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Familienreport: 660.000 Alleinerziehende leