Ex-RAF-Terrorist Mahler Der Anwalt und die Stasi

Wie tief war der DDR-Geheimdienst in die Ereignisse um den Tod des Studenten Benno Ohnesorg verstrickt? Laut einem Zeitungsbericht war nicht nur der Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras ein Informant der Stasi, sondern auch der linksextreme Anwalt und spätere RAF-Gründer Horst Mahler.

dapd

Berlin - Horst Mahler selbst konnte die "Bild am Sonntag" nicht zu ihrer Recherche befragen. Der 75 Jahre alte Anwalt, Mitbegründer der Roten Armee Fraktion, Ex-Terrorist, ehemaliger Maoist und Linksextremist, heute rechtsradikal, sitzt seit 2009. Wegen Volksverhetzung und Leugnung des Holocausts wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt. Mahlers Anwalt Mirko Röder sagte der Zeitung, sollte es stimmen, dass Mahler ein Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des DDR-Geheimdienstes gewesen ist, sei er überrascht, "wie tief die Stasi in die damaligen politischen Vorgänge der Bundesrepublik eindringen konnte".

Worum geht es genau? Die "Bild am Sonntag" berichtet, dass Mahler angeblich zwischen 1967 und 1970 vom DDR- Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als IM geführt worden sei. Das Blatt beruft sich auf einen vertraulichen Bericht der Berliner Generalstaatsanwaltschaft vom 18. Juli 2011. Die Zusammenarbeit mit der Hauptverwaltung Aufklärung, also dem Auslandsnachrichtendienst der Stasi, habe erst geendet, als Mahler zusammen mit Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin die Rote Armee Fraktion ( RAF) gründete und in den Untergrund ging. Pikant: Als linker Star-Anwalt hatte Mahler Mitte und Ende der Sechziger zahlreiche 68er, darunter Rainer Langhans und Rudi Dutschke, vor Gericht verteidigt und galt als einer der Vordenker im linken Studentenbund SDS und in der Außerparlamentarischen Opposition (Apo).

Kurras-Recherche führte zu Mahler

Auch die Witwe des am 2. Juni 1967 erschossenen Studenten Benno Ohnesorg verteidigte Mahler als Vertretung der Nebenklage. Ohnesorg war im Tumult nach den gewaltsam aufgelösten Demonstrationen gegen den Besuch des Schahs von Persien in Berlin von dem Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen worden. Die Gewalttat gilt als Initialzündung für die Radikalisierung der linken Szene und führte zur Gründung militanter Gruppen wie der RAF oder wenig später der "Bewegung 2. Juni".

Laut "Bild am Sonntag" waren es Recherchen zum Fall Ohnesorg, bei denen die Berliner Strafverfolger auf Mahlers Stasi-Kontakte stießen. Gemeinsam mit der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hatten die Staatsanwälte die Ermittlungen wieder aufgenommen, nachdem im Mai 2009 bekannt geworden war, dass Polizist Kurras für das MfS tätig war. Wie die Zeitung berichtet, bieten die Unterlagen der Staatsanwaltschaft zahlreiche Hinweise und Indizien, dass Kurras vorsätzlich auf Ohnesorg geschossen habe.

Laut dem Bericht der Generalstaatsanwaltschaft spielte die Stasi im Fall Ohnesorg eine größere Rolle als bisher bekannt. Kurras wurde 1970 vom Verdacht der vorsätzlichen Tötung freigesprochen. Vor allem der Freispruch nach dem brutalen Vorgehen der Berliner Polizei gegen die linken Demonstranten radikalisierte viele 68er.

bor

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