Festnahme von Ahmed Mansour Juristen werfen deutschen Behörden Versagen vor

Er hatte sich nichts zuschulden kommen lassen und saß dennoch zwei Tage in einem Berliner Gefängnis. Die deutschen Behörden haben bei der Festnahme des arabischen Journalisten Ahmed Mansour nach SPIEGEL-Informationen Rechtsgrundsätze missachtet.

Reporter Mansour auf Pressekonferenz: Versagen der deutschen Behörden
AFP

Reporter Mansour auf Pressekonferenz: Versagen der deutschen Behörden


In der Affäre um die Festnahme des Al-Jazeera-Journalisten Ahmed Mansour geraten deutsche Behörden zunehmend in die Kritik. Nach SPIEGEL-Recherchen versäumten sie, die Identität und den Beruf Mansours zu überprüfen, bevor er in Deutschland zur Fahndung ausgeschrieben wurde. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Der als regimekritisch geltende TV-Reporter war am vergangenen Samstag in Berlin aufgrund eines Fahndungsersuchens aus Ägypten festgenommen worden. In dem Papier, das dem SPIEGEL vorliegt, warf ihm der Generalstaatsanwalt von Kairo - ohne nähere Belege - Gewaltverbrechen vor. So habe Mansour 2011 in Ägypten "einen Bürger völlig unrechtmäßig festgehalten", ihn "mit einem Elektrostab traktiert" und "vergewaltigt".

Dass Mansour als Journalist arbeitet, wurde in dem Papier hingegen verschwiegen. In der Rubrik "Beruf" hieß es nur: "liegt nicht vor". Allerdings hieß es, Mansour habe "falsche Meldungen verbreitet, um die öffentliche Sicherheit zu gefährden".

Dennoch überprüften weder das Auswärtige Amt noch das Bundesamt für Justiz, wem der Fahndungsaufruf galt. Dabei hätte schon eine gründliche Internetrecherche offenbart, dass es sich um einen der prominentesten Journalisten der arabischen Welt handelt.

"Das Bundeskriminalamt hätte eigenständig den politischen Hintergrund prüfen müssen", kritisiert der Bielefelder Staatsrechtler Christoph Gusy. Ähnlich sieht das der Salzburger Rechtshilfeexperte Otto Lagodny. Die beteiligten Behörden hätten "extrem schlampig und wenig verantwortungsbewusst" gearbeitet, sagte er dem SPIEGEL.

In den Befragungen durch die deutschen Behörden beteuerte Mansour, Kairo habe die Vorwürfe gegen ihn frei erfunden, um ihn als missliebigen Journalisten aus dem Verkehr zu ziehen. Dennoch wurde er erst nach zwei Tagen freigelassen. Zuvor hatten sich das Kanzleramt und das Auswärtige Amt in den Fall eingeschaltet.

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