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Fahnenkult: Unionspolitiker fordern Staatsbeflaggung zur WM

Politiker von CDU und CSU haben die Bundesregierung aufgefordert, bis zum Ende der Fußball-WM Staatsbeflaggung in Deutschland anzuordnen. Die enorme Nachfrage nach deutschen Fahnen führt indes bei Händlern zu Nachschubproblemen.

Berlin - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble solle dem Beispiel der patriotischen Fans folgen und eine Staatsbeflaggung anordnen, forderte der CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer in der "Bild"-Zeitung. Auch der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Frank Henkel, sagte, bis zum Schluss des Turniers sollte es Staatsbeflaggung in Berlin geben. "Die ganze Stadt soll ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer sein." Henkel schrieb nach Angaben des Blattes einen Brief an Schäuble mit der Bitte um "einheitliche Beflaggung öffentlicher Dienstgebäude".

Kleinkind mit Deutschland-Fahne: Riesennachfrage
DPA

Kleinkind mit Deutschland-Fahne: Riesennachfrage

Noch nie waren bei einem WM-Turnier so viele Deutschlandflaggen an Autos, privaten und öffentlichen Gebäuden zu sehen. Als Fanbekleidung stehen schwarz-rot-goldene Outfits derzeit hoch im Kurs. Das führt bei vielen Händlern nach SPIEGEL-Informationen zu Nachschubproblemen vor allem bei Autowimpeln.

Denn bei den Fahnen handelt es sich meist um Billigimporte aus China. 100.000 Stück der Polyesterfähnchen mit Plastikstil orderte etwa die Kölner Firma Fernost Importe Geiss (FIG) zur WM. Nach wenigen Tagen waren sie aber vergriffen.

Auch die bei fünf anderen Importeuren nachgeorderten Exemplare waren schnell ausverkauft. "Selbst wenn in China massenweise Nachschub auf Halde läge", so FIG-Marketing-Mann Calogero Lo Cicero,"müsste der, weil Luftfracht zu teuer ist, per Container auf dem Seeweg kommen und wäre frühestens in vier bis sechs Wochen in Deutschland – dann aber ist die WM vorbei."

Auf Fähnchen aus deutscher Produktion wollen Händler, wie der Chef des Internet-Discounters Everflag, Marcel Cornelißen, nicht umsteigen: Die seien "je nach Qualität und Verarbeitung um das 10- bis 30fache teurer" als die chinesische Ware.

Bei Abnahme von über 50.000 Stück liefern Firmen aus dem Reich der Mitte "German car flags" für rund 17 Cent pro Stück – die dann hier für bis zu 5 Euro über den Ladentisch gehen. Die Fahnennot verschärfen dürften schlechte Nähte, die die schwarz-rot-goldenen Flatterteile schnell ausfransen lassen.

Auch der Stiel ist weniger dauerhaft als es Neupatrioten recht sein dürfte. Bei Tempo 100 ist oft Ende der Fahnenstange, wie FIG-Mann Lo Cicero jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit feststellt: "Auf der Autobahn Köln–Aachen liegen die Dinger reihenweise am Fahrbahnrand."

als/Reuters

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