Doris Schröder-Köpf im Wahlkampf "Ich habe meinen eigenen Kopf"

Sie soll Glanz in den Wahlkampf der SPD-Niedersachsen bringen: Doris Schröder-Köpf kandidiert für den Landtag und kümmert sich um Integration. Im Interview spricht die Altkanzler-Gattin über Attacken auf ihr Büro - und den speziellen Einsatz ihres Mannes als Wahlkampfhelfer.

Schröder-Köpf: "Hausmann ist mein Mann nicht und wird er sicher auch nie werden"
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Schröder-Köpf: "Hausmann ist mein Mann nicht und wird er sicher auch nie werden"


SPIEGEL ONLINE: Frau Schröder-Köpf, Sie haben sich lange Zeit dagegen gewehrt, im Schattenkabinett von SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil einen Posten zu übernehmen. Jetzt sind Sie zur Integrationsbeauftragten ernannt worden. Warum haben Sie zugesagt?

Schröder-Köpf: Ich beschäftige mich seit Jahren, auch ehrenamtlich, mit Kindern und Jugendlichen. In Niedersachsen hat inzwischen ein Drittel der Menschen unter 15 Jahren eine Einwanderungsgeschichte - ein Drittel! Viele haben Probleme, verlassen zum Beispiel die Schule ohne Abschluss. Wir brauchen eine bessere frühkindliche Bildung, mehr Förderung in Ganztagsschulen, Verzicht auf das schädliche Betreuungsgeld. Ich finde es gut, dass meine Stimme jetzt zählt. Ich sehe mich als Ombudsfrau für Anliegen, die mit Migration und Teilhabe zu tun haben.

SPIEGEL ONLINE: Welche Befugnisse haben Sie?

Schröder-Köpf: Stephan Weil hat mir große "Beinfreiheit" zugesichert. In der Härtefallkommission, die konkret über strittige Abschiebungen entscheidet, werden unter meiner Leitung humanitäre Aspekte wieder eine größere Rolle spielen. Im Einzelnen wird das aber Thema bei den Koalitionsverhandlungen sein.

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Wahlkampf in Niedersachsen: SPD setzt auf Schröder-Köpf
SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Sie die Kopftuch-Frage: Dürfen Lehrerinnen ihre Kopfbedeckung in den Schulen auch außerhalb des geplanten islamischen Religionsunterrichts tragen?

Schröder-Köpf: Wir werden das besprechen. Ich persönlich habe als Internatsschülerin bei katholischen Nonnen jedenfalls eines gelernt: Emanzipiertes Verhalten hat nichts mit der Kopfbedeckung zu tun. Es muss nur eine freiwillige Entscheidung sein, sie zu tragen. Es ist immer wichtiger, was im Kopf drin ist, als das, was drauf ist.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind die erste Frau eines Ex-Bundeskanzlers, die um eine eigene politische Karriere kämpft. Sie wollen in zwei Monaten in den Landtag von Niedersachsen einziehen. Wie sehr haben Sie sich in den ersten Monaten Wahlkampf emanzipieren können?

Schröder-Köpf: Emanzipiert war ich schon immer. Es ging allein um die Wahrnehmung von außen. Manche Menschen hatten ein Bild von mir, das auf die Phase der Kanzlerjahre beschränkt war. Da waren meine Möglichkeiten, Eigenständigkeit zu zeigen, eben beschränkt.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehr holt Sie die Politik Ihres Mannes ein - zum Beispiel die umstrittene Hartz-IV-Reform, deren Name "Agenda 2010" Sie sich ausgedacht haben?

Schröder-Köpf: Ich hätte viel zu tun, wenn ich heute ständig politische Äußerungen oder Entscheidungen meines Mannes aus dessen 40-jähriger Laufbahn kommentieren würde. Er hatte damals als niedersächsischer Ministerpräsident und als Bundeskanzler seine Themen, ich habe heute meine. Ich konzentriere mich auf die Bereiche Integration, demografischer Wandel, Bildung und Gleichstellung von Frauen und Männern - und auf meinen Wahlkreis.

SPIEGEL ONLINE: Unterstützt Ihr Mann sie im Wahlkampf?

Schröder-Köpf: Er hilft mir im Familienalltag. Er ist häufiger als früher zu Hause im Einsatz und kümmert sich um die Kinder. Wir stimmen uns ab, so dass er bei den Kleinen ist, wenn sich bei mir die Termine ballen. Eigentlich die blanke Selbstverständlichkeit, finde ich.

SPIEGEL ONLINE: Gerhard Schröder macht den Hausmann?

Schröder-Köpf: Hausmann ist er nicht und wird er sicher auch nie werden. Das muss er auch nicht. Das Wichtigste ist, dass er sich für die Kinder und ihre Angelegenheiten zuständig fühlt.

SPIEGEL ONLINE: Berät Sie Ihr Mann?

Schröder-Köpf: Nein, da habe ich meinen eigenen Kopf. Ich bin ein anderer Mensch, eine Frau - und es ist eine andere Zeit als damals, als er noch aktiver Politiker war.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie nicht gleich für den Bundestag kandidiert?

Schröder-Köpf: Warum sollte ich? Für die Themen, die mir wichtig sind, ist die Ebene eines Bundeslandes genau die richtige. Gerade die Bildungspolitik, Schlüssel für die Integration, ist Länderaufgabe. Landespolitik ist sehr konkret, das liegt mir.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Wahlkreisbüro in Hannover ist schon dreimal mit Steinen attackiert worden. Wie haben Sie da reagiert?

Schröder-Köpf: Ich habe mir Sorgen um die Mitarbeiterinnen dort gemacht. Die Angriffe hängen wohl mit einem rechtsradikalen Trupp zusammen, der inzwischen verboten ist. Vor vielen Jahren gab es schon einmal ein SPD-Büro in meinem Wahlkreis, das bei einem Brandanschlag zerstört wurde. Auch damals gab es einen rechtsradikalen Hintergrund. Ich habe inzwischen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und auch Scheiben in einer anderen Widerstandsklasse einbauen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Umfragen zeigen, dass ein Regierungswechsel in Niedersachsen möglich wird. Bisher wirkt SPD-Frontmann Stephan Weil recht blass. Ist er ein guter Spitzenkandidat?

Schröder-Köpf: Ich sage es mal so: Ihm würde ich meine Kinder und meine Kasse in Obhut geben - mehr Vertrauen kann man nicht haben. Er ist ein sehr aufmerksamer und warmherziger Mensch. Es ist im Übrigen völlig normal, dass sich die Bekanntheitsgrad- und Beliebtheitswerte eines Herausforderers im Laufe eines Wahlkampfes erst entwickeln. Stephan Weil wird seinen Weg machen und die Wahl gewinnen, da habe ich keinen Zweifel.

Das Gespräch führte Christina Hebel

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insgesamt 22 Beiträge
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mat76 20.11.2012
1. ;-)
Irgendwie musste ich Schmunzeln Köpf hat ihren eigenen Kopf
Klaus100 20.11.2012
2. Wahlkampf
Ich hoffe, dass noch ein wenig Zeit für die Berichterstattung übrig bleibt. Aber Wahlkampf muss ein.
knieselstein 20.11.2012
3. Da sage noch einer, es gäbe unter
den Journalisten keine Solidarität. Noch zwei Monate und mindestens 10 Artikel über diese Dame bis zu Wahl.
Tysknaden 20.11.2012
4. Kopf oder Köpf?
"Köpf". Nicht "Kopf". Ein "Köpf" ist ein hohler Kopf.
juergenwolfgang 20.11.2012
5. was will die?
Zitat von sysopDPASie soll Glanz in den Wahlkampf der SPD-Niedersachsen bringen: Doris Schröder-Köpf kandidiert für den Landtag und kümmert sich um Integration. Im Interview spricht die Altkanzler-Gattin über Attacken auf ihr Büro - und den speziellen Einsatz ihres Mannes als Wahlkampfhelfer. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ex-kanzlergattin-schroeder-koepf-kaempft-fuer-spd-niedersachsen-a-867391.html
Ich hoffe doch mal das die Wähler in Niedersachsen nicht auf diese Kandidatin reinfallen und Diese auch noch wählen. Nur weil SPD davor steht und Schröder drin ist sollte man sich nicht verleiten lassen.
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