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Ex-Wirtschaftsminister: FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff ist tot

Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff ist tot. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister starb bereits am Samstag in einem Krankenhaus in Bonn. Er hatte über Jahrzehnte die Politik der Freidemokraten mitgeprägt. Bundeskanzlerin Merkel würdigte ihn als herausragenden Liberalen.

Otto Graf Lambsdorff: Ein Leben für die Marktwirtschaft Fotos
DPA

Berlin - Die FDP hat einen ihrer bedeutendsten Politiker verloren: Der ehemalige Parteivorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff starb in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Alter von 82 Jahren. Er sei "von seinen vielfältigen Leiden erlöst worden", hieß es in einer kurzen Erklärung von Lambsdorffs Büro.

Die Todesursache war zunächst noch unklar. Sein Sohn Nikolaus Graf Lambsdorff erklärte lediglich, sein Vater sei plötzlich und unerwartet gestorben. Termine für Trauerfeier und Beisetzung stünden noch nicht fest. Noch vor wenigen Wochen warnte Lambsdorff die neue schwarz-gelbe Bundesregierung vor einem "Schuldenrausch".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Lambsdorff, der zuletzt Ehrenvorsitzender der FDP war, als menschlich wie politisch gleichermaßen herausragenden Liberalen. "Er hat die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland lange Jahre hindurch ordnungspolitisch geprägt und reiht sich ein in die Reihe der großen Persönlichkeiten unserer sozialen Marktwirtschaft", erklärte die CDU-Vorsitzende am Sonntag in Berlin.

Bestürzung bei den Liberalen

Die Spitzen der FDP äußerten sich am Sonntag bestürzt über den Tod des 82-Jährigen. "Wir sind tief traurig", sagte Parteichef Guido Westerwelle. Westerwelle erklärte, mit Lambsdorff verliere die Partei einen ihrer wichtigsten Gestalter und Wegweiser der vergangenen Jahrzehnte. Deutschland verliere einen prägenden Wirtschaftspolitiker, der mit seinem Kompass der sozialen Marktwirtschaft den Weg gewiesen habe, erklärte der Außenminister und betonte die "programmatische Klarheit und kantige Unerschütterlichkeit" Lambsdorffs.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger würdigte Lambsdorff ebenfalls. "Otto Graf Lambsdorffs Engagement für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit gehören zu seinem politischen Wirken genauso wie das Eintreten für die soziale Marktwirtschaft", erklärte die FDP-Vizechefin. "Zeit seines Lebens hat Otto Graf Lambsdorff darauf bestanden, dass der Liberalismus als eine umfassende politische Idee vertreten werden muss", so Leutheusser-Schnarrenberger. "Der Liberalismus verliert einen seiner prägenden Liberalen der deutschen Nachkriegszeit", sagte die Ministerin.

Der frühere FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardtsprach von einem "großen Verlust eines überragenden Mannes". Gerhardt fügte in einer Stellungnahme hinzu: "In der politischen Geschichte der Bundesrepublik ist seine Handschrift zu erkennen."

Lambsdorffs große Karriere - getrübt durch die Parteispendenaffäre

Lambsdorff bekleidete in seiner langen politischen Karriere viele Ämter. 1951 trat er der FDP bei. Mit dem Einzug in den Bundestag begann 1972 seine bundespolitische Karriere. Er war von 1977 bis 1984 Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, von 1988 bis 1993 führte er die FDP. In der deutschen Regierungsgeschichte ist sein Name mit der "Wende" von der sozial-liberalen Regierung Helmut Schmidts zur CDU/CSU/FDP-Koalition von Helmut Kohl verbunden.

Getrübt wird seine politische Bilanz allerdings durch die Parteispendenaffäre Mitte der achtziger Jahre. In der Affäre um den Flick-Konzern war Lambsdorff 1987 zu 180.000 Mark Geldstrafe verurteilt worden, zuvor hatte er vom Ministeramt zurücktreten müssen.

SPD-Kanzler Gerhard Schröder beauftragte 1999 den FDP-Mann, die Verhandlungen über die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern zu führen. Das Verhandlungsgeschick Lambsdorffs in den diffizilen Gesprächen mit Anwälten und Verbänden der Opfer fand hohe Anerkennung. Die internationalen Verbindungen, die Lambsdorff auch als Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung hatte, halfen dabei. Als Lambsdorff dieses Amt im April 2006 an Wolfgang Gerhardt abgab, hielt der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger im Reichstagsgebäude die Laudatio auf seinen Freund.

