Syrien-Rückkehrer Polizei fasst Terrorverdächtigen

Zugriff im Ruhrgebiet: Die nordrhein-westfälischen Behörden haben in Mülheim an der Ruhr einen 21-Jährigen wegen Terrorverdachts festgenommen. Nezet S. soll eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD): Wachsam und entschlossen.
DPA

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD): Wachsam und entschlossen.


Essen - Die nordrhein-westfälische Polizei hat einen 21-Jährigen aus Mülheim an der Ruhr unter Terrorverdacht gefasst, nachdem er sich längere Zeit in Syrien aufgehalten hatte. Nezet S. wird der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verdächtigt. Nach eigenen Angaben hatte S. Kontakt zur Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS).

Eine Durchsuchung seiner Wohnung am Mittwoch habe den Verdacht erhärtet, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Ein Gericht erließ Haftbefehl gegen S. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE entdeckten die Ermittler ein Foto, das S. mit einer Schusswaffe und dem IS-Symbol zeigt. Sie gehen daher davon aus, dass der Dschihadist in Syrien eine entsprechende Unterweisung erhalten hat. Konkrete Belege für in Deutschland geplante Anschläge fanden die Ermittler jedoch zunächst nicht.

S. war im August von einer mehrwöchigen Reise in das Krisengebiet zurückgekehrt. Allerdings haben die Behörden keinerlei Hinweise darauf, dass der ehemalige Berufsschüler dort für die Terrororganisation gekämpft hat. In den vergangenen Tagen und Wochen waren bereits mehrere Deutsche festgenommen worden, die für den IS aktiv gewesen sein sollen.

An seinem Berufskolleg in Mülheim an der Ruhr fiel S. bereits im März auf, weil er dort Mitschüler zu missionieren versuchte. Er erschien mitunter barfuß und mit einem Gebetsteppich. Die Behörden verwiesen ihn daraufhin der Schule, der Staatsschutz suchte ihn auf. Offenbar vergeblich. Bald darauf reiste Nezet S. nach Syrien aus.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) wertet die Festnahme als Beleg, dass die Sicherheitsbehörden in NRW die Gefahr durch extremistische Salafisten sehr ernst nehmen. "Polizei und Verfassungsschutz sind wachsam und gehen entschlossen gegen diese gefährliche Szene vor", sagte Jäger der "Rheinischen Post" Gewaltbereite Salafisten, die aus den Bürgerkriegsgebieten zurückkehrten, "stellen ein Sicherheitsrisiko für unsere Gesellschaft dar", so Jäger.

Coup gegen Terrormiliz in Spanien

Auch Spanien und Marokko feiern aktuell einen Coup gegen die Terrormiliz IS. Polizeieinheiten beider Länder nahmen neun mutmaßliche islamistische Terroristen fest. Die Aktion sei am frühen Freitagmorgen in der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla und der 15 Kilometer entfernten nordostmarokkanischen Küstenstadt Nador durchgeführt worden, teilte das Innenministerium in Madrid mit.

Die Festgenommenen gehörten den Angaben zufolge einer dem IS nahestehenden Organisation an, die nun zerschlagen sei. Die Gruppe habe auch Verbindungen zum Terrornetz al-Qaida gehabt. Sie habe junge Menschen für den Dschihad geworben und sich zum Teil als militärische und ideologische Ausbilder betätigt. "Das war eine sehr wichtige Operation, weil die vernichtete Zelle ganz klare Beziehungen zum IS hatte", so der Generaldirektor der "Policía Nacional", Ignacio Cosidó.

Der Chef der Gruppe war den Angaben zufolge spanischer Staatsbürger. Ein nicht festgenommener Bruder des Mannes habe als ehemaliger Sprengstoffexperte des spanischen Militärs wichtige Informationen geliefert, so das Innenministerium.

jdl/fis/dpa

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