Fall Buback Ex-RAF-Terroristin Becker festgenommen

Die Bundesanwaltschaft hat die einstige RAF-Terroristin Verena Becker festnehmen lassen. Sie soll nach Angaben der Ermittler 1977 am Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback beteiligt gewesen sein. Die Fahnder stützen sich dabei auf eine DNA-Analyse und Unterlagen aus Beckers Wohnung.

Verena Becker (Fahndungsfoto aus den siebziger Jahren): Haftbefehl erlassen
DPA

Verena Becker (Fahndungsfoto aus den siebziger Jahren): Haftbefehl erlassen


Karlsruhe - Die Bundesanwaltschaft hat die frühere RAF-Terroristin Verena Becker festnehmen lassen. Sie werde dringend verdächtigt, mit anderen Tätern am 7. April 1977 den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine beiden Begleiter ermordet zu haben. Beamte des Bundeskriminalamts hätten die heute 57-Jährige am Donnerstag in Berlin festgenommen. Becker habe den Ermittlungen zufolge "wesentliche Beiträge zur Vorbereitung und Durchführung des Anschlags" geleistet, hieß es.

Bei einer Hausdurchsuchung vor einer Woche seien Unterlagen sichergestellt worden, die den Tatverdacht gegen Becker erhärteten. Zuvor hatte eine neue DNA-Analyse den Verdacht verstärkt, Becker könnte an dem Attentat beteiligt gewesen sein. An den damaligen Bekennerschreiben der Rote Armee Fraktion (RAF) wurde Genmaterial entdeckt, das nach dem Gutachten eindeutig von Becker stammt. Es gebe allerdings nach wie vor keine Beweise, dass Becker auch die tödlichen Schüsse auf Buback abgegeben habe, hieß es am Freitag in Karlsruhe. Am Donnerstag hatte Becker noch in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung bestritten, Buback ermordet zu haben.

Das Verfahren gegen Becker im Buback-Mordfall war im März 1980 ohne eine Anklage eingestellt worden. Die Bundesanwaltschaft hatte das Verfahren bereits im April 2008 wieder aufgenommen. Becker war unter anderem wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes an sechs Menschen im Dezember 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt und nach einer Begnadigung im November 1989 aus der Haft entlassen worden.

Schüsse vom Motorrad aus

Der Mord an Buback erschütterte die Bundesrepublik. Auch sein Fahrer Wolfgang Göbel und Justizhauptwachtmeister Georg Wurster wurden bei dem Attentat erschossen. Die Terroristen feuerten in der Karlsruher Innenstadt von einem Motorrad aus auf Bubacks Dienstwagen. Ein "Kommando Ulrike Meinhof" bekannte sich zu der Tat. Wer damals geschossen hat, ist bis heute unklar.

Drei RAF-Terroristen wurden wegen Beteiligung an dem Mordanschlag zu lebenslanger Haft verurteilt: Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt als Rädelsführerin im Hintergrund. Auch Günter Sonnenberg galt als Mittäter, doch weil er bereits anderweitig verurteilt war und bei seiner Festnahme im Mai 1977 eine schwere Kopfverletzung erlitten hatte, stellte man das Verfahren gegen ihn ein.

Im Jahr 2007 - 30 Jahre nach dem Mord - beschuldigten frühere RAF-Mitglieder den 1999 auf Bewährung freigelassenen Stefan Wisniewski, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Zudem geriet Verena Becker ins Visier der Ermittler. Noch Ende 2008 lagen der Bundesanwaltschaft nach Auswertung zahlreicher Aussagen und Spuren aber keine klaren Beweise für eine Beteiligung von Becker oder Wisniewski vor.

ffr/AP/AFP/dpa

Forum - RAF-Morde - unendliche Aufklärung?
insgesamt 448 Beiträge
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Seite 1
kdshp 20.08.2009
1.
Zitat von sysopÜberraschende Wende im Fall Siegfried Buback: Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker könnte doch am Mord des Generalbundesanwalt beteiligt gewesen sein. Die Aufklärung der RAF-Morde - eine unendliche Geschichte?
Hallo, kommt mir so vor als wenn man das gar nicht will und so immer vor der roten gefahr warnen kann.
BillBrook 20.08.2009
2.
Zitat von sysopÜberraschende Wende im Fall Siegfried Buback: Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker könnte doch am Mord des Generalbundesanwalt beteiligt gewesen sein. Die Aufklärung der RAF-Morde - eine unendliche Geschichte?
Überraschend ist daran jetzt genau was?
kdshp 20.08.2009
3.
Zitat von BillBrookÜberraschend ist daran jetzt genau was?
Damalige Bekennerschreiben sollen ihre DNA-Spuren enthalten, die Bundesanwaltschaft ließ nun ihre Wohnung durchsuchen. An den damaligen Bekennerschreiben der Terrorgruppe wurden DNA-Spuren entdeckt, die von ihr stammen. Hallo, aus dem artikel. Mich überrascht das man das erst jetzt macht angeblich. Bei einer der größten fälle in D bezogen auf terror und ermittlung kommt man jetzt erst drauf mal ne DNA zu vergleichen oder auf den schreiben nach selbigen zu suchen ?! Das stinkt und komisch das das kurz vor den wahlen kommt. Ich warne hier vor einem RECHTSRUTSCH erster güte !
Meistersaenger 20.08.2009
4.
Zitat von sysopÜberraschende Wende im Fall Siegfried Buback: Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker könnte doch am Mord des Generalbundesanwalt beteiligt gewesen sein. Die Aufklärung der RAF-Morde - eine unendliche Geschichte?
Da kann man nur hoffen, dass auch das Bekennerschreiben zum Mord an Alfred Herrhausen so untersucht wird. Da wird ja immer noch gegen Unbekannt ermittelt.
Eutighofer 20.08.2009
5.
Zitat von kdshpDamalige Bekennerschreiben sollen ihre DNA-Spuren enthalten, die Bundesanwaltschaft ließ nun ihre Wohnung durchsuchen. An den damaligen Bekennerschreiben der Terrorgruppe wurden DNA-Spuren entdeckt, die von ihr stammen. Hallo, aus dem artikel. Mich überrascht das man das erst jetzt macht angeblich. Bei einer der größten fälle in D bezogen auf terror und ermittlung kommt man jetzt erst drauf mal ne DNA zu vergleichen oder auf den schreiben nach selbigen zu suchen ?! Das stinkt und komisch das das kurz vor den wahlen kommt. Ich warne hier vor einem RECHTSRUTSCH erster güte !
Bitte nicht gleich die große Verschwörung wittern. Es gibt verschiedene Verfahren der DNA-Analyse, schlecht erhaltene, bruchstückhafte DNA ist schwierig zu analysieren, neue Verfahren dazu gibt es erst in letzter Zeit.
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