Fall Edathy Sexualmediziner fordert tabufreie Pädophilie-Debatte

Der SPD-Politiker Edathy steht im Verdacht, kinderpornografisches Material zu haben. Der Sexualmediziner Klaus Michael Beier fordert im SPIEGEL eine tabufreie Diskussion über Pädophilie: Männer mit dieser Neigung kämen trotzdem für hohe Regierungsämter in Frage.

Sexualmediziner Beier: "Die abschreckende Wirkung des Strafrechts ist minimal"
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Sexualmediziner Beier: "Die abschreckende Wirkung des Strafrechts ist minimal"


Hamburg - Durch den Fall des SPD-Politikers Sebastian Edathy wird in Deutschland seit Tagen heftig über Kinderpornografie und Pädophilie diskutiert. Für eine rationalere Debatte spricht sich der renommierte Sexualmediziner Klaus Michael Beier im Spiegel aus: Pädophile Männer könnten auch hohe Regierungsämter ausüben. "Aus meiner Sicht spricht jedenfalls nichts dagegen, wenn ein pädophiler Mann eine exponierte Position in der Gesellschaft übernimmt, solange er die volle Verantwortung für seine sexuelle Präferenz übernimmt und sein Verhalten sicher kontrollieren kann", sagte der Forscher. (Die ganze Geschichte lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.)

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Heft 9/2014
Eine Klage gegen Deutschlands Staatsanwälte

Beier ist Direktor des Instituts für Sexualmedizin an der Berliner Charité und Initiator des bundesweiten Präventionsprojekts "Kein Täter werden", das pädophilen Männern anonyme, kostenlose Therapien anbietet.

"Angehörige einer sexuellen Minorität können besonders wertvolle Mitglieder der Gesellschaft sein, weil sie eine ganz andere Wahrnehmung für Entrechtung und Ausgrenzung haben", sagte Beier. Es sei ausgeschlossen, dass ein pädophiler Mann seine sexuelle Präferenz ändern kann. "Die Debatte über Pädophilie ist auch deshalb so schwer zu führen, weil die Menschen dem Glauben anhängen, es brauche nur ein bisschen Willenskraft, um seine sexuelle Ausrichtung zu verändern", sagte der Sexualmediziner. "Das ist aber nicht der Fall." Es komme darauf an, pädophilen Männern so zu helfen, dass sie ihre Neigung nicht aktiv ausleben.

"In Deutschland leben rund 250.000 Menschen mit pädophiler Neigung, und wenn wir die nicht vernünftig behandeln, dann wird es immer wieder neue Opfer von Missbrauch geben", erklärte Beier. Das derzeitige Strafrecht ist für den Forscher kein probates Mittel im Kampf gegen Kinderpornografie: "Die abschreckende Wirkung des Strafrechts ist minimal. Und wer erwischt wurde, hat mit keiner zügigen Reaktion des Rechtssystems zu rechnen. Die Strafverfolgung ist aus meiner Sicht daher ineffektiv. Bei den meisten Verfahren kommt es gar nicht zu einer Hauptverhandlung, sondern es wird gegen Zahlung einer Geldstrafe eingestellt."

Beier unterstützt allerdings die Forderung von Union und SPD, sogenannte Posing-Bilder zu verbieten, bei denen Kinder in Szene gesetzt wurden. "Ich setze mich schon seit Jahren dafür ein, solche Bilder zu verbieten, denn sie stellen ganz eindeutig einen Missbrauch dar, eben weil die Kinder für sexuelle Interessen Erwachsener benutzt werden", sagte Beier.

Der Sexualmediziner äußerte sich zudem besorgt angesichts der Flut drastischer Bilder, die sich im Internet finden lassen. "Es liegt sehr nahe, dass derartige Bilder auch Eingang finden können in die sexuelle Phantasiewelt von Männern mit einer pädophilen Neigung und am Ende auch das Verhalten beeinflussen."

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 528 Beiträge
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gerthans 23.02.2014
1. Herrn Beiers besonnene Stimme
begrüße ich. Jeder Mensch hat schlimme Neigungen. Sie sind angeboren. Zum Beispiel der Ödipuskomplex, den Freud entdeckt hat: Der Sohn begehrt sexuell seine Mutter und will seinen Vater als Konkurrenten ausschalten, indem er ihn tötet oder kastriert. Solche unbewussten Wünsche kann man nicht "heilen", also beseitigen, sondern nur in nützliche oder unschädliche Bahnen lenken. Ähnlich verhält es sich auch mit pädophilen Sehnsüchten.
nickleby 23.02.2014
2. Toleranz bis zum Umfallen ?
Pädophilie ist eine Krankheit, die Persönlichkeitsveränderungen hervorruft, die Menschen unberechenbar macht, die gemeinschaftsunfähig macht, weil sie die Grundwerte der Gesellschaft, die Würde und den Schutz des Kindes, brutal verletzt. Solchen Menschen gesellschaftliche Verantwortung zu übertragen ist so, als ob man einen Cracksüchtigen wissentlich als Flugkapitän einstellt.
arimahn 23.02.2014
3.
"Aus meiner Sicht spricht jedenfalls nichts dagegen, wenn ein pädophiler Mann eine exponierte Position in der Gesellschaft übernimmt, solange er die volle Verantwortung für seine sexuelle Präferenz übernimmt[...]" Politiker übernehmen schon allein aus Habitus keine Verantwortung für ihr Handeln. Ergo zieht das Argument nicht. Wenn man wirklich Politiker mit einem persönlichen Verständnis für Minderheiten möchte gibt es da genug, die nicht gleichzeitig potentielle Straftäter sind.
Thunder79 23.02.2014
4. wenn ich sehe....
.... wie die heutigen Kinder und Jugendlichen teils von Ihren Eltern gekleidet werden, wundert es mich nicht das ein pädophiler ganz geil wird wenn ihm ein 10jähriger voraus läuft, dem die Jeans die halbe Unterhose freigibt. Neulich ist mir ein Mädchen, höchstens 8 Jahre alt, beim einkaufen aufgefallen, sie war ähnlich angezogen wie die Mutter, gestylt mit Lippenstift und sogar ein Kinderhandtäschchen. So etwas gehört verboten, dass Eltern Ihre Kinder wie Puppen behandeln und ihr eigenes ich 2x verwirklichen. Das sind Kinder in einem Alter die im Matsch spielen sollten und nicht darauf getrimmt Heidis next Top Model zu werden. Mich wundert das nicht dass das Problem mit den Pädophilen immer größer wird!
clemensbarono 23.02.2014
5. Pädophile sind nicht therapierbar!
Pädaphile braucht unsere Gesellschaft nicht, auch dann nicht wenn Herr Baier anderer Auffassung ist! Unsere Kinder müssen geschützt werden vor Mitmenschen, die solche Neigungen haben!
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