Berlin - Seeger bezeichnete seine Versetzung in den Ruhestand und die Ablösung seiner beiden Stellvertreter in der "Bild"-Zeitung als "einmalig würdelosen Vorgang". Er sagte dem Blatt: "Das ist unehrenhaft und geradezu beschämend."
Der bisherige Präsident der Bundespolizei war am Montagmorgen von Innenminister Friedrich persönlich in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden, laut der "Bild"-Zeitung ohne Angabe von Gründen.
Der 57 Jahre alte Seeger war seit 2008 im Amt. In Koalitionskreisen hatte es schon am Wochenende geheißen, es gebe große Unzufriedenheit darüber, dass die Bundespolizei immer wieder mit Interna in die Öffentlichkeit geraten sei. Umstritten war Seeger angeblich auch wegen Kontakten zum autoritären Regime in Weißrussland.
Vorwürfe wegen angeblicher Verbindungen zum Regime in Minsk nannte Seeger "kompletten Unfug". Er bestätigte zwar, bis vor zwei Jahren Kontakte zum weißrussischen Grenzschutz gehabt zu haben. Dabei sei es um Fragen der Grenzsicherung gegangen. Dies sei vom Ministerium gebilligt und gewünscht gewesen. Seeger fügte hinzu: "Als sich das Land mehr und mehr zu einer Diktatur entwickelt hat, haben wir die Kontakte abgebrochen."
Innenminister Friedrich hatte die komplette Spitze der Bundespolizei abgelöst. Neben Seeger, der in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde, erhielten dessen Stellvertreter Wolfgang Lohmann und Michael Frehse neue Aufgaben. SPD und Polizeigewerkschaft hatten daran scharfe Kritik geäußert.
Ministerium sieht keine Schuld bei sich
Friedrich hatte die drei Spitzenbeamten am Montag ins Ministerium "einbestellt" und sie persönlich über die Ablösung informiert. Der Vorwurf, die Betroffenen nicht rechtzeitig ins Bild gesetzt zu haben, sei "irreführend", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Jens Teschke. Die Personalien seien vorzeitig bekanntgeworden. Dies sei "nicht glücklich", aber nicht Schuld des Ministeriums.
Am Wochenende hatte mehrere Medien über die Entlassung Seegers und die Abberufung von dessen Stellvertretern berichtet.
Neuer Chef der Bundespolizei wird nach Angaben aus Regierungskreisen der bisherige Referatsleiter für Terrorismus-Bekämpfung im Innenministerium, Dieter Romann. Dieser sei ein "ausgewiesener Fachmann", sagte Teschke. Er verwies darauf, dass Romann Mitte Juni die Razzia gegen radikalislamische Salafisten koordiniert hatte. Dabei waren an 80 Orten in sieben Bundesländern zahlreiche Wohnungen, Vereinsräume und eine Moschee durchsucht worden.
Die Bundespolizei ist mit 41.000 Mitarbeitern die größte Sicherheitsbehörde in Deutschland. Hauptaufgabe ist die Sicherung der deutschen Außengrenzen, hinzu kommen der Schutz von Bahn- und Luftverkehr. Bis zum Jahr 2005 firmierte die Behörde unter der Bezeichnung Bundesgrenzschutz.
fab/dpa/AFP
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