Familienpolitik Frauen als Gebärmaschinen - Bischof giftet gegen von der Leyen

"Kinderfeindlich und ideologisch verblendet": Ungewöhnlich scharf hat Bischof Mixa Familienministerin von der Leyen angegriffen. Ihre Pläne zum Ausbau der Kinderbetreuung seien schädlich, die Frau werde zur Gebärmaschine degradiert.


Augsburg - Der katholische Bischof verurteilte die Politik von Ursula von der Leyen (CDU) scharf. Deren Pläne seien "schädlich für Kinder und Familien und einseitig auf eine aktive Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern fixiert", sagte Walter Mixa in Augsburg. Die Familienpolitik der Ministerin diene nicht in erster Linie dem Kindeswohl oder der Stärkung der Familie, sondern sei "vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräftereserve für die Industrie zu rekrutieren".

Mixa: "Die Frau wird zur Gebärmaschine"
DDP

Mixa: "Die Frau wird zur Gebärmaschine"

Von der Leyen beabsichtigt, die Zahl der Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren zu verdreifachen - bis zum Jahr 2013 auf rund 750.000. Dann könnten bundesweit etwa 35 Prozent dieser Mädchen und Jungen in Kitas oder von Tagesmüttern betreut werden. Die Zusatzkosten beziffert sie auf jährlich drei Milliarden Euro.

Mixa kritisierte, dass das Familienministerium andere Familienleistungen kürzen wolle, um neue Einrichtungen zur Kinderbetreuung zu finanzieren. Die Denkmuster erinnerten an die Ideologie der staatlichen Fremdbetreuung von Kindern in der DDR, sagte der Bischof weiter. Die Doppelverdiener-Ehe werde geradezu zu einem "ideologischen Fetisch" erhoben.

Wer mit staatlicher Förderung Mütter dazu verleite, ihre Kinder bereits kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiere die Frau zur "Gebärmaschine". Der Staat müsse sich stattdessen bemühen, mehr Mütter für die zeitlich überwiegende oder ausschließliche häusliche Erziehung ihrer Kinder in den ersten drei Lebensjahren zu gewinnen und dies auch finanziell zu fördern, forderte Mixa.

Der Bischof kritisierte ferner, dass im Familienministerium nach wie vor dieselben leitenden Mitarbeiter und Berater tätig seien wie unter Rot-Grün: "Da herrschen immer noch die alten sozialistischen Vorstellungen, die von der neuen Familienministerin jetzt mit dem Etikett 'christdemokratisch' geadelt werden."

Verengter Familienbegriff und antiquiertes Männerbild

Damit gehen die Angriffe auf von der Leyen weiter. Kritik an ihrem familienpolitischen Konzept kam bisher vor allem aus der bayerischen CSU. Bayerns Familienministerin Christa Stewens hatte von der Leyen gewarnt, die staatliche Kinderbetreuung dürfe nicht ausgespielt werden gegen die Erziehung innerhalb der Familie. CSU-Parteichef Edmund Stoiber sagte, der Vorschlag von der Leyens laufe Gefahr, den Familienbegriff zu verengen. Es gebe zahlreiche Eheleute, bei denen einer von beiden bewusst zu Hause bleibe, um sich vorwiegend den Kindern zu widmen. Diese Paare dürften nicht schlechter gestellt werden.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm hatte der Familienministerin ein "antiquiertes Männerbild" vorgeworfen. Von der Leyen wolle der Bevölkerung ein bestimmtes Familienbild vorschreiben und verbreite selbst ein "antiquiertes Männerbild", sagte Schönbohm dem "Tagesspiegel". "Frau von der Leyen stellt die Männer in eine Ecke, in die sie nicht gehören", wird der CDU-Politiker zitiert. "Männer, das sind für sie offenbar familienscheue Drückeberger mit lächerlichem Imponiergehabe", sagte Schönbohm weiter. Von der Leyen hatte kürzlich in einem Interview gesagt, die Zeiten der Männer als "Alphatierchen" seien vorbei.

Merkel stützt Familienministerin

Auch am Politischen Aschermittwoch schieden sich an der Familienpolitik die Geister. Stoiber sprach sich für mehr Kinderbetreuungsplätze aus, warnte aber vor dem Eindruck, dass die Union nur noch das Familienmodell der erwerbstätigen Frau förderte. Wenn die Menschen nicht mehr den Unterschied wüssten zwischen der früheren SPD-Familienministerin Renate Schmidt und deren CDU-Nachfolgerin Ursula von der Leyen, dann würden sie die Union auch nicht mehr wählen.

Kanzlerin Angela Merkel gab ihrer Ministerin im mecklenburgischen Demmin hingegen Rückendeckung. Die Zahl der Kindergartenplätze in Deutschland drastisch aufzustocken, sei richtig. Von der Leyen habe ihre "volle Unterstützung", sagte Merkel. "Wir müssen mehr tun für die, die Beruf und Familie vereinbaren wollen."

Unterstützung fand von der Leyen auch bei Gregor Gysi. Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag sprach sich in Passau für eine umfassende Kinderbetreuung aus. Die Pläne von der Leyens, verstärkt Kinderkrippen einzurichten, seien in der ehemaligen DDR schon verwirklicht gewesen, sagte Gysi. Jedoch sei es in Deutschland versäumt worden, positive Entwicklungen aus dem Osten zu übernehmen. Manches hätte sich "als ganz praktikabel herausstellen können", so Gysi.

asc/dpa/AP/Reuters

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