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Kritik an Entlassung: Geschasster Bundespolizei-Chef attackiert Innenminister

Der ehemalige Bundespolizei-Chef Seeger erhebt schwere Vorwürfe gegen Innenminister Friedrich. Seine Entlassung sei "unehrenhaft und geradezu beschämend" abgelaufen. Vorwürfe, er habe dubiose Verbindungen nach Weißrussland, seien "kompletter Unfug".

Ex-Bundespolizei-Chef Seeger (im Mai 2011): Scharfe Kritik am Innenminister Zur Großansicht
dapd

Ex-Bundespolizei-Chef Seeger (im Mai 2011): Scharfe Kritik am Innenminister

Berlin - Seeger bezeichnete seine Versetzung in den Ruhestand und die Ablösung seiner beiden Stellvertreter in der "Bild"-Zeitung als "einmalig würdelosen Vorgang". Er sagte dem Blatt: "Das ist unehrenhaft und geradezu beschämend."

Der bisherige Präsident der Bundespolizei war am Montagmorgen von Innenminister Friedrich persönlich in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden, laut der "Bild"-Zeitung ohne Angabe von Gründen.

Der 57 Jahre alte Seeger war seit 2008 im Amt. In Koalitionskreisen hatte es schon am Wochenende geheißen, es gebe große Unzufriedenheit darüber, dass die Bundespolizei immer wieder mit Interna in die Öffentlichkeit geraten sei. Umstritten war Seeger angeblich auch wegen Kontakten zum autoritären Regime in Weißrussland.

Vorwürfe wegen angeblicher Verbindungen zum Regime in Minsk nannte Seeger "kompletten Unfug". Er bestätigte zwar, bis vor zwei Jahren Kontakte zum weißrussischen Grenzschutz gehabt zu haben. Dabei sei es um Fragen der Grenzsicherung gegangen. Dies sei vom Ministerium gebilligt und gewünscht gewesen. Seeger fügte hinzu: "Als sich das Land mehr und mehr zu einer Diktatur entwickelt hat, haben wir die Kontakte abgebrochen."

Innenminister Friedrich hatte die komplette Spitze der Bundespolizei abgelöst. Neben Seeger, der in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde, erhielten dessen Stellvertreter Wolfgang Lohmann und Michael Frehse neue Aufgaben. SPD und Polizeigewerkschaft hatten daran scharfe Kritik geäußert.

Ministerium sieht keine Schuld bei sich

Friedrich hatte die drei Spitzenbeamten am Montag ins Ministerium "einbestellt" und sie persönlich über die Ablösung informiert. Der Vorwurf, die Betroffenen nicht rechtzeitig ins Bild gesetzt zu haben, sei "irreführend", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Jens Teschke. Die Personalien seien vorzeitig bekanntgeworden. Dies sei "nicht glücklich", aber nicht Schuld des Ministeriums.

Am Wochenende hatte mehrere Medien über die Entlassung Seegers und die Abberufung von dessen Stellvertretern berichtet.

Neuer Chef der Bundespolizei wird nach Angaben aus Regierungskreisen der bisherige Referatsleiter für Terrorismus-Bekämpfung im Innenministerium, Dieter Romann. Dieser sei ein "ausgewiesener Fachmann", sagte Teschke. Er verwies darauf, dass Romann Mitte Juni die Razzia gegen radikalislamische Salafisten koordiniert hatte. Dabei waren an 80 Orten in sieben Bundesländern zahlreiche Wohnungen, Vereinsräume und eine Moschee durchsucht worden.

Die Bundespolizei ist mit 41.000 Mitarbeitern die größte Sicherheitsbehörde in Deutschland. Hauptaufgabe ist die Sicherung der deutschen Außengrenzen, hinzu kommen der Schutz von Bahn- und Luftverkehr. Bis zum Jahr 2005 firmierte die Behörde unter der Bezeichnung Bundesgrenzschutz.

fab/dpa/AFP

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1. schade, dass kein Kündigungsgrund angegeben wurde,
katerramus 30.07.2012
Zitat von sysopdapdDer ehemalige Bundespolizei-Chef Seeger erhebt schwere Vorwürfe gegen Innenminister Friedrich. Seine Entlassung sei "unehrenhaft und geradezu beschämend" abgelaufen. Vorwürfe, er habe dubiose Verbindungen nach Weißrussland, seien "kompletter Unfug". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,847208,00.html
dann hätte Herr Seeger juristisch dagegen angehen können- so bleibt ihm nur der Weg über die Öffentlichkeit- ich denke, dass sich ein Großteil seiner bisherigen Mitarbeiter mit ihm solidarisch erklärt ;) Statt sich der wirklichen Probleme zu stellen, enläßt der Innenminister ohne Not die gesamte Führung der größten Behörde ohne Angabe von Gründen...... Was ist mit dem Umbau des Verfassungsschutzes ? Wer hat die Aktenschredderei im Innenministerium angeordnet? Was ist mit den Bundestrojanern? Was ist mit den Arbeitsbedingungen der Bundespolizisten und mit der finanziellen Ausstattung des Amtes? (war da nicht mal was mit Benzinrationierung und Fahrradfahren auf Streife?) Die Bundespolizei ist bisher ohne Skandale ausgekommen- der Bundesinnenminister sorgt jetzt für einen !! Treten Sie zurück, Herr Friedrich !!
2. optional
Merkelfan 30.07.2012
Gebt dem armen Mann einen Posten beim Verfassungsschutz! Da werden ehrliche Männer grad gebraucht!
3. Nichts gegen die Polizei an und für sich
secret77 30.07.2012
leider brauchen wir sie ja;( Aber die Polizei geht (all zu) oft nicht besser um mit vermeintlich Verdächtigen. So: this is how it feels!
4. Ich würde direkt mit ihm tauschen!
hostie64 30.07.2012
Ich würde direkt mit ihm tauschen! Wie bei Beamten üblich geht der Herr ja mit dem goldenen Handschlag in den Ruhestand. Man stelle sich das mal in der 'freien Wirtschaft' vor. Hat man dort das Vertrauen des Chefs verloren und vielleicht auch noch durch Intrigen und Indiskretionen verursacht, so ist man einfach weg. Zugegebenermaßen geht es bei den Spitzenmanagern manchmal auch so zu wie bei Beamten und auch dort gibt es den 'goldenen Handschlag'. Aber nicht bei Angestellten und 'kleinen Managern'. Der soll nicht so öffentlich rumjammern!
5. ...
taggert 30.07.2012
Kommt mir alles sehr komisch und vorgeschoben vor. Einen könnte noch das Gefühl erschleichen, die ganze Geschichte war von Anfang an der "nächste logische Schritt" Richtung Diktatur seitens der Regierung. Schnell und Radikal den VS und andere Organe "Machtkonform" reorganisieren, bevor der Bürger noch merkt was wirklich los ist.. ... Also wundern würde würde es mich kein Stück mehr ...
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