SPD-Politiker Ex-Verteidigungsminister Georg Leber gestorben

Unter den Kanzlern Brandt und Schmidt war Georg Leber in den siebziger Jahren Verteidigungsminister. Er galt als "Soldatenvater" - bis er über einen Abhörskandal stürzte. Nun ist der Sozialdemokrat im Alter von 91 Jahren gestorben.

SPD-Politiker Leber (bei seinem 80. Geburtstag im Jahr 2000): Tod nach langer Krankheit
dapd

SPD-Politiker Leber (bei seinem 80. Geburtstag im Jahr 2000): Tod nach langer Krankheit


Frankfurt/Main - Der ehemalige Verkehrs- und Verteidigungsminister Georg Leber ist gestorben. Das teilte am Mittwoch in Frankfurt am Main die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit, deren Vorsitzender Leber von 1957 an einige Jahre war. Demnach starb der SPD-Politiker Leber am Dienstag nach langer Krankheit. Er wurde 91 Jahre alt.

Der Gewerkschaftsvorsitzende Klaus Wiesehügel sprach von einem "schweren Verlust". Die deutsche Arbeiterbewegung verliere mit ihm einen wegweisenden Vorkämpfer. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier nannte Leber einen " der großen Männer der deutschen Sozialdemokratie" und den "erfolgreichsten und beliebtesten Verteidigungsminister in der Geschichte der Bundesrepublik".

Leber, der eigentlich eine kaufmännische Ausbildung hatte, arbeitete nach dem Krieg als Maurer. Ab 1949 war er hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär bei der IG Bau-Steine-Erden, wie sie damals hieß, und übernahm acht Jahre später deren Vorsitz. Ebenfalls 1957 wurde er in Frankfurt zum SPD-Bundestagsabgeordneten gewählt.

Zur Zeit der Großen Koalition wurde "Schorsch" Leber, wie er vielfach genannt wurde, 1966 zum Bundesverkehrsminister berufen. Als Verkehrsminister setzte er Tempo 100 auf Landstraßen und die 0,8- Promille-Grenze für Blutalkohol beim Autofahren durch. In der sozial-liberalen Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt führte er zusätzlich auch das Postministerium.

1972 übernahm Leber vom späteren Kanzler Helmut Schmidt (SPD), der damals Finanzminister wurde, das Verteidigungsministerium. Wegen seines betont menschlichen Umgangs mit den Bundeswehr-Angehörigen bekam Leber den Ehrennamen "Soldatenvater".

Er stürzte schließlich über Affären der Bundeswehr. 1978 übernahm der Sozialdemokrat die politische Verantwortung für den unerlaubten Einsatz von Lauschmitteln des Militärischen Abschirmdiensts (MAD) im Büro einer gegen die Bundeswehr agierenden kommunistischen Organisation und trat gegen den Rat der übrigen Kabinettsmitglieder zurück. Von 1979 bis 1983 war er noch Bundestagsvizepräsident.

fab/dapd/dpa



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