Explosion vor Synagoge Drei weitere Deutsche sterben

Die Zahl der durch eine Explosion auf der tunesischen Ferieninsel Djerba getöteten Deutschen hat sich auf elf erhöht. In der Nacht zum Sonntag starben zwei Frauen in einer Hamburger und Berliner Klinik. Auch ein 18 Monate altes Kind soll gestorben sein. Bundesinnenminister Schily geht mittlerweile davon aus, dass es kein Unfall sondern ein Anschlag war.


Flughafen Tunis: Auf dem Weg nach Deutschland.
AFP

Flughafen Tunis: Auf dem Weg nach Deutschland.

Berlin - In der Nacht zum Sonntag ist nach Angaben des Reiseveranstalters TUI neben zwei Frauen auch ein 18 Monate alter Junge an den Folgen der der Explosion an einer Synagoge auf der tunesischen Ferieninsel Djerba gestorben. Damit kostete die Explosion insgesamt 16 Menschen das Leben: Neben den Deutschen starben vier Tunesier und ein Franzose. Der TUI-Sprecher sagte, nach seinen Informationen sei der aus Rheinland-Pflaz stammende Junge im Unfallkrankenhaus Hamburg gestorben. Ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr, der zuvor den Tod einer Touristin in dem Hamburger Krankenhaus gemeldet hatte, konnte dies weder bestätigen noch dementieren, da nach seinen Worten die Klinik keine Auskünfte mehr gebe.

Zuvor war bekannt geworden, das in dem Hamburger Krankenhaus und einer Berliner Klinik jeweils eine deutsche Touristin aus Djerba ihren Brandverletzungen erlegen waren. Die beiden Frauen waren erst am Samstagabend aus Tunesien nach Deutschland gebracht worden.

Die Bundesregierung geht inzwischen davon aus, dass die Explosion eines Tanklastwagens vor der Synagoge La Ghriba bewußt von einem Attentäter ausgelöst wurde. Innenminister Otto Schily sagte am Samstagabend in Interviews der ARD und des ZDF: "Nach den neuesten Erkenntnissen verdichtet sich der Verdacht, dass es sich um ein Attentat gehandelt hat." Dabei stütze er sich auf Angaben der nach Tunesien entsandten Mitarbeiter des Bundeskriminalamts, aber auch der tunesischen Seite.

Am Samstagnachmittag waren zehn zum Teil schwer Verletzte an Bord eines Sanitätsairbusses der Bundeswehr aus Tunesien nach Hamburg gebracht worden. Sie wurden auf Klinken in Aachen, Hamburg, Lübeck und Berlin verteilt. Bei einigen von ihnen ist der Zustand weiter lebensbedrohlich. Die nun in Berlin verstorbene Frau war als letztes schwer verletztes Opfer in der Nacht an Bord eines privaten Ambulanzflugzeugs in die Heimat transportiert worden. Sie hatte nicht mit den anderen Verletzten zurückfliegen können, weil sie zunächst nicht transportfähig war.



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