Ex-Generalbundesanwalt Harald Range ist tot

Im Streit über die Ermittlungen gegen Netzpolitik.org musste Generalbundesanwalt Harald Range 2015 seinen Posten räumen. Nun ist er im Alter von 70 Jahren gestorben.

Harald Range
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Harald Range


Der ehemalige Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof Harald Range ist am Mittwochabend gestorben. Das bestätigte das Bundesjustizministerium. Range hatte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe von 2011 bis 2015 geleitet. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung war Range in einem Café zusammengebrochen und an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Er wurde 70 Jahre alt.

Justizministerin Katarina Barley zeigte sich betroffen angesichts der Todesmeldung. "Meine Gedanken sind bei seiner Frau und seinen Kindern. Ihnen möchte ich mein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken", teilte sie mit.

Zu den wichtigsten Entscheidungen während Ranges Amtszeit gehörte die Anklage gegen die einzige Überlebende des Terrortrios "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU), Beate Zschäpe. Unter Druck geriet der Top-Jurist im Zuge der Spähaffäre um den US-Geheimdienst NSA.

Vor etwa zwei Jahren hatte Range mit Ermittlungen gegen Netzpolitik.org für Schlagzeilen gesorgt. Ausgangspunkt der Affäre waren Berichte des Blogs über Pläne des Verfassungsschutzes, Onlinenetzwerke stärker zu überwachen. Dazu stellten die Journalisten vertrauliche Unterlagen ins Netz. Der Verfassungsschutz erstattete daraufhin Anzeige. Range leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Landesverrats gegen Journalisten von Netzpolitik.org ein, woraufhin eine Debatte über Pressefreiheit entbrannte.

Die Bundesregierung ging damals deutlich auf Distanz zu Range. Der Streit zwischen dem damaligen Justizminister Heiko Maas (SPD) führte schließlich zum vorzeitigen Ruhestand Ranges. "Ich habe Generalbundesanwalt Range mitgeteilt, dass mein Vertrauen in seine Amtsführung nachhaltig gestört ist", sagte Maas damals zur Begründung. Range beklagte seinerseits einen "unerträglichen Eingriff" der Politik in die Unabhängigkeit der Justiz.

vks/jdl/dpa

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