Ex-Bundesbanker Sarrazin überschüttet Gauck mit Lob

Joachim Gauck bescheinigte Thilo Sarrazin einst Mut für dessen Thesen - eine Äußerung, die Grünen-Politiker und Migranten bis heute nicht vergessen haben. Der Gelobte revanchiert sich nun: Er freue sich, dass Gauck Bundespräsident werde.

Thilo Sarrazin (Archivbild) über Gauck: "Ich bin sehr froh, dass es jetzt so kommen wird"
DPA

Thilo Sarrazin (Archivbild) über Gauck: "Ich bin sehr froh, dass es jetzt so kommen wird"


Berlin - Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin freut sich auf das künftige Staatsoberhaupt. "Ich hätte mir schon im Jahr 2010 Gauck als Bundespräsidenten gewünscht und bin sehr froh, dass es jetzt so kommen wird", sagte Sarrazin am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Er schätze den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler und Pastor sehr. "Ich habe Achtung vor dem Mann und Respekt vor seiner Lebensleistung. Und Gauck ist des wohlgesetzten Wortes mächtig, eine Fähigkeit, die in seiner zukünftigen Position nicht ganz unwichtig ist", sagte der SPD-Politiker.

Bei den Grünen sind nicht alle von Gaucks Nominierung begeistert - Politikern wie dem Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele missfallen dessen Äußerungen zu Sarrazin. Er hoffe, dass Gauck in den kommenden Wochen einiges erklären werde, sagte Ströbele der "Frankfurter Rundschau". Die Grüne sagte, er wolle davon abhängig machen, ob er erneut für Gauck stimmen werde.

Der künftige Bundespräsident wird vor allem aus dem linken Lager dafür kritisiert, dass er ein gewisses Verständnis für die umstrittenen Thesen Sarrazins zur mangelnden Integrationsbereitschaft und -fähigkeit vor allem muslimischer Zuwanderer gezeigt hatte.

Vor zwei Jahren hatte Gauck in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" zu dem umstrittene Ex-Bundesbanker und Autor des heftig debattierten Integrationsbuchs "Deutschland schafft sich ab" gesagt:

"Er (Sarrazin) ist mutig, und er ist natürlich auch einer, der mit der Öffentlichkeit sein Spiel macht, aber das gehört dazu. (...) Nicht mutig ist er, wenn er genau wusste, einen Punkt zu benennen, bei dem er sehr viel Zustimmung bekommen wird." Und: "Da weist er auf ein Problem hin, das nicht ausreichend gelöst ist. Das andere sind seine biologistischen Herleitungen."

Sarrazin wollte sich am Dienstag dann auch nicht dazu äußern, was er sich vom künftigen Staatsoberhaupt zum Thema Integration wünsche. Er sagte nur allgemein: "Ich erwarte von Gauck, dass er sich zu seinen Aufgaben und anstehenden Themen klug äußert."

heb/dpa

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