vme/AFP/AP/dpa/ddp

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Forum - Otto Graf Lambsdorff - was bleibt von seiner Politik?
insgesamt 293 Beiträge
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1.
Stefanie Bach, 06.12.2009
Zitat von sysopDer FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff ist tot. Er war über mehrere Jahrzehnte die prägendste Figur bei den Liberalen und hat ihren Kurs entscheidened mitbestimmt. Was bleibt von seiner Politik erhalten?
De mortuis nihil nisi bene. Allerdings muss man schon befürchten, dass mit seinem Namen eine Verzerrung und einseitig falsche Akzentuierung des Begriffs soziale Merktwirtschaft verbunden bleibt. Es besteht dringender Reformbedarf: Die soziale Marktwirtschaft liberal und sozial erneuern (http://www.plantor.de/2009/die-soziale-marktwirtschaft-liberal-und-sozial-erneuern/).
2.
Vegano 06.12.2009
Zitat von sysopDer FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff ist tot. Er war über mehrere Jahrzehnte die prägendste Figur bei den Liberalen und hat ihren Kurs entscheidened mitbestimmt. Was bleibt von seiner Politik erhalten?
Na alles. Er hat das Kohl-Lambsdorff-Papier mitverfaßt, das Anfang der 80er die neoliberale Wende in Deutschland eingeleitet hat. Bis heute wird in Deutschland Politik gemacht nach dieser Blaupause. Somit war Lambsdorff in der Tat ein sehr einflußreicher Politiker. Und sein politisches Erbe ist verhängnisvoll.
3. Verurteilung
ewspapst 06.12.2009
Zitat von sysopDer FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff ist tot. Er war über mehrere Jahrzehnte die prägendste Figur bei den Liberalen und hat ihren Kurs entscheidened mitbestimmt. Was bleibt von seiner Politik erhalten?
Wenn kriminelles Verhalten prägend war, was soll ich dann von den Liberalen halten?
4. ...
peterregen 06.12.2009
Zitat von sysopDer FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff ist tot. Er war über mehrere Jahrzehnte die prägendste Figur bei den Liberalen und hat ihren Kurs entscheidened mitbestimmt. Was bleibt von seiner Politik erhalten?
Also ich weiß nicht was er (oder ich? oder die Medien?) falsch gemacht hat. Aber mir bleibt er in erster Linie als Verbrecher in Erinnerung, der mit beigetragen hat das Vertrauen in die Politik(er) zu zerstören...
5.
ha.ha 06.12.2009
Zitat von sysopDer FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff ist tot. Er war über mehrere Jahrzehnte die prägendste Figur bei den Liberalen und hat ihren Kurs entscheidened mitbestimmt. Was bleibt von seiner Politik erhalten?
Zunächst erstmal mein Beileid an die Angehörigen. Meine erste Assoziation zu Lambsdorff wird trotzdem die Flick-Affäre bleiben. Ein Bundeswirtschaftsminister, der zur Steuerhinterziehung verurteilt wird und dennoch bis zum Schluss eines der wichtigsten FDP-Ehrenmitglieder und Vorzeigemann der Marktwirtschaft bleibt...Das sagt doch schon einmal sehr viel aus, oder nicht?
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Lambsdorffs wichtigste Stationen
Partei
Lambsdorff trat 1951 der FDP bei. 1972 wurde er in den Bundesvorstand der Liberalen gewählt, 1982 ins Präsidium. Fünf Jahre war Lambsdorff Parteivorsitzender - von 1988 bis 1993. Lambsdorff distanzierte sich frühzeitig von der Umverteilungspolitik und trimmte seine Partei auf einen ordnungspolitischen Kurs. In seiner Amtszeit schloss sich die FDP zudem mit liberalen Gruppierungen der DDR zusammen. 1993 wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt und leitete von 1995 bis 2006 die parteinahe Friedrich-Naumann-Stiftung.
Bundestag
Lambsdorff war von 1972 bis 1998 insgesamt 26 Jahre FDP-Abgeordneter im Bundestag. In dieser Zeit war er maßgeblich für die Wirtschaftspolitik der Freidemokraten verantwortlich. Zweimal fungierte er als wirtschaftspolitischer Sprecher, zuletzt von 1984 bis 1997.
Bundesregierung Schmidt/Kohl
1977 wurde Lambsdorff zum Bundeswirtschaftsminister unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) ernannt. An der Seite von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) bereitete er in der Konjunktur- und Finanzpolitik mit seinem "Lambsdorff-Papier" die politische "Wende" zur CDU vor, die zum Regierungswechsel 1982 führte. Unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) blieb Lambsdorff zunächst noch Wirtschaftsminister, geriet aber durch seine Verwicklung in die Flick-Affäre in Bedrängnis.
Flick-Affäre
In den achtziger Jahren überschattete die Flick-Parteispendenaffäre die Karriere des FDP-Politikers. Es ging um den Vorwurf, die Zustimmung seines Ministeriums zu einem Millionen-Steuererlass für den Flick-Konzern sei von einer Konzernspende unter anderem an die FDP beeinflusst worden. Lambsdorff trat 1984 wegen der Affäre als Minister zurück. Er wurde 1987 wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe in Höhe von 180.000 Mark verurteilt. (Quelle: dpa/ddp)


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