Ex-Schlichter im Bahnhofsstreit: Geißler spricht sich für Bau von Stuttgart 21 aus

Stuttgart 21: Streit um ein Jahrhundertprojekt Fotos
dapd

Das Großprojekt Stuttgart 21 wird immer teurer, derzeit werden bis zu 2,3 Milliarden Euro Mehrkosten veranschlagt. Jetzt mischt sich der frühere Schlichter Heiner Geißler in den Streit um den Bau ein: Es gebe keine Alternative zu einem neuen Bahnhof, die Kostenexplosion sei lösbar.

Stuttgart/Hamburg - Der ehemalige Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler geht davon aus, dass der neue Bahnhof trotz der Kostenexplosion gebaut wird. Er sagte im Interview mit dem Deutschlandradio Kultur, wenn nun nichts aus dem Projekt werde, "dann hat man zwei Milliarden ausgegeben und (...) nichts dafür bekommen". Das könne nicht sinnvoll sein.

Irgendwann werde sich der "gesunde Menschenverstand" durchsetzen, der einem sage, dass man nicht einfach so viel Geld zum Fenster rauswerfen könne. "Ob der Bahnhof nun so gebaut wird (...), wie er ursprünglich geplant wird, das steht ja auf einem anderen Blatt Papier", so Geißler.

Der CDU-Politiker hatte zum Ende der Schlichtung gemeinsam mit dem Schweizer Gutachterbüro SMA einen Kompromiss vorgelegt, der eine Mischung zwischen Kopf- und unterirdischem Bahnhof darstellt. "Ja, um den gehen die offenbar immer noch herum wie die Katze um den heißen Brei", antwortete er in dem Interview auf die Frage, was aus diesem Vorschlag geworden sei.

Die steigenden Kosten hält Geißler für ein "lösbares Problem". Bahn-Aufsichtsrat und grün-rote Landesregierung streiten sich über die Verteilung der Mehrkosten von bis zu 2,3 Milliarden Euro. "Ich finde, für ein solches Projekt muss das Geld da sein", betonte Geißler.

Der SPIEGEL berichtet in seiner neuesten Ausgabe, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg an den Mehrkosten für das Projekt Stuttgart 21 beteiligen will. Die Kontrolleure wollten auf diese Weise verhindern, dass der Staatskonzern zusätzliche Kosten von 2,3 Milliarden Euro allein übernehmen muss. Nach aktuellen Berechnungen kostet das umstrittene Bahnprojekt bis zu 6,8 Milliarden Euro, unter anderem weil die Trassenführung am Flughafen geändert werden soll.

Die grün-rote Landesregierung weigert sich bisher, ihren Anteil an den Baukosten in Höhe von knapp einer Milliarde Euro aufzustocken und pocht auf die von der Bahn garantierte Kostengrenze von 4,5 Milliarden Euro.

Das Verkehrsministerium in Berlin fordert eine Aufteilung der sich abzeichnenden Mehrkosten auf die Projektpartner. Für den Fall, dass dies nicht gelinge, hat Verkehrsminister Ramsauer intern auch schon ein vorzeitiges Aus für das Jahrhundertprojekt ins Spiel gebracht. Am Montag und Dienstag finden in Stuttgart Spitzengespräche zwischen Vertretern des Bahn-Vorstands, der baden-württembergischen Landesregierung und der Landeshauptstadt statt.

Aufsichtsräte warnen davor, dass bei einem Scheitern von Stuttgart 21 in den kommenden zehn bis 15 Jahren am Hauptbahnhof überhaupt nicht gebaut werde.

