Familienpolitik Kirchenkollegen kritisieren Bischof Mixa scharf

Die Äußerungen des Augsburger Bischofs Mixa zur Politik von Familienministerin von der Leyen stoßen innerhalb der katholischen und evangelischen Kirche auf Kritik. Kollegen Mixas fordern mehr Krippenplätze und mehr Respekt für die Entscheidung der Eltern.


Berlin - Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover) sagte der "Passauer Neuen Presse", sie könne die Kritik in keiner Weise nachvollziehen. Auch die christlichen Kirchen sollten alles tun, um Deutschland kinderfreundlich zu machen, sagte Käßmann. Die Bischöfin verwies darauf, dass 2013 erst Krippenplätze für jedes dritte Kind zur Verfügung stehen würden.

Mixa auf einer Kinderintensivstation im Augsburger Josefinum: Kritik von Kollegen
DPA

Mixa auf einer Kinderintensivstation im Augsburger Josefinum: Kritik von Kollegen

Auch der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, äußerte sich kritisch. Er plädierte ebenfalls in der Zeitung für mehr Ruhe und Sachlichkeit in der familienpolitischen Debatte. Eltern müssten eine echte Wahlfreiheit erhalten und sich frei entscheiden können, ob sie ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren während der Arbeitszeit in eine Betreuungseinrichtung geben. "Wir brauchen mehr Respekt für die Entscheidung der Eltern", sagte Vesper.

Der Parlamentarische Staatssekretär von der Leyens, Hermann Kues (CDU und selbst Mitglied im ZdK), ging auf Distanz zu Mixa. Er sagte: "Die Wirklichkeit in der Kleinkindbetreuung hat sich längst auch in katholischen Einrichtungen geändert." Die Forderung nach einem Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder sei eine alte Forderung der Deutschen Bischofskonferenz. CDU-Familienexpertin Ursula Heinen warf Mixa Realitätsferne vor. Die Haltung des Bischofs führe in die kinderlose Gesellschaft, sagte sie.

Mixa hatte die Pläne von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zur Kleinkindbetreuung als "schädlich für Kinder und Familien und einseitig auf eine aktive Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern fixiert" kritisiert. Durch das Modell würden Frauen zu Gebärmaschinen degradiert. Die Bemerkungen stießen umgehend parteiübergreifend auf Unverständnis.

Von der Leyen will bis zum Jahr 2013 die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren auf 750.000 verdreifachen und damit Müttern die Erwerbstätigkeit erleichtern.

CSU stärkt von der Leyen den Rücken

Der Favorit für das Amt des künftigen CSU-Vorsitzenden, Erwin Huber, hat sich im Streit um die Familienpolitik auf die Seite von der Leyens geschlagen. "Frau von der Leyen hat einen völlig richtigen Kurs eingeschlagen", sagte Huber der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die aus Teilen der Union geäußerte Kritik an von der Leyen, sie wolle zu DDR-Verhältnissen zurück, nannte der CSU-Politiker "völlig abwegig". "Das wir ein breiteres Angebot an Kinderbetreuung brauchen, ist doch klar", sagte Huber.

Der bayerische Wirtschaftsminister forderte, der Bund solle die Anrechnung der Kindererziehungszeiten im Rentenrecht verbessern. "Auf diese Weise käme man beiden Gruppen entgegen: den Frauen, die Kinderbetreuung und Berufsausübung verbinden, und den Frauen, die für die Erziehung der Kinder längere Zeit aus dem Beruf aussteigen wollen."

asc/Reuters/ddp

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