27. Januar 2013, 21:22 Uhr

Fall Brüderle

Niebel sagt Termin mit "Stern"-Journalistin ab

Rainer Brüderle bekommt nach den Belästigungsvorwürfen einer "Stern"-Redakteurin immer mehr Unterstützung von Parteifreunden. FDP-Präsidiumsmitglied Dirk Niebel spricht von einer "Unverschämtheit" der Journalistin - und sagt einen Termin mit ihr in dieser Woche ab.

Berlin - In der Sexismus-Debatte hat FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle Rückendeckung von FDP-Präsidiumsmitglied Dirk Niebel erhalten. "Ich halte es für eine ziemliche Unverschämtheit von der Dame vom "Stern", die nach einem Jahr, nachdem sie sich belästigt gefühlt hat, dann, wenn jemand eine neue politische Funktion übernimmt, dieses Ereignis verarbeitet", sagte der Entwicklungshilfeminister in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

"Das hat nichts mit gutem Journalismus zu tun." Ein Jahr zu warten und dann zu skandalisieren, spreche für sich. "Ich habe mit der Dame ein Interview, das für Mittwoch vereinbart war, abgesagt."

Auch andere Parteifreunde sind Brüderle beigesprungen. "Wir begrüßen unseren Freund Rainer Brüderle, hinter dem wir stehen", sagte Landeschef Christian Lindner beim Neujahresempfang der NRW-Liberalen in Düsseldorf. Brüderle wurde bei dem Treffen mit prasselndem Applaus und "Bravo"-Rufen begrüßt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle, früherer Parteichef der FDP, sagte, er wisse aus persönlicher Erfahrung, dass es nicht leicht sei, plötzlich an der Spitze zu stehen. "Wenn man sich als Freier Demokrat an die Spitze stellt, gibt es in einigen Redaktionsstuben kein Pardon mehr", rief Westerwelle. Man dürfe es nicht durchgehen lassen, wenn "Zerrbilder" von Menschen in die Öffentlichkeit transportiert würden.

"Ich flirte für mein Leben gern"

Brüderle selbst ging in seiner Rede nicht auf die Affäre ein. Der FDP-Fraktionschef im Bundestag war erst jüngst vom Parteivorsitzenden Philipp Rösler zum Spitzenkandidaten ernannt worden. Kurz darauf hatte der Vorwurf einer anzüglichen Annäherung Brüderles an eine "Stern"-Journalistin in der Partei und der Bundespolitik eine Debatte über den Umgang mit Frauen entfacht. Die sexistischen Zitate Brüderles bei einer abendlichen Begegnung, über die der "Stern" berichtet hatte, waren von FDP-Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki indirekt bestätigt worden. Der Beitrag enthalte nach seiner Kenntnis keine falschen Tatsachenbehauptungen.

In der "Bild am Sonntag" nahm Kubicki Brüderle in Schutz - und wurde einmal mehr seinem Ruf als Macho gerecht. "Ich flirte für mein Leben gern, künftig aber sicher nicht mehr mit Kolleginnen von Ihnen. Denn ich möchte vermeiden, dass eine Journalistin, die ich anflirte, dies später als sexuellen Übergriff versteht und anprangert." Auch gab Kubicki offen zu, dass er Journalistinnen bereits angebaggert habe. "Aber immer in charmanter Art", wie er betonte.

Auch er selbst sei angebaggert worden, führte Kubicki, der in dritter Ehe verheiratet ist, dann weiter aus. "Aber eindeutige Angebote habe ich leider nicht erhalten." Auf die Frage, was er denn von einem nächtlichen Klopfen an der Hotelzimmertür halte, erwidert der Politiker: "Wenn man nicht eingeladen ist, würde ich das für unangemessen halten. Ein Skandal wäre es aber auch nicht."

wal/dpa/Reuters


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