Getötete 14-Jährige AfD provoziert mit Schweigen für Susanna

Der AfD-Abgeordnete Seitz sollte im Bundestag zur Geschäftsordnung diskutieren - stattdessen setzte er zu einer Schweigeminute für die getötete Susanna an. Die anderen Fraktionen kritisieren die Aktion scharf.


Die AfD-Fraktion im Bundestag steht für die Instrumentalisierung des Dramas um die getötete Susanna in der Kritik. Hintergrund ist eine unangekündigte Schweigeminute des AfD-Abgeordneten Thomas Seitz. Er argumentierte am Freitagmorgen nicht wie vorgesehen zur Geschäftsordnung, sondern stand schweigend hinter dem Rednerpult - zum "Gedenken an die in Wiesbaden tot aufgefundene Susanna", wie er zuvor sagte. Tatverdächtig im Fall der getöteten 14-Jährigen aus Mainz ist ein Flüchtling.

Die anderen Fraktionen reagierten entsetzt. "Der Bundestag ist ein Ort der Debatte, aber nicht der politischen Instrumentalisierung von Opfern", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, der als Nächster sprach. "Das hat in mir das Gefühl der Fremdscham ausgelöst", sagte sein FDP-Amtskollege Marco Buschmann.

"Sie sollten sich schämen", sagte auch die Fraktionsmanagerin der Grünen, Britta Haßelmann. Die AfD-Fraktionschefs Alice Weidel und Alexander Gauland hätten offenbar selbst Zweifel an der Aktion gehabt. Die beiden hatten sich erst erhoben, nachdem ein Kollege Gauland von hinten angetippt hatte. Weidel zeigte Haßelmann zu dieser Anschuldigung den Vogel, indem sie sich an die Stirn tippte.

Susanna war vor zwei Wochen verschwunden. Ihre Leiche wurde am Mittwoch bei Wiesbaden gefunden. Tatverdächtig ist der irakische Flüchtling Ali B., der nach Aussagen der Staatsanwaltschaft vermutlich vergangene Woche mit seiner gesamten Familie überhastet abgereist ist. Der 20-Jährige war bereits mehrfach polizeilich aufgefallen und auch mit der Vergewaltigung eines Kindes in Verbindung gebracht worden.

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Wiesbaden: Der Fall Susanna

Am Donnerstag wurde ein weiterer Mann, der zwischenzeitlich als tatverdächtig galt, wieder freigelassen. Gegen den zunächst festgenommenen 35-jährigen Asylbewerber mit türkischer Staatsangehörigkeit besteht laut Staatsanwaltschaft kein dringender Tatverdacht mehr. Mehrere Politiker fordern nun Aufklärung darüber, wie sich der Tatverdächtige Ali B. trotz Unklarheiten über seine Identität offenbar in seine Heimat Irak absetzen konnte.

vks/dpa

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