Ex-Familienministerin Kristina Schröder zieht sich aus Bundespolitik zurück

Sie war die erste deutsche Ministerin, die während ihrer Amtszeit Mutter wurde - jetzt kündigt die CDU-Politikerin Kristina Schröder an, 2017 nicht mehr für den Bundestag zu kandieren. Sie wolle sich beruflich neu orientieren.

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Ex-Familienministerin Kristina Schröder will Abschied von der Bundespolitik nehmen. Nach dann 15 Jahren als Abgeordnete will die CDU-Politikerin 2017 nicht erneut für den Bundestag kandidieren. Das gab sie am Donnerstag bekannt.

Sie wolle sich beruflich neu orientieren, sagte Schröder, die als Direktkandidatin aus Wiesbaden im Parlament sitzt, SPIEGEL ONLINE. "Ich bin mit 25 Jahren in den Bundestag gekommen. Um das mein ganzes Leben zu machen, war das mindestens zehn Jahre zu früh." In Ruhe wolle sie nun nach neuen beruflichen Möglichkeiten suchen. Mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf habe ihre Entscheidung nichts zu tun, so die 38-Jährige.

Das sei als Ministerin ein Punkt gewesen, als einfache Abgeordnete habe sie da mehr Freiheiten gehabt. Schröder hat mit ihrem Mann, Ole Schröder, der Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium ist, zwei kleine Töchter.

Schröder verkündete zugleich, sie wolle in ihrer Heimatstadt am kommenden Montag als stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende kandidieren und sich um die Integration von Flüchtlingen in Wiesbaden kümmern. "Und auch nach der Bundestagswahl werde ich mit Sicherheit politisch aktiv bleiben - das kann ich mir gar nicht anders vorstellen."

Sie habe ihre Pläne, nicht mehr für den Bundestag kandidieren zu wollen, frühzeitig bekannt gegeben, damit die "Nachfolge von meinem Kreisverband in aller Ruhe geregelt werden kann", so Schröder. Auch 2013 hatte Schröder früh erklärt, dass sie eine zweite Amtszeit als Familienministerin nicht wolle. Allerdings schien es damals auch nicht wahrscheinlich, dass sie überhaupt noch einmal gefragt würde.

In hessischen Lokalmedien war in den vergangenen Tagen bereits über neue Aufgaben für Schröder spekuliert worden - etwa darüber, ob sie 2019 als OB-Kandidatin für Wiesbaden antreten könne. Der Wiesbadener CDU-Fraktionsvorsitzende Bernhard Lorenz nannte das eine "brillante Idee". Schröder selbst schloss eine Kandidatur für das Amt aber aus. Wie der "Wiesbadener Kurier" schrieb, hat das Ehepaar Schröder im Wiesbadener Bezirk Sonnenberg ein Haus erworben und "wolle möglicherweise ihren Lebensmittelpunkt wieder mehr nach Wiesbaden verlegen".

Schröder war bis zum Herbst 2013 Familienministerin und folgte auf Ursula von der Leyen (CDU). Sie war die erste deutsche Ministerin, die im Amt Mutter wurde. Akzente setzte sie ausgerechnet auf Feldern, die nicht so recht zu einer jungen Familienministerin passen wollten.

So rechnete sie in einem Buch mit dem Feminismus ab, setzte das Betreuungsgeld durch und kämpfte gegen eine feste Frauenquote. Politisch war Schröder schwierig zu verorten: Mal argumentierte sie konservativ, mal liberal.

Häufig polarisiert Schröder mit ihren Äußerungen - zu Integration, zu Islam, zum Feminismus. Auf Twitter hat sie mehr 42.000 Follower. Zuletzt hatte die 38-Jährige als Bundestagsabgeordnete gegen den frühen Unterrichtsbeginn an Schulen gekämpft, für mehr Forschung zu Antibiotika in Deutschland und für Gentechnik.



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