heb/flo/dpa

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insgesamt 259 Beiträge
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1. Ah ja,
spassbeseite 18.02.2013
Zitat von sysopdapdDas Großprojekt Stuttgart 21 wird immer teurer, derzeit werden bis zu 2,3 Milliarden Euro Mehrkosten veranschlagt. Jetzt mischt sich der frühere Schlichter Heiner Geißler in den Streit um den Bau ein: Es gebe keine Alternative zu einem neuen Bahnhof, die Kostenexplosion sei lösbar. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ex-schlichter-geissler-stuttgart-21-muss-gebaut-werden-a-883982.html
Heiner Geissler war ja der "neutrale" Schlichter °!° Ein Schelm der Böses dabei denkt. Ich bin nur froh, dass in meiner Heimatstadt Frankfurt ein ähnliches Projekt wie Stuttgart 21 aus Kosten- und Machbarkeitsgründen beerdigt worden ist. Auch hier sollte aus einem Kopfbahnhof ein unterirdischer Tiefbahnhof werden. Dabei ist Frankfurt viel eher ein "Knotenpunkt" mitten in Deutschland als Stuttgart.
2. Der Mann war von Anfang an...
CitizenTM 18.02.2013
... ein Wolf im Schafspelz. Und vom Alter und vom Intellekt her der Sache überhaupt nicht gewachsen. Er hat sich - ähnlich unserem ebenso vergreisten BP - nur den salbungsvollen Worten und dem Selbstbild des grossen Weisen aus dem Abendland hingegeben. Mag sein, dass er seinen Unsinn sogar glaubt - aber von der Welt versteht dieser Mann schon lange nichts mehr. Wenn die Bürger dieses Landes weiterhin so verarscht werden wie bei S21 dann wird es irgendwann gewaltig rums machen.
3. Transprapid
missoni 18.02.2013
Also irgendwie erinnert mich das ganze an den Transrapid in München, wo der Ude massiv dagegen war. Der meinte, wenn er den Transrapid kippt, würde er eine S-Bahn zum Flughafen bekommen. Doch da München für den öffentlichen Nahverkehr schon so viel Geld bekommen hat, war da nichts mehr drinnen. Also hat nun München keinen Transrapid und auch keine Express-S-Bahn. Nicht das es Stuttgart genau so geht. Projekt gekippt und nix mehr bekommen.
4. optional
nic 18.02.2013
Wohlwissend, dass diese 2 Milliarden Ausstiegskosten vollkommen unbewiesen sind, nützt Geißler, sowie die Bahn auch, dieses fadenscheinige Argument um S21 weiter zu bauen. Bei Geißler war ich mir nie sicher woran ich bin. Jetzt weiß ich es: ein Mann mit Maske.
5. Geißler
kölschejung72 18.02.2013
Wenn ein Projekt wirtschaftlich unrentabel ist, aber von den Befürwortern mit falschen Zahlen argumentiert wurde, dann kann man das den Gegnern nicht in Rechnung stellen. Wer das Milliardengrab will, muss dann auch dafür bezahlen. Wieviele Millionen spenden sie dafür Herr Geißler?
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Stuttgart 21 in Zahlen
Außer dem Projekt Deutsche Einheit mit dem Aus- und Neubau der Strecke Nürnberg-Berlin ist Stuttgart 21 samt der Trasse nach Ulm das größte Bauvorhaben der Bahn AG. Die Kennzahlen:
Höchstgeschwindigkeit
250 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke
Schienen
117 Kilometer neue Strecke, davon 60 Kilometer Hochgeschwindigkeitstrasse von Wendlingen (Kreis Esslingen) nach Ulm und 57 Kilometer für einen neuen Ring in Stuttgart, die Talquerung und die Anbindung über die Filderebene an die Strecke nach Ulm
Stuttgart
100 Hektar freie Fläche in der Stuttgarter Innenstadt durch die Verlegung des Bahnhofs unter die Erde
Tunnel
63 Kilometer Tunnel, von denen 33 Kilometer Stuttgart 21 und 30 Kilometer der Neubaustrecke nach Ulm zuzuordnen sind. 26 Tunnel, davon 16 bei "Stuttgart 21" und zehn auf der Neubaustrecke
Brücken
55 Brücken, davon 18 bei Stuttgart 21, 37 auf der Neubaustrecke
Fahrzeiten
- 41 statt 61 Minuten Fahrzeit zwischen Stuttgart und Tübingen
- 28 statt 54 Minuten Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm
Kosten
Mehr als sechs Milliarden Euro Kosten, wovon gut 4,1 Milliarden auf Stuttgart 21 und mehr als zwei Milliarden auf die Neubautrasse entfallen
Bahnhöfe
Drei neue Bahnhöfe: der unterirdische Hauptbahnhof in Stuttgart, ein ICE-Halt an der Messe und am Flughafen und die S-Bahnstation Mittnachtstraße zur Erschließung des geplanten Rosensteinviertels