Ex-Bundestagspräsidentin gestorben Trauer um Annemarie Renger

Die frühere Bundestagspräsidentin und SPD-Politikerin Annemarie Renger ist tot. Sie starb im Alter von 88 Jahren.


Annemarie Renger: Die SPD-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren
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Annemarie Renger: Die SPD-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren

Berlin - Trauer um Annemarie Renger: Die erste Frau und erste Sozialdemokratin an der Spitze des Deutschen Bundestags, Annemarie Renger, ist tot. Sie starb nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 88 Jahren in ihrem Haus in Oberwinter bei Bonn.

Die gebürtige Leipzigerin gehörte zum konservativen Flügel der Sozialdemokraten, arbeitete bis zum Tod des früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher als dessen Privatsekretärin und war von 1953 bis 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Von 1961 bis 1973 gehörte Renger dem Vorstand der Sozialdemokraten an, in den siebziger Jahren auch dem Parteipräsidium.

Das Jahr 1972 markierte den Höhepunkt der politischen Karriere Rengers. Als Nachfolgerin von Kai-Uwe Hassel wurde sie als erste Frau und erste Sozialdemokratin zur Präsidentin des Bundestages gewählt. Sie übte das Amt vier Jahre aus, bis die CDU/CSU aus der Bundestagswahl 1976 als stärkste Fraktion hervorging.

Renger blieb anschließend für 14 weitere Jahre Vizepräsidentin des Parlaments. 1979 kandidierte sie für das Amt der Bundespräsidentin - allerdings in aussichtsloser Position. Sie unterlag dem Unionsbewerber Karl Carstens. Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 kandidierte Renger nicht mehr.

Annemarie Renger hatte etliche Ehrenämter inne. Unter anderem war sie Vorsitzende des Zentralverbands demokratischer Widerstandskämpfer- und Verfolgtenorganisationen sowie Präsidentin der Kurt-Schumacher-Gesellschaft. Sie war zwei Mal verwitwet, ihr Sohn starb 1998.

SPD-Chef Kurt Beck würdigte Renger als eine der großen politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit. "Sie hat Geschichte geschrieben", erklärte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident in Mainz: "In einer Zeit, in der der Frauenanteil in der Politik noch einstellig war, hat sie selbstbewusst ihren Anspruch auf eine Führungsposition durchgesetzt."

Renger lebte nach Angaben der Mainzer Staatskanzlei seit 1965 im rheinland-pfälzischen Oberwinter bei Bonn. Beck sagte, die Verstorbene habe bis zu ihrem Tode zu seinem Beraterkreis gehört: "Ich war dankbar für ihre Ratschläge, die von Lebenserfahrung und Klugheit geprägt waren."

phw/AP



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