Ex-Bundespräsident: Wulff wehrt sich gegen Korruptionsvorwürfe

Christian Wulff geht in die Offensive: Sein Anwalt will mit einem 65-seitigen Antrag verhindern, dass das Gericht überhaupt einen Prozess gegen den Ex-Bundespräsidenten eröffnet. Die Staatsanwaltschaft habe seinen Mandanten zum Lügner erniedrigt.

Ex-Staatsoberhaupt Wulff: "Denunziatorischer Angriff" Zur Großansicht
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Ex-Staatsoberhaupt Wulff: "Denunziatorischer Angriff"

Berlin - Erstmals seit seinem Rücktritt im Februar 2012 hat sich Ex-Bundespräsident Christian Wulff gegen die Korruptionsvorwürfe zur Wehr gesetzt. Die "Bild am Sonntag" ("BamS") berichtet, dass sein Anwalt Bernd Müssig Mitte Juni eine 65-seitige Anklageerwiderung beim Landgericht Hannover eingereicht hat. Darin erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft: Der Bundespräsident a.D. sei von den Strafverfolgern zum Lügner erniedrigt worden. Die Stellungnahme des Wulff-Verteidigers liegt der Zeitung vor.

Der Schriftsatz ist die Antwort auf die Anschuldigung wegen Bestechlichkeit. Wulff wurde laut Anklage von seinem Freund, dem Filmproduzenten David Groenewold, 2008 zu einer Oktoberfest-Reise eingeladen. Im Gegenzug soll er sich als niedersächsischer Ministerpräsident für ein Filmprojekt Groenewolds beim Siemens-Konzern eingesetzt haben.

In der Stellungnahme bezeichnet Müssig die Anklageschrift als denunziatorischen persönlichen Angriff und beantragt bei Gericht, den Prozess mangels hinreichenden Tatverdachts nicht zu eröffnen.

Wulff soll bei Oktoberfest-Trip kein Vorteil entstanden sein

Nach Darstellung Müssigs erfuhr Wulff erst im Januar 2012 davon, dass Groenewold damals einen Teil der Hotelkosten im "Bayerischen Hof" für ihn übernommen hatte. Ein Vorteil für ihn sei es ohnehin nicht gewesen, weil ihm die Kosten für den Oktoberfest-Trip dienstlich erstattet worden wären. Groenewold sei zwar ein enger Freund Wulffs, habe aber zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf Entscheidungen des niedersächsischen Ministerpräsidenten genommen.

Abschließend heißt es den Informationen zufolge im Schriftsatz: Es sei nicht nachvollziehbar, warum sich der Ministerpräsident und Aufsichtsrat von Europas größtem Automobilkonzern (VW) durch Einladungen seines Freundes Groenewold im Gesamtwert von 760 Euro bestechen lassen sollte.

Der Vorsitzende Richter Frank Rosenow will laut "BamS" in den nächsten Wochen entscheiden, ob es zum Prozess kommt, oder ob Wulff der Gang vor Gericht erspart bleibt.

ade/afp

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