Faktencheck Wie Berlin seine Zuwanderer integriert - oder nicht

Die Hauptstadt streitet über ihre Einwanderer: Ist Berlin wirklich die Stadt, in der Ausländer am schlechtesten integriert werden, am abgeschottetsten leben - wie Innenminister de Maizière behauptet? SPIEGEL ONLINE macht den Faktencheck.

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dpa

Berlin - Bundesinnenminister Thomas de Maizière gilt gemeinhin als eher besonnener Politiker, normalerweise haben seine Äußerungen eher wenig Erregungspotential.

Aber in Berlin tobt ein heftiger Streit über ein Interview, das der CDU-Politiker dem Berliner "Tagesspiegel" gab. Darin erklärte de Maizière die Integration von Zuwanderern in der Hauptstadt faktisch für gescheitert. "Eine so starke Ausprägung von Parallel-Gesellschaften und eine so große Konzentration von Migranten mit mäßigem Integrationswillen findet man nirgendwo anders", sagte de Maizière. Weder in Köln, Stuttgart noch München gebe es eine solche "Dramatik". Diese "Fehlentwicklung" finde so nur in Berlin statt.

Die Ursachen dafür hatte der Minister auch gleich gefunden: Es sei zum Beispiel zugelassen worden, dass sich Migranten vor der Maueröffnung in den für Deutsche wenig attraktiven Stadtgebieten nahe der Mauer sammeln konnten.

Nun ist die Aufregung groß. "Riesen-Wirbel um Parallelgesellschaften in Berlin" und "Berlin empört über den Innenminister" titelten Zeitungen. "In Köln und Duisburg gibt es eine Konzentration von Migranten in Vierteln, wo nie eine Mauer gestanden hat", sagte Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch, der einst in NRW arbeitete. Grünen-Bundeschef Cem Özdemir bezeichnete die Äußerungen des Ministers als "absurd". "Ich fühle mich als Berliner diskriminiert", sagt Kazim Erdogan, türkischstämmiger Psychologe beim Psychosozialen Dienst in Berlins Problemstadtteil Neukölln. Heinz Buschkowsky, SPD-Bezirksbürgermeister von Neukölln - sonst selbst für seine scharfen Worte zu Integrationsversäumnissen bekannt - erklärte: Die Aussagen de Maizières seien "rundweg falsch". Und auch aus den eigenen Reihen gab es vorsichtige Kritik am Innenminister. Parteifreund Eberhard Diepgen, der von 1984 bis 1989 und von 1991 bis 2001 Regierender Bürgermeister Berlin war und für den de Maizière einst das Grundsatzreferat leitete, sagte, dessen Aussagen "träfen nur zur Hälfte zu".

Hat de Maizière doch Recht? Ist Berlin die Hauptstadt der Abschottung, der gescheiterten Integration? SPIEGEL ONLINE macht den Faktencheck.

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Seite 1
xzz 01.11.2010
1.
Von wem ist dieser Faktencheck denn in Auftrag gegeben worden?
friedrichii 01.11.2010
2. na
Zitat von sysopDie Hauptstadt streitet über ihre Einwanderer: Ist Berlin wirklich die Stadt, in der Ausländer am schlechtesten integriert werden, am abgeschottetsten leben - wie Innenminister de Maizière behauptet? SPIEGEL ONLINE macht den Faktencheck. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,725574,00.html
Dann ist ja alles in Orndnung, woanders ist es nur genauso schlimm und außerdem liegt es daran, daß Berlin die besondere Berlinhilfe nach der Wiedervereinigung gestrichen wurde. Also das Thema wieder geschlossen, unter den Teppich und für die nächsten 10 Jahre weiter so.
zx6 01.11.2010
3. Am Thema vorbei
Niemand behauptet, daß Ausländer so pauschal schlecht integriert sind. Sondern daß vorderasiatische und nordafrikanische es sind. Wer da noch alle europäischen, amerikanischen und russischen Ausländer beimengt, muß sich den Vorwurf gefallen lassen, absichtlich am Kern des Problems vorbeizulavieren. Das ist so ähnlich wie wenn jemand die Aussage "Meerwasser ist salzig" dadurch zu widerlegen sucht, indem er den Liter Meerwasser vorm Test mit 100 Litern Süßwasser streckt.
kimba2010 01.11.2010
4. btw
Bei 40-50% "Migranten" in machen Städten muss man sich langsam fragen, wer hier wen "integrieren" soll.
nichtwaehler_007 01.11.2010
5. Alles beim Alten:
Parteipolitische Profilierungsversuche auf dem Rücken der Schwachen. Wie gehabt, nichts Neues. Fakten? Spielen dabei überhaupt keine Rolle, warum auch. Für die Stammtischhoheit braucht's keine Fakten.
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