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Familienpolitik: Mütter sollen zurück in den Beruf

Sie sind Mitte 40 und haben für die Erziehung der Kinder oft eine lange Auszeit genommen. Doch was kommt danach? Vielen Frauen fällt der Wiedereinstieg in den Beruf schwer. Das will Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ändern - mit einem neuen Programm.

Berlin - Es ist die Lebenswirklichkeit vieler Mütter: Am Anfang planen sie einen kurzen Ausstieg aus dem Berufsleben, doch am Ende können daraus Jahre werden. Sind die Kinder erst einmal größer, fällt vielen schließlich die Rückkehr in den Beruf schwer. Nicht zuletzt, weil sich viele Firmen sperren, Frauen nach einer solch langen Pause einzustellen. Das will Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ändern. Dazu plant sie gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit ein Wiedereinstiegsprogramm für Mütter. "Wir suchen Frauen ab Mitte 40, die ja noch viele Jahre Berufstätigkeit vor sich haben", sagte von der Leyen jetzt der "Schwäbischen Zeitung".

Bundesfamilienministerin von der Leyen (CDU): "Brücke bauen von den Müttern zu den Arbeitgebern"
DPA

Bundesfamilienministerin von der Leyen (CDU): "Brücke bauen von den Müttern zu den Arbeitgebern"

Diese Frauen brächten oft eine hohe Qualifikation mit, so von der Leyen. Schließlich seien Ehrenamt und Familie Bereiche, in denen man Management-Qualitäten wie Flexibilität, Organisationsfähigkeit und Belastbarkeit von der Pike auf lerne. Ihr Ministerium wolle Frauen helfen, auch nach 10 bis 15 Jahren Auszeit wieder in den Beruf einzusteigen. "Wir wollen die Brücke bauen von den Müttern zum Arbeitgeber. Die Wirtschaft sucht kompetente Frauen, die es auch gibt, die sich aber nie bei der Bundesagentur für Arbeit bewerben würden, weil sie sich selbst nicht als offiziell arbeitsuchend einschätzen."

In fast jeder dritten Familie bleiben Mütter zu Hause

Bereits im Frühjahr hatte von der Leyen das Programm angekündigt. Dabei wurde auch ein Internet-Portal vorgestellt, das Frauen den Weg zurück ins Erwerbsleben weisen soll. Etwa 80 Prozent der Frauen wollten spätestens wieder arbeiten, wenn die Kinder größer seien, sagte von der Leyen damals. "Diese Frauen haben im Durchschnitt noch ein Vierteljahrhundert Berufsleben vor sich", so die Ministerin. Ihnen müsse man eine Perspektive für den Wiedereinstieg geben, "dass sie nicht in einer Sackgasse landen". Bislang sei der Wiedereinstieg oft ein "Hürdenlauf über mehrere Jahre".

In der Tat. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts offenbaren: Der Vater als Hauptverdiener ist nach wie vor das klassische Modell. Bei etwa drei Vierteln dieser Familien geht der Mann Vollzeit zur Arbeit, die Mutter dagegen nur Teilzeit. Und: Ein großer Teil der Frauen bleibt ganz zu Hause. In gut jeder dritten Familie scheiden die Mütter aus dem Beruf aus, während allein die Väter das Geld verdienen. Nur in fünf Prozent aller Haushalte ist es andersherum: Dort gehen allein die Frauen zur Arbeit.

Familienfreundliche Umgebung als Anreiz für Rückkehr

Einer Umfrage des Sinus-Instituts zufolge sehen Frauen vor allem die Arbeitszeit des Partners, die Kinderbetreuung und fehlende Perspektiven am Arbeitsplatz als Hürden für ihre eigene Berufstätigkeit. Berufsrückkehrerinnen fühlten sich in den Unternehmen oft aufs Abstellgleis gestellt und erführen eine "diskriminierende Schonung". So hatte denn auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, im Frühjahr erklärt, seine Behörde stelle bis zu 175 Millionen Euro zusätzlich für die Weiterqualifizierung von Frauen zu Verfügung.

Denn Berufsrückkehrerinnen sind nach Angaben der Bundesagentur meist hochmotiviert und in der Regel gut ausgebildet. Nach einer Umfrage der Bundesagentur haben 87 Prozent von ihnen eine abgeschlossene Ausbildung.

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung stellte in einer Studie fest, was Mütter vor allem motiviert, wieder zurück in den Beruf zu kehren: familienfreundliche Arbeitszeiten sowie verständnisvolle Kollegen und Vorgesetzte. Am zufriedensten sind demnach Mütter mit Wochenarbeitszeiten zwischen 20 und 30 Stunden - weil die Betreuung der Kinder in der überwiegenden Zahl der Fälle eine Sache der Frauen ist und daher eine volle Auslastung oft unmöglich ist.

Die Rückkehr der Frauen in den Beruf ist ein eindeutiger Trend - seit Jahren. Das Frauenministerium in Nordrhein-Westfalen legte dazu jüngst beeindruckende Zahlen vor: Noch 1998 waren knapp 40 Prozent der Mütter im Alter von 30 bis 50 Jahren nicht erwerbstätig und strebten dies auch gar nicht an. 2005 waren es nur noch 25 Prozent.

Doch die Realität ist ernüchternd. Allein in Nordrhein-Westfalen wollen nach Angaben des dortigen Frauenministeriums mehr als 300.000 Mütter gerne wieder arbeiten. Weil der Wiedereinstieg in den Beruf aber schwierig ist, kümmerten sich nur 120.000 von ihnen nach der Familienzeit aktiv um eine Beschäftigung.

sev/dpa

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