Eva Herman Rechtsparteien buhlen um ihre Traumfrau

Die NPD feiert sie, die DVU will für sie demonstrieren, die konservative Zentrumspartei will sie als politische Galionsfigur: Die umstrittene Ex-NDR-Moderatorin Eva Herman kann sich vor kompromittierenden Angeboten aus der rechten Ecke kaum retten.

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Hamburg - Es sollte ein Coup der Deutschen Volksunion (DVU) werden: Auf dem Hamburger Rathausmarkt wollte die rechtsextreme Partei kommenden Samstag eine Demonstration organisieren - große Worte hatte sich der Hamburger Landesverband für das Motto einfallen lassen. Die reichlich dreiste Losung: "Meinungsfreiheit für Eva Herman! Mehr Demokratie!"

Nun kann die frühere NDR-Moderatorin nicht gerade darüber klagen, in dieser Republik nicht zu Wort zu kommen oder vor dem Bundesverfassungsgericht ihr Recht auf Meinungsfreiheit einfordern zu müssen. Noch am Dienstag plauderte die Autorin mehrerer Bücher ("Das Eva-Prinzip", "Vom Glück des Stillens"), im ZDF bei Johannes B. Kerner, musste dann allerdings vorzeitig gehen, weil sie ihr missverständliches Zitat über das Familienbild der Nazis nicht geraderücken wollte.

Seit Herman vom NDR wegen umstrittener Äußerungen zur Nazi-Zeit gefeuert wurde, in denen sie sich über die Wertschätzung der Mütter und Familien auch im Nationalsozialismus und über die Abschaffung solcher Werte in der 68er Bewegung ausließ, wird die 48-Jährige von Rechtsextremisten gefeiert. "Bravo, Eva", hieß es schon vor Wochen auf der Internetseite der NPD. Herman sei für ihre "Standhaftigkeit gegenüber den Meinungsmachern" zu bewundern.

Auch die DVU wollte im Windschatten der Popularität Hermans segeln. Die Demonstration für Herman wäre eine publikumswirksame Veranstaltung im Zentrum der Hansestadt gewesen: Man trete dagegen ein, dass Hermans "abweichende Meinungen staatlicherseits, hier seitens des NDR, mit Sanktionen belegt werden", tönte die Partei.

"Wichtiges Signal gegen Rechtsextremismus"

Dagegen wehrte sich aber nicht nur Herman selbst mit einer Unterlassungserklärung. Auch die Fraktionen der Hamburger Bürgerschaft reagierten auf den Vorstoß der DVU, um die geplante Demonstration zu stoppen. Die Grünen-Fraktion (GAL) setzte für Samstag eine außerordentliche Sitzung im Rathaus an und hat dazu auch die Abgeordneten von SPD und CDU eingeladen - durch das Treffen, auf dem über Rechtsextremismus diskutiert werden soll und bei dem der Leipziger Rechtsextremismusexperte Oliver Decker als Referent auftritt, ist das Bannkreisgesetz in Kraft getreten: Öffentliche Versammlungen rund um das Rathaus sind damit ausdrücklich untersagt. Auch ein Einspruch der DVU vor dem Hamburger Verwaltungsgericht gegen das Versammlungsverbot blieb erfolglos.

"Rechtsextremisten haben auf dem Hamburger Rathausmarkt nichts zu suchen", sagte GAL-Fraktionschefin Christa Goetsch zu SPIEGEL ONLINE. Für sie sei das interfraktionelle Treffen "ein wichtiges Signal, um gegen jegliche Form von Rechtsextremismus vorzugehen".

Die DVU aber lässt sich nicht beirren - statt auf dem Rathausmarkt will die Partei ihre Veranstaltung zu einem späteren Termin im Hamburger Congress-Centrum abhalten. Dort seien auch andere Parteien bereits aufgetreten. "Da haben wir eine hundertprozentige Chance", sagte der Landesvorsitzende Günther Schlemmer.

Und Eva Herman wird bereits für eine mögliche politische Karriere umworben. "Frau Herman ist unsere Traumkandidatin für die Bürgerschaft. Ihre Stimme darf nicht verstummen", erklärte der frühere Hamburger Innensenator Dirk Nockemann, der inzwischen an der Spitze der Hamburger Zentrumspartei steht. Herman verkörpere die Werte seiner "christlich-konservativen Familienpartei" und lasse sich nicht von der "Sprach- und Denkpolizei beeindrucken".

Nockemann ist ein ehemaliger Weggefährte des Rechtspopulisten Ronald Schill. Markige Töne sind auch in der Zentrumspartei gern gesehen: "Deutschland ist unser Land! Wer bei und mit uns leben möchte, muss es nach unseren Bedingungen tun. Alle anderen sollen gehen – so schnell wie möglich", heißt es im Wahlprogramm.

Über mögliche Gespräche mit Herman wollte sich Nockemann nicht äußern. Die Ex-Moderatorin selbst war für eine Stellungnahme heute nicht zu erreichen. Aber in der Vergangenheit hat sich Herman deutlich von Rechtsextremisten distanziert: "Ich bin mein ganzes Leben erklärte Nazi-Gegnerin gewesen."



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