Fall Brüderle: Niebel sagt Termin mit "Stern"-Journalistin ab

Rainer Brüderle bekommt nach den Belästigungsvorwürfen einer "Stern"-Redakteurin immer mehr Unterstützung von Parteifreunden. FDP-Präsidiumsmitglied Dirk Niebel spricht von einer "Unverschämtheit" der Journalistin - und sagt einen Termin mit ihr in dieser Woche ab.

Berlin - In der Sexismus-Debatte hat FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle Rückendeckung von FDP-Präsidiumsmitglied Dirk Niebel erhalten. "Ich halte es für eine ziemliche Unverschämtheit von der Dame vom "Stern", die nach einem Jahr, nachdem sie sich belästigt gefühlt hat, dann, wenn jemand eine neue politische Funktion übernimmt, dieses Ereignis verarbeitet", sagte der Entwicklungshilfeminister in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

"Das hat nichts mit gutem Journalismus zu tun." Ein Jahr zu warten und dann zu skandalisieren, spreche für sich. "Ich habe mit der Dame ein Interview, das für Mittwoch vereinbart war, abgesagt."

Auch andere Parteifreunde sind Brüderle beigesprungen. "Wir begrüßen unseren Freund Rainer Brüderle, hinter dem wir stehen", sagte Landeschef Christian Lindner beim Neujahresempfang der NRW-Liberalen in Düsseldorf. Brüderle wurde bei dem Treffen mit prasselndem Applaus und "Bravo"-Rufen begrüßt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle, früherer Parteichef der FDP, sagte, er wisse aus persönlicher Erfahrung, dass es nicht leicht sei, plötzlich an der Spitze zu stehen. "Wenn man sich als Freier Demokrat an die Spitze stellt, gibt es in einigen Redaktionsstuben kein Pardon mehr", rief Westerwelle. Man dürfe es nicht durchgehen lassen, wenn "Zerrbilder" von Menschen in die Öffentlichkeit transportiert würden.

"Ich flirte für mein Leben gern"

Brüderle selbst ging in seiner Rede nicht auf die Affäre ein. Der FDP-Fraktionschef im Bundestag war erst jüngst vom Parteivorsitzenden Philipp Rösler zum Spitzenkandidaten ernannt worden. Kurz darauf hatte der Vorwurf einer anzüglichen Annäherung Brüderles an eine "Stern"-Journalistin in der Partei und der Bundespolitik eine Debatte über den Umgang mit Frauen entfacht. Die sexistischen Zitate Brüderles bei einer abendlichen Begegnung, über die der "Stern" berichtet hatte, waren von FDP-Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki indirekt bestätigt worden. Der Beitrag enthalte nach seiner Kenntnis keine falschen Tatsachenbehauptungen.

In der "Bild am Sonntag" nahm Kubicki Brüderle in Schutz - und wurde einmal mehr seinem Ruf als Macho gerecht. "Ich flirte für mein Leben gern, künftig aber sicher nicht mehr mit Kolleginnen von Ihnen. Denn ich möchte vermeiden, dass eine Journalistin, die ich anflirte, dies später als sexuellen Übergriff versteht und anprangert." Auch gab Kubicki offen zu, dass er Journalistinnen bereits angebaggert habe. "Aber immer in charmanter Art", wie er betonte.

Auch er selbst sei angebaggert worden, führte Kubicki, der in dritter Ehe verheiratet ist, dann weiter aus. "Aber eindeutige Angebote habe ich leider nicht erhalten." Auf die Frage, was er denn von einem nächtlichen Klopfen an der Hotelzimmertür halte, erwidert der Politiker: "Wenn man nicht eingeladen ist, würde ich das für unangemessen halten. Ein Skandal wäre es aber auch nicht."

wal/dpa/Reuters

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insgesamt 99 Beiträge
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1. Der
reflektionist 27.01.2013
auf Interviews mit Politikern aus dem von ihm präferierten Lager beschränken. Ich finde die Reaktion Niebels vollkommen korrekt - für diese beschämende Kampagne sollte die gesamte FDP diese Boulevard-Zeitung ignorieren!
2.
Indigo76 27.01.2013
Zitat von sysopRainer Brüderle bekommt nach den Belästigungsvorwürfen einer "Stern"-Redakteurin immer mehr Unterstützung von Parteifreunden. FDP-Präsidiumsmitglied Dirk Niebel spricht von einer "Unverschämtheit" der Journalistin - und sagt einen Termin mit ihr in dieser Woche ab. Fall Brüderle: Niebel sagt Termin mit "Stern"-Journalistin ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fall-bruederle-niebel-sagt-termin-mit-stern-journalistin-ab-a-879968.html)
Ich mag weder FDP, Brüderle noch Niebel aber Lezterer hat hier vollkommen recht. Wenn sich diese Frau wirklich belästigt gefühlt hätte, hätte sie sofort den Mund aufgemacht. Oder sich hätte eine Woche gewartet und dann geredet. Oder einen Monat, weil sie Angst hatte (ja klar - als Journalistin). Aber genau diesen Zeitpunkt zu wählen ist ein klares Anzeichen für eiskalte Berechnung. Wenn diese Geschichte einem Politiker den Kopf kosten sollte, dann kann man nur hoffen, dass die Karriere dieser Frau, zumindest im Politjournalismus, auch beendet ist.
3. Charmant
kanalfeuer 27.01.2013
Kubicki und charmant ? Wer diesen aufgeblasenen Gockel mal nen Abend am Nebentisch ertragen musste, waehlt nie wieder FDP. Was fuer ein peinlicher Politclown.
4. hochspielen!
greatsouthern 27.01.2013
Bin nun wirklich kein FDP-Anhänger. Machos find ich peinlich. Aber hier steh ich voll hinter den Gelben, das erste Mal seit den Zeiten Gerhart Baums. Und mir scheint, bin nicht der Einzige. Wär`das absurd, wenn der Schuß nach hinten losgeht - statt ins Himmelreich in die nächste schwarzgelbe...
5. Der Stern
semper-idem 27.01.2013
hat sich zum Schmierenblatt gewandelt.
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