Familien Von der Leyen glaubt an Trendwende bei Geburtenzahlen

Gute Konjunktur, eine neue Wertschätzung für Kinder und ihre eigene Politik - Familienministerin von der Leyen sieht eine Trendwende bei der Geburtenentwicklung in Deutschland. Die Geburtenrate könnte im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung gestiegen sein.


Erfurt - Nach Einschätzung von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ist eine Trendwende in der Geburtenentwicklung in Deutschland geschafft. "Ich bin davon überzeugt, dass die Geburtenrate für 2007 deutlich über 1,4 gestiegen ist", sagte die CDU-Politikerin der "Thüringer Allgemeinen".

Familienministerin Ursula von der Leyen: Wende bei der Geburtenentwicklung
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Familienministerin Ursula von der Leyen: Wende bei der Geburtenentwicklung

Das wäre der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. "Ich sehe da eine Trendwende, mit ausgelöst durch die neue Familienpolitik, eine breite gesellschaftliche Debatte über Leben mit Kindern, aber natürlich auch durch die gute Konjunktur", sagte von der Leyen.

2006 waren laut Statistischem Bundesamt noch durchschnittlich 1,33 Kinder je Frau geboren worden, Daten für 2007 liegen erst im Sommer vor. Die Ministerin sagte aber, Familienpolitik allein könne keinen Babyboom herbeizaubern.

Von der häufigen Inanspruchnahme der Elternzeit durch Väter zeigte sie sich überrascht. "Mit der Verdreifachung der Zahl der Väter in Elternzeit binnen eines Jahres haben wir das Ziel weit überschritten. Wir haben nicht mit einem solchen Ansturm der Väter gerechnet. In einigen Jahren könnte jeder dritte Antrag auf Elternzeit von einem Vater gestellt werden."

Rentenexperte warnt vor Generationenkonflikten

Der Rentenexperte Meinhard Miegel erneuerte seine Warnung vor künftigen Generationenkonflikten. "Wir sind auf dem Weg in eine Altenrepublik", sagte der Chef des Bonner Institutes für Wirtschaft und Gesellschaft der "Sächsischen Zeitung". Heute sei annähernd jeder zweite Wähler entweder über 60 oder stehe diesem Alter so nahe, dass seine Interessen in Richtung Altersabsicherung gingen.

Das werde sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, sagte Miegel. Schon heute belaste der alte Bevölkerungsteil die Jungen stärker, als dies früher der Fall war. "Die heute Alten haben während ihrer Erwerbsphase erheblich weniger für die damals Alten aufbringen müssen als die heute Jungen für sie jetzt", sagte Miegel.

Er räumte ein, die Rentner hätten in den zurückliegenden Jahren annähernd ein Zehntel ihrer Kaufkraft eingebüßt. Das sei allerdings politisch so gewollt. "Nur auf diese Weise bleibt das Rentensystem in den nächsten 30 Jahren halbwegs finanzierbar", sagte Miegel. Der Bevölkerung müsse offen und ehrlich gesagt werden, dass die gegenwärtige Rentenhöhe künftig nicht mehr möglich sei. Die eigentlichen Einschnitte stünden erst noch bevor. "Nach bereits geltendem Recht soll das Rentenniveau bis 2035 um etwa ein Fünftel gesenkt werden", sagte Miegel.

phw/ddp/dpa



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