Funde bei Edathy Staatsanwälte sprechen von "Grenzbereich zu Kinderpornografie"

Erstmals nennt die Staatsanwaltschaft Hannover Details im Fall Edathy. Der zurückgetretene Bundestagsabgeordnete soll Bilder unbekleideter Jungs besessen haben. Von den Kinderporno-Vorwürfen erfuhr der SPD-Politiker offenbar früh: Bereits im November meldete sich sein Anwalt bei den Behörden.

Staatsanwalt Fröhlich: "Alles mit Bezug zu den Genitalien"
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Staatsanwalt Fröhlich: "Alles mit Bezug zu den Genitalien"


Berlin - Die Staatsanwaltschaft Hannover hat in einer Pressekonferenz erstmals ausführlich Stellung zu den Vorwürfen gegen Sebastian Edathy genommen. Der SPD-Politiker habe demnach Material von unbekleideten Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren besessen.

"Die Frage, ob es sich um Kinderpornos handelt, ist eine schwierige Bewertungsfrage. Auf jeden Fall befinden wir uns hier im Grenzbereich zu dem, was Justiz unter Kinderpornografie versteht", sagte Behördenleiter Jörg Fröhlich. Die Bilder zeigten "nackte Knaben, die toben, spielen, sich darstellen - alles mit Bezug zu den Genitalien".

Die Ermittler hätten sich dennoch entschieden, ein Verfahren einzuleiten. Wer grenzwertiges kinderpornografisches Material bestelle, dies bei einer Firma im Ausland tue und dabei konspirativ vorgehe, dürfte womöglich auch im Besitz von Material sein, das in Deutschland strafbar sei, argumentierte Fröhlich.

"Die Ausbeute war bisher mager"

Bei den Durchsuchungen von Edathys Wohnungen und Büros seien zwei Computer sichergestellt worden, auf denen aber vermutlich kein verbotenes Material gefunden werden könne. Die Auswertung dauere noch an, sagte Fröhlich. "Die Ausbeute war bisher mager." Die Staatsanwaltschaft bestätigte nicht, dass Edathys Festplatte zerstört wurde.

Neun Bestellungen mit insgesamt 31 Produkten soll Edathy in Kanada getätigt haben, teilte die Staatsanwaltschaft Hannover mit. Für die Downloads des verdächtigen Materials habe Edathy verschiedene IP- und Mail-Adressen benutzt, darunter sei auch eine Multiuser-Adresse des Bundestags gewesen.

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich fassungslos darüber, dass Akten öffentlich wurden. Die Behörde habe selbst erst am 5. November die Edathy-Akte erhalten, sie sei als Verschlusssache eingestuft gewesen. Bereits am 28. November habe der Verteidiger von Edathy Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Hannover aufgenommen und um ein vertrauliches Gespräch gebeten. Die Ermittler zeigten sich verwundert darüber, dass der Anwalt so gut informiert war. Am 22. Januar 2014 habe es dann ein Gespräch zwischen Edathys Rechtsbeistand und der Staatsanwaltschaft gegeben. Sechs Tage später sei dann der Entschluss gereift, gegen Edathy zu ermitteln.

Zu möglichen Ermittlungen gegen Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich wollten die Staatsanwälte keinen Kommentar abgeben. Der CSU-Politiker soll die SPD-Spitze bereits im Oktober über den Verdacht gegen Edathy informiert haben.

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syd/dpa/AFP

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