Verschwundener Bundeswehrsoldat Fahnenflüchtiger Fallschirmjäger soll in der Ostukraine kämpfen

Brisanter Verdacht bei der Bundeswehr: Ein verschwundener Elitesoldat aus der Kaserne Seedorf kämpft möglicherweise auf Seiten der Separatisten in der Ostukraine. Das sagten Kameraden aus.

Kämpfe in der Ostukraine: Deutscher Fahnenflüchtiger an der Seite der Separatisten
REUTERS

Kämpfe in der Ostukraine: Deutscher Fahnenflüchtiger an der Seite der Separatisten

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Berlin - Die Bundeswehr geht einem brisanten Verdacht in den eigenen Reihen nach. In der Kaserne im niedersächsischen Seedorf werde wegen des Verdachts der Fahnenflucht ermittelt, bestätigte das Bundesverteidigungsministerium. Demnach war einer der Fallschirmjäger, eine der Eliteeinheiten der Truppe, seit längerer Zeit nicht zum Dienst erschienen. Nach ihm werde nun gefahndet. Aus der Truppe hieß es zudem, der Soldat kämpfe möglicherweise an der Seite der prorussischen Separatisten in der Ostukraine. Über den Fall berichtete am Abend auch die "Süddeutsche Zeitung".

Bisher sind die Details zu dem Fall noch lückenhaft. Die Bundeswehr bestätigte lediglich, das Verschwinden des Soldaten werde als "Besonderer Vorkommnis" eingestuft. In die Kategorie "BV" fallen in der Regel Straftaten oder schwere Dienstvergehen von Soldaten aus der Truppe. Demnach war der Fallschirmjäger, der seit etwa zwei Jahren in Seedorf dienen soll, zunächst wegen einer angeblichen Krankheit nicht zum Dienst erschienen. Als ihn Kameraden über soziale Netzwerke versuchten zu kontaktieren, erfuhren sie, dass er offenbar in der Ostukraine an Gefechten teilnimmt.

Dem Bericht der "SZ" zufolge deutet der Lebenslauf des Mannes auf seine Motive für die Fahnenflucht an die Front in der Ostukraine hin. So soll der Soldat aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, die Herkunft könnte seine Sympathien mit den Separatisten erklären. Er nahm offenbar seine Gefechtsausrüstung wie Helm oder die Schussweste mit, als er verschwand. Die Bewaffnung hingegen lagert offenbar bis heute in der Kaserne in Seedorf. Standardmäßig sind die Fallschirmjäger mit einem Sturmgewehr und einer Dienstpistole ausgerüstet.

Kämpft der deutsche Soldat tatsächlich in der Ostukraine, dürfte er für die Separatisten durchaus wertvoll sein. Die deutschen Fallschirmjäger gelten neben den Kämpfern des Kommando Spezialkräfte (KSK) als eingeschworene Elitetruppe, die zu heiklen Missionen wie Geiselbefreiungen oder der Rettung von deutschen Staatsbürgern trainiert und ausgestattet sind. Die Kämpfer sind weltweit einsetzbar, universell an Waffen aller Art trainiert und gelten als Speerspitze der Bundeswehr. Sie wurden beispielsweise bei der Rettung von deutschen Staatsbürgern aus der libyschen Wüste eingesetzt, die währen des Krieges dort eingeschlossen waren.

Ironischerweise bereiten sich in der Kaserne in Seedorf derzeit mehrere Dutzend Fallschirmjäger auf eine mögliche Bundeswehr-Mission in der Ostukraine vor. Sie sollen beim Zustandekommen einer OSZE-Mission deutsche Soldaten beschützen, die mit Drohnen den brüchigen Waffenstillstand beobachten würden. Wie man den Verbleib des fahnenflüchtigen Soldaten aufklären soll, ist derzeit unklar. Die Ermittlungsmöglichkeiten der Bundeswehr in der Ostukraine sind eher begrenzt.

Grundsätzlich ist die Fahnenflucht in der Bundeswehr ein schweres Delikt, schon bei einer nicht gerechtfertigten Abwesenheit von einigen Tagen droht Soldaten eine Freiheitsstrafe und natürlich der Ausschluss vom Dienst in der Truppe. Kämpft der flüchtige Fallschirmjäger tatsächlich in der Ostukraine, dürften ihn diese Konsequenzen nicht allzu sehr schrecken.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
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zippzapp 15.10.2014
1.
Das geht noch weiter. Es besteht zumindest die Möglichkeit, dass er als Freiwilliger eines Streitkräften vergleichbar bewaffneten Verbandes einer fremden Nation angesehen wird. Damit drohen ihm nicht nur die Konsequenzen der Fahnenflucht, sondern auch der Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft.
flekki 15.10.2014
2. Waffen sind immer weggeschlossen
" Die Bewaffnung hingegen lagert offenbar bis heute in der Kaserne in Seedorf. Standardmäßig sind die Fallschirmjäger mit einem Sturmgewehr und einer Dienstpistole ausgerüstet." Zwar sind die Waffen in der Regel einem bestimmten Soldaten zugeordnet, werden aber bei jedem Dienstschluss in der Waffenkammer weggeschlossen. Daher hätte der Soldat die Waffe nicht ohne weiteres mitnehmen können.
felisconcolor 15.10.2014
3. Waffen
werden grundsätzlich in der Waffenkammer aufbewahrt und nicht im Spind des Soldaten. Somit ist es fast ausgeschlossen das der Mann Waffen mitgenommen hätte. Das sollte man schon wissen
kampfgnom555 15.10.2014
4.
Naja, man kann die Kampfschwimmer oder die Fernspäher mit den KSK vergleichen aber bei den Falschirmjägern iss das doch n bisschen übertrieben. Elite ja, aber nicht auf einer Stufe.
big_j 16.10.2014
5. Mein Gott ist das überzogen
Ich kenne viele aus der Fallschirmjäger Truppe. Als Elite würde ich die jetzt nicht bezeichnen. Und wie schlimm er hat seinen Helm und Splitterschutz mitgenommen. Bekommt man für 50€ bei Ebay. Die BBC berichtete gestern auch von den vielen Söldnern aus Frankreich, Deutschland, Spanien die für die Nazi Bataillone kämpfen. Da wird kein Fass aufgemacht.
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