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Europawahl in Deutschland: So hoch war die Nichtwähler-Quote in Ihrer Region

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Die Wahlbeteiligung ist in Deutschland gestiegen - auf immerhin rund 48 Prozent. Wo gingen die meisten Bürger bei der Europawahl an die Urnen, wo blieben sie lieber zu Hause? Die interaktive Karte verrät es.



Hamburg/Brüssel - Die größten Wahlmuffel leben im Osten Bayerns. Im Landkreis Regen stimmten gerade einmal 26,4 Prozent der Wahlberechtigten (2009: 31,1 Prozent) bei der Europawahl ab - deutsches Rekordtief. Im benachbarten Freyung-Grafenau lag die Quote nur geringfügig höher: 26,5 Prozent nahmen teil, ein Minus von 2,8 Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Abstimmung (siehe Ranking).

Im Freistaat war das Interesse an der Europawahl vielerorts gering, wie die helltürkisen Einfärbungen in der Karte zeigen. Unter den 20 Landkreisen mit der niedrigsten Wahlbeteiligung liegen nach Auswertungen von SPIEGEL ONLINE 17 in Bayern, alle CSU-dominiert. Darunter findet sich auch Ingolstadt, die Heimatstadt von Parteichef Horst Seehofer. Dort gingen nur 33,8 Prozent an die Urnen (2009: 34,7 Prozent).

Die CSU verbuchte ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt bei einer Europawahl - trotz Parolen gegen Armutseinwanderer und EU-Kommission. Sie hat es nicht geschafft, ihre Anhänger zu mobilisieren, wie Generalsekretär Andreas Scheuer einräumen musste.

Die Europawahl ist für viele Deutsche, gemessen an der Wahlbeteiligung, nach wie vor eine Abstimmung zweiter Klasse: Zwar ist die Quote auf 48,1 Prozent gestiegen (2009: 43,3 Prozent), sie liegt aber deutlich niedriger als etwa bei der Bundestagswahl. Im vergangenen Jahr machten 71,5 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuz.

Solch eine Quote erreichen selbst die Südwestpfälzer bei der Europawahl nicht: Sie waren am Sonntag mit 66,9 Prozent die eifrigsten Abstimmer. Ohnehin fällt die Beteiligung in Rheinland-Pfalz gut aus. 15 der 20 Toplandkreise sind in diesem Bundesland zu finden. Auf Platz zwei des Rankings liegt dieses Mal das saarländische St. Wendel mit 64,1 Prozent - der Spitzenreiter der letzten Europawahl (minus 5,5 Prozentpunkte).

Ein Blick auf die Deutschlandkarte zeigt, wie die Beteiligung in den Regionen variiert und sich oftmals auch von wichtigen Faktoren wie Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskraft abkoppelt. Sie gelten Studien zufolge als wichtige Einflussfaktoren bei einer Wahl.


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insgesamt 70 Beiträge
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1. Wahlbeteiligung
altesmädchen 26.05.2014
Auch ich wußte, daß das Wahlergebnis keine Bedeutung hat, da die Besetzung der EU Kommission wieder einmal nach dem Proporzprinzip vorher ausgeklüngelt wurde. Daher war die Wahlbeteiligung überraschend hoch, in meinem Wahlkreis aber unter 50% und damit eigentlich nicht repräsentativ. Ein aktuelles Stimmungsbild ist es möglicherweise, aber nicht überraschend.
2. Resignation in Bayern und Hessen?
monolithos 26.05.2014
Eine weitere auffällige Nichtwählerblase ist Hessen, dass sich auf der interaktiven Karte farblich kaum von Bayern absetzt und einen deutlichen Kontrast zum benachbarten Rheinland-Pfalz bildet. Interessant, aber woran liegt es? Etwa daran, dass die Bayern und die Hessen wahlpolitisch resigniert haben, das heißt das Gefühl vermittelt bekommen haben, man könne mit Wahlen nichts ausrichten? Haben sie vielleicht gar nicht mehr das Gefühl, überhaupt in einer auf Wahlen basierenden Demokratie zu leben? Sehen sie etwa Vetternwirtschaft und Klüngel wichtiger als Kreuzchen auf dem Wahlzettel? Vorschreiben kann man die Wahlbeteiligung in Deutschland (leider) nicht, aber es ist schon auffällig, dass manche Regierungen ihre Bürger nicht mehr zur Ausübung ihres politischen Gestaltungsspielraums mobilisieren können.
3.
friedrich_eckard 26.05.2014
Das ist ja eine ganz nette Spielerei, sie sagt aber doch recht wenig aus, weil der Zusammenhang zwischen Wahlbeteiligung und gleichzeitig mit den Europawahlen stattfindenden Kommunalwahlen doch gar zu offensichtlich ist - in Bayern und Hessen ist nicht kommunalgewählt woreden, und da ist eben alles hellblau.
4. Man kann sicher nicht
felisconcolor 26.05.2014
Zitat von sysopDie Wahlbeteiligung ist in Deutschland gestiegen - auf immerhin rund 48 Prozent. Wo gingen die meisten Bürger bei der Europawahl an die Urnen, wo blieben sie lieber zu Hause? Die interaktive Karte verrät es. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/europawahl-so-gross-war-die-nichtwaehler-quote-in-ihrer-region-a-971343.html
alles mit Politikverdrossenheit erklären. Ich finde es schon erschreckend das über die Hälfte der Wahlberechtigten nicht von ihrem WAHLRECHT gebrauch machen. Denn leider kann man nur durch die Wahl ein klein wenig seinen Willen bekunden. Ich verstehe Menschen nicht wenn sie in einer Demokratie dieses Mittel nicht nutzen. Die Wahl könnte ein machtvolles Instrument sein. Viele Menschen lassen sich wohl doch lieber wie Schafe durch die Strassen treiben. Anders kann ich mir das nicht erklären
5. Sinnvoller Vergleich?
mod2 26.05.2014
Ausnahmsweise gibt es einfache Erklärungen. Sinnvoller als die Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftskraft mit der Wahlbeteilung zu vergleichen wäre es hier, einfach einmal Landkreise mit Kommunalwahl und ohne mit dieser Quote in Beziehung zu setzen. Feintuning wäre dabei schon, beispielsweise die Zahl der zur Verfügung stehenden Kandidaten für Spitzenämter ebenfalls mit zu bewerten. Teilweise gab es dort nämlich nur einen einzigen.....
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