Fall Möllemann Ermittler schließen Fremdmanipulation aus

Im Fall Möllemann verdichten sich die Hinweise auf Selbstmord. Die Ermittler haben keine Anhaltspunkte, dass es beim tödlichen Fallschirmsprung des früheren FDP-Spitzenpolitikers eine Fremdmanipulation gegeben hat. Auch seien am Hauptschirm keine technischen Mängel festgestellt worden.




Möllemann: War es Selbstmord?
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Möllemann: War es Selbstmord?

Recklinghausen - Der Hauptschirm habe sich aus noch nicht geklärter Ursache in einer Höhe von 1000 Metern gelöst, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in Recklinghausen mit. Anschließend habe Möllemann jedoch nicht den Reserveschirm manuell betätigt.

An dem Hauptschirm hätten die Gutachter keine technischen Mängel entdeckt. Nach mehreren unabhängigen Zeugenaussagen habe sich der Hauptschirm auch zunächst erwartungsgemäß geöffnet.

Zuvor war als Ergebnis der Obduktion bekannt gegeben worden, dass Möllemann bei seinem tödlichen Fallschirmsprung nicht unter Drogen stand. Möllemann sei beim Aufprall sofort tot gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

"Es ist noch nicht sicher, aber ich gehe davon aus, dass der Hauptschirm ausgeklinkt wurde", sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Reinicke in Essen. "Wir ermitteln weiter in alle Richtungen", sagte der Oberstaatsanwalt weiter. Dazu gehöre auch die Möglichkeit eines Selbstmords.

Es gebe zahlreiche Zeugenaussagen, wonach der Hauptschirm in großer Höhe gelöst wurde, sagte Reinicke. Bei dem ungebremsten Aufprall auf den Erdboden seien lebenswichtige Organe zerstört und der Schädel zertrümmert worden, fasste er das Obduktionsergebnis zusammen. Die Leiche Möllemanns sei noch in der Nacht zu Freitag der Familie übergeben worden.

Hersteller: Ausfall von Sicherheitssystem unwahrscheinlich

Das technische Versagen des Sicherheitssystems am Fallschirm Möllemann ist nach Einschätzung der Hersteller-Firma "äußerst unwahrscheinlich". Einen solchen Fall habe es bislang noch nie gegeben, zitierte der "Reutlinger General-Anzeiger" den Hersteller.

Angesichts der beengten Verhältnisse im Flugzeug-Inneren sei auch die Möglichkeit, dass das gebräuchliche System mit Namen "Cypres" während des Fluges manipuliert worden sei, "äußerst unwahrscheinlich", betonte der Fallschirmtechniker Kai Koerner von der Firma Airtec GmbH. Das endgültige Untersuchungsergebnis der Sicherheitstechnik am Fallschirm des Politikers wird nach Einschätzung Koerners allerdings erst in einigen Tagen vorliegen.

Unterlagen über Bankkonto in Luxemburg beschlagnahmt

In Luxemburg wurden im Zuge der Ermittlungen Unterlagen eines Bankkontos beschlagnahmt. Das Konto habe Möllemann bei einer Filiale der "BNP-Paribas" geführt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jean-Paul Frising. Die Unterlagen über die Kontoeröffnung und -bewegungen seien von der Kriminalpolizei am Donnerstag im Auftrag deutscher Ermittler sichergestellt worden. Mit einer Übersendung der Papiere an die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf sei frühestens in zwei, drei Wochen zu rechnen.

Der Untersuchungsrichter habe das schon seit einiger Zeit vorliegende Rechtshilfegesuch aus Deutschland am Donnerstag in Kraft gesetzt, sagte Frising. Die Aktion stehe in Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung, illegaler Parteienfinanzierung und Betrugs.

So soll Möllemann sein umstrittenes Wahlkampf-Flugblatt mit Äußerungen zur Politik in Israel mit Geld von dem Millionen-Konto der "Banque Nationale de Paris" finanziert haben. Nach Informationen der Zeitung "Luxemburger Wort" soll der ehemalige Liberaldemokrat das Konto unter dem Firmennamen "TEC" 1985 bei der Bank eingerichtet haben, obwohl es ihm als damaliger Bundesminister verboten war, ein Gewerbe auszuüben.

Auf das Konto, so die Zeitung weiter, sollen auch hohe Geldbeträge im Zusammenhang mit einem umstrittenen Panzergeschäft mit Saudi-Arabien geflossen sein. Ein enger Vertrauter Möllemanns soll nach Informationen des Blatts zunächst eine Millionen-Provision als Berater erhalten und danach hohe Beträge auf das Konto Möllemanns überwiesen haben.

Die Behörden ermittelten gegen Möllemann wegen Steuerhinterziehung und Verstoßes gegen das Parteiengesetz sowie Betrugs und Untreue. Der Bundestag hatte am Donnerstagmorgen die Immunität Möllemanns als Abgeordneter einstimmig aufgehoben



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