Laut Akten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) lieferte IM "Otto Bohl" vor dem tödlichen Schuss auf Ohnesorg über Jahre Interna über Mitarbeiter, Personalveränderungen und die Arbeitsweise verschiedener Dienststellen der West-Berliner Polizei. Zusätzlich sammelte er Personendaten von DDR-Flüchtlingen, verriet geplante Durchsuchungen bei Spionage-Verdächtigen und informierte das MfS über Fluchthelfer, mögliche Fluchttunnel und unterirdische Schießanlagen der Alliierten.

Kurras vor Prozessbeginn im Landgericht in Berlin (Archivfoto vom November 1967): Stasi wollte ihre Top-Quelle auch für "Romeo-Aufträge" gewinnen
In den Akten finden sich auch Protokolle von Kurztreffen, bei denen Kurras Büchsen mit Minox-Filmen oder Nachschlüssel für Panzerschränke und Diensträume der Polizei übergab. Für konspirative Kontaktaufnahmen mit dem Agenten, der als Waffennarr galt, war die Losung "Guten Tag, Herr Kurras, ich komme wegen der Schießabteilung" vereinbart.
Im Jahr 1965 berichtet Kurras seinem Führungsoffizier, dass er in eine Sonderermittlungsgruppe des West-Berliner Staatsschutzes aufgenommen worden sei, die sich mit dem Aufspüren von Verrätern in den eigenen Reihen beschäftige. Kurras gab dem MfS Namen und Spitznamen von Kollegen zu Protokoll und beteiligte sich 1967 an der Suche nach "Schläfern" des MfS im Polizeiapparat West.
Die Stasi versuchte die Top-Quelle offenbar auch für sogenannte "Romeo-Aufträge" zu gewinnen und setzte IM "Otto Bohl" auf die Mitarbeiterin eines Abteilungsleiters der Polizei an. Nach dem gescheiterten Annäherungsversuch erbat sich der Agent, derartige Aufträge nur "bei absoluter Notwendigkeit" erteilt zu bekommen.
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