Fall Jakob von Metzler Foltervermerk erst nach Monaten in den Akten

Im Fall des entführten Bankierssohn Jakob von Metzler gibt es neue Ungereimtheiten. Laut Medienberichten wurde der Vermerk, in dem die Folter gegen den Entführer des Jungen legitimiert wurde, erst nach Monaten zu den Ermittlungsakten gelegt.


Jakob von Metzler wurde im Oktober 2002 entführt und getötet
DPA

Jakob von Metzler wurde im Oktober 2002 entführt und getötet

Frankfurt - Im Mordfall Jakob von Metzler ist der Vermerk über die Folterandrohung gegen den mutmaßlichen Mörder des Elfjährigen nach Informationen des "Tagesspiegel" erst nach Monaten in die Ermittlungsakten aufgenommen worden. Der Verteidiger des angeklagten Jurastudenten Magnus G., Ulrich Endres, habe demnach erst nach dem 22. Januar dieses Jahres durch die Sichtung der Akte erfahren, unter welchen Umständen der Student am 1. Oktober 2002 bei der Kripo die Tat gestanden hatte.

In einem internen Vermerk ("nur für die Handakte Polizei/StA") hatte der Frankfurter Polizei- Vizepräsident Wolfgang Daschner damals festgelegt, dass der Student "nach vorheriger Androhung, unter ärztlicher Aufsicht, durch Zufügung von Schmerzen (keine Verletzungen)" zu befragen sei, um das Leben des entführten Kindes zu retten. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Fahnder noch davon aus, dass der Junge noch lebte. Verteidiger Endres berichtete dem "Tagesspiegel", der Beschuldigte Magnus G. hätte bereits bei ihrem ersten Treffen geklagt, er sei von einem namentlich nicht bekannten Vernehmer angegangen worden.

Nun wird die Frage zu klären sein, warum der interne Vermerk, der das Datum "Frankfurt, 1. 10. 2002" trägt, erst Monate später in die offiziellen Ermittlungsakten aufgenommen wurde, in die auch Verteidiger Endres regelmäßig Einsicht erhielt. Schon jetzt spekulierte der "Tagesspiegel", dass die Begleitumstände des ersten Geständnisses verhindern könnten, dass Magnus G. für die Tat vor Gericht die Höchststrafe erhält.

Laut Verteidiger Endres stimmt die späte Beifügung des heiklen Vermerks nicht mit der Version der Behörden überein. Daschner habe erklärt, noch am Tag der Vernehmung Oberstaatsanwalt Rainer Schilling über seine Anordnung informiert zu haben. Schilling habe dieses Vorgehen nach eigenen Angaben für "höchst bedenklich" gehalten und den Behördenchef darüber informiert. Er habe den Vermerk Daschners erst am 15. Januar erhalten, daraufhin sei dieser Bestandteil der Akten geworden.

Magnus G. hat mehrfach gestanden, den Bankierssohn Jakob von Metzler am 27. September vergangenen Jahres entführt und getötet zu haben. Von den Eltern verlangte er eine Million Euro Lösegeld, als der Junge bereits tot war. Die Leiche war vier Tage nach der Entführung in einem Tümpel in Osthessen gefunden worden.



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