wenn die Euro-Zone zerfiele, wäre die D-Mark mit einem Schlag so stark, dass die Exporte schnell einbrechen würden. Uns Deutschen darf die Zukunft des vereinten Europa nicht egal sein - nicht nur aus Solidarität mit dem Rest des Kontinents, sondern aus purem Eigeninteresse.

Wir sollten das Schicksal der Römer vor Augen haben. Auch denen ging es zu gut, und ihr großes Reich zerfiel, weil sie es gering schätzten.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 323 Beiträge
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Seite 1
ralfrichter 24.05.2014
1. Soso
uns geht es zu gut,wie lächerlich diese Geldvernichtungsmaschine EU-Parlament ist, sieht man darin,dass zwar die Länge von Gurken festgelegt worden ist,dass allerdings Hunderttausende ihre Stimme mehrmals abgeben können,wegen doppelter Staatsbürgerschaft scheint niemanden zu interessieren. So wie sich dieses angebl. Parlament darstellt,kann man getrost darauf verzichten...
Europa! 24.05.2014
2. Gut gebrüllt, Löwe!
Zitat von sysopREUTERSStell Dir vor, es ist Europawahl, und vielen ist das völlig egal: Die Beteiligung könnte blamabel gering ausfallen, manche Deutsche sind stolz auf ihr Nichtwählen. Dabei müssen wir uns endlich klarmachen, was wir an Europa haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/europawahl-niedrige-wahlbeteiligung-schadet-der-eu-a-970911.html
Solche Artikel würde man sich jeden Monat dreimal wünschen. Aber so im Alltagsgeschäft ist es den Journalisten halt doch lieber, wenn sie populistisch an Brüssel herumnörgeln können. Ihrer Verantwortung gegenüber der nachwachsenden Generation, die das zersplitterte Europa mit seinen Zehntausend Grenzen und Zöllnern nicht mehr kennt, sollte die schreibende Zunft sich vielmehr bewusst sein.
RudiLeuchtenbrink 24.05.2014
3. ja, ich gehe wählen,
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/europawahl-niedrige-wahlbeteiligung-schadet-der-eu-a-970911.html[/QUOTE] ich denke die AfD ist die richtige Wahl für Brüssel. Gerne auch Tierschützer, Piraten oder Bayern. Nur nicht SPDCDUFDP, sonst haben wir schon schon bald die US Konzerne am Hals.
DrGrey 24.05.2014
4.
Zitat von sysopREUTERSStell Dir vor, es ist Europawahl, und vielen ist das völlig egal: Die Beteiligung könnte blamabel gering ausfallen, manche Deutsche sind stolz auf ihr Nichtwählen. Dabei müssen wir uns endlich klarmachen, was wir an Europa haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/europawahl-niedrige-wahlbeteiligung-schadet-der-eu-a-970911.html
Blödsinn. Rom ging letztendlich unter, weil es kein Geld mehr für seine Söldner hatte um diese zu bezahlen, und es die Zusagen für diese nicht mehr einhielt, also suchten die sich Herren, die diese einhielten.
dieter-ploetze 24.05.2014
5. kritiklose anbetung
so braucht sich niemand auf mehr wahllbeteiligung hoffnung machen.solche lobhudelartikel tragen bei zur abgewöhnung von der EU.nicht deutschland hat profitiert sondern einige wenige deutsche.und das gerade macht die kluft noch grösser.uasserdem geht der schreiber überhaupt nicht auf die wahlen ein.es ist nun mal ein undemokratisches procedere und gerade demokratiefreunde werden eben nicht wählen.
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