Facebook-Party in Edeldisco: Seehofer droht der Vollflop 2.0

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Für die CSU geht es ums Image - modern soll sie wirken, ihr Chef Horst Seehofer will sich als Politiker 2.0 präsentieren. Doch seine Facebook-Party in einer Münchner Nobeldisco kommt nicht bei allen gut an. Im Netz verbreitet sich Spott, die SPD warnt vor rechtsradikalen Gästen.

Facebook-Profil von Horst Seehofer: Party-Sause mit Freigetränk Zur Großansicht
dapd

Facebook-Profil von Horst Seehofer: Party-Sause mit Freigetränk

Hamburg - In Münchens Edeltanzschuppen P1, dem Hort für Promi-Techtelmechtel und Paparazzi-Tumulte, ist man genervt. "Bitte richten Sie alle Anfragen an die CSU", heißt es bei den Organisatoren knapp, man gebe keine Auskunft. Auf der Website findet sich auch nach zehn Minuten Stöbern kein Hinweis auf die Fete von Horst Seehofer. Stolz auf den berühmten Gastgeber sieht anders aus.

Dabei will der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef einfach nur dran sein, ganz nah dran am Puls der Zeit, an der feiernden Jugend, an potentiellen Nachwuchswählern der CSU. "Ich möchte bei meiner fb-Party die natürliche, direkte Begegnung mit meinen Freunden", sagt Seehofer über seine für Dienstagabend geplante Sause. "Dafür werde ich mir Zeit nehmen."

Als erster Spitzenpolitiker hat der 62-Jährige über die Fanseite seines Facebook-Profils zu einer öffentlichen Party eingeladen. Auch wenn er einst im SPIEGEL-Interview zugab, dass das "Eintippen und Absenden" seiner Postings stets Mitarbeiter übernehmen.

"Es gefällt mir nicht!!!"

Mit der Aktion im P1 will Seehofer beweisen, dass er die Jugend trotzdem verstanden hat. Doch so richtig hat er das wohl nicht. Denn im Netz steigt kurz vor der Party der Unmut. Viele User wollen wissen, wer denn für die Kosten eines möglichen Polizeieinsatzes aufkommen wird. Die Münchner Polizei hat für den Fall der Fälle schon einmal vorgesorgt und stellt Extra-Beamte bereit.

Nutzer Case Sensitive schreibt dazu bei Twitter: "zahlt der #Seehofer seine Party eigentlich selbst, oder macht das wieder das Volk." Facebook-Freund Franz Fessler fragt: "und wer zahlt den polizeieinsatz für die Party??? hoffentlich nicht wir Steuerzahler." Kumpan Jörg Heiße droht: "Herr Seehofer ich hoffe sie zahlen den PolizeiEinsatz aus eigener Tasche, so wie die Anderen Mitbürger die keine Ahnung von organisieren von Veranstaltungen haben. Falls nicht geht's vor Gericht wegen Verschwendung von Steuergeldern."

"Es gefällt mir nicht!!! Es ist eine Unverschämtheit, die Steuerzahler mit diesen Dingen zu belasten", zürnt eine Dame namens Roswitha Offermanns. "Eine absolute Frechheit", findet Andrea Lieven. Für Facebooker Laurentius Magnus steht schon jetzt fest: "Das ist purer Populismus. Wenn die Piraten nicht so erfolgreich wären, hätte er das nie gemacht."

NPD-Kader in der Gästeschar?

Bislang weiß zudem niemand, wie viele Gäste wirklich kommen, wenn Seehofer einen Drink spendiert. Die Hamburger Jugendliche Tessa hatte 2011 eine Geburtstagsparty via Facebook versehentlich nicht nur ihren Freunden angekündigt, sondern aller Öffentlichkeit. Daraufhin erschienen 1600 ungebetene Gäste. Hundert Polizisten waren dort am Ende im Einsatz, um der Lage Herr zu werden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warnte damals, Facebook-Partys würden ein "massives Sicherheitsproblem" darstellen. Nun schmeißt sein Kabinettschef selbst eine.

Weiteres Ungemach droht wegen des Risikos ungebetener Gäste. Die SPD fordert vom CSU-Vorsitzenden Aufklärung darüber, wie er mit rechtsextremen Gästen seiner Facebook-Party umgehen wird. Bayerns SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher verwies darauf, dass der frühere NPD-Vorsitzende Udo Voigt den Besuch von Gleichgesinnten angekündigt hat.

Auf Seehofers Facebook-Seite stehe demnach ein Eintrag von Voigt vom vergangenen Samstag. Darin schrieb der ehemalige NPD-Chef mit Blick auf die zu diesem Zeitpunkt geschlossene Gästeliste: "Gut, dass wir uns schon frühzeitig angemeldet haben!" Ein CSU-Sprecher kündigte an: "Falls sich solche Leute tatsächlich angemeldet haben sollten, werden wir sicherstellen, dass sie nicht reinkommen." Er betonte: "NPDler haben auf unserer Facebook-Party nichts verloren."

"Vollhorst 2.0"

Immerhin scheint die PR-Strategie von Seehofers Beratern zu zünden: Die Resonanz auf die Feier ist so groß, dass sich binnen kürzester Zeit Hunderte Gäste anmeldeten, mehr als 2500 in anderthalb Wochen. Schon Tage vor der Party musste die CSU deshalb einen Einlassstopp verhängen. Lokalsender und Regionalradios quer durch die Republik springen auf das Thema auf, der MDR fragt etwas unbeholfen: "Würden Sie auf die Facebook-Party eines deutschen Spitzenpolitikers gehen?" Radio Galaxy Frankfurt versucht es mit (vermeintlichem) Jugendslang: "Was meint ihr, ist das nur 'ne peinliche Aktion, um cool zu wirken - oder doch 'ne schöne Sache?"

Auch das ungeschriebene Gesetz "Spott ist die beste Publicity" scheint aufzugehen - Seehofers Anbiederung bei der sogenannten Netzgemeinde entwickelt sich zum Running Gag im Internet. Twitter-User @inselblog fragt: "Wer kennt es nicht? Die panische Angst davor, eine Einladung von Horst Seehofer zu seiner Facebook Party zu bekommen." Vereinzelt wird Seehofer in Tweets wenig schmeichelhaft in "Vollhorst 2.0" umgetauft.

Der Twitter-Account der "CSU Online-Redaktion" reagiert hingegen mit praktischen Tipps für den Einlass ins P1. "Handtasche ok, kofferähnliches Gepäck nicht ;-)" heißt es. Und: "Rucksäcke müssen abgegeben werden." Nach wilder Party und chaotischen Szenen vor den Discotüren klingt das nicht. Auch "Silver Surfer" Seehofer dürfte wohl nicht allzu lange auf seinem eigenen Fest verweilen. Am Mittwochmorgen geht es weiter im Terminplan - dann steht eine Frühsitzung des Ministerrats in der Staatskanzlei an.

mit Material von dpa/dapd

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Ein neuer Effekt greift immer mehr um sich
_ab 08.05.2012
Der Effekt des unreflektierten, irgendwie prinzipiell gegen alles seienden Webmobs. Was ist der Grund? Langeweile oder eine prolongierte infantile Trotzphase? Im Endeffekt fördern solche dummen Leute nur die allmähliche Einschränkung der Freiheit des Internets.
2. Was erlaube Internet??
zynik 08.05.2012
Zitat von _abDer Effekt des unreflektierten, irgendwie prinzipiell gegen alles seienden Webmobs. Was ist der Grund? Langeweile oder eine prolongierte infantile Trotzphase? Im Endeffekt fördern solche dummen Leute nur die allmähliche Einschränkung der Freiheit des Internets.
...sie stehen auf Horstis Gästeliste?
3.
miruwa 08.05.2012
Zitat von _abDer Effekt des unreflektierten, irgendwie prinzipiell gegen alles seienden Webmobs. Was ist der Grund? Langeweile oder eine prolongierte infantile Trotzphase? Im Endeffekt fördern solche dummen Leute nur die allmähliche Einschränkung der Freiheit des Internets.
Ganz im Gegenteil. Der "Webmob" lehnt nur die alten Inhalte ab. Seehofer kann seine PR-Berater den ganzen Tag bei Twitter und FB posten lassen. Sobald er am nächsten Tag wieder für seine Herdprämie propagandiert, wissen die Wähler was sich dahinter verbirgt.
4.
_ab 08.05.2012
Zitat von miruwaGanz im Gegenteil. Der "Webmob" lehnt nur die alten Inhalte ab. Seehofer kann seine PR-Berater den ganzen Tag bei Twitter und FB posten lassen. Sobald er am nächsten Tag wieder für seine Herdprämie propagandiert, wissen die Wähler was sich dahinter verbirgt.
Was genau sind denn "alte Inhalte"? & wie sehen die "neuen" denn aus? Warum sollen "alte Inhalte" denn per se schlecht sein? Offenbar dringen die Krawalltouristen, denen es wohl schon zu wenige Anlässe zur Randale gibt in andere Bereiche vor. Man kann es auch "gezieltes Stören" nennen. Also doch im technischen Sinne erwachsen gewordene Trotzblagen.
5. Ziemlich bescheuerte Idee
sanibel123 08.05.2012
Das Ganze wirkt so unausgegoren wie die Herdprämie. Ist der gute Herr Seehofer von allen guten Geistern verlassen,oder hat er Geisterfahrer in seinem Beraterstab ?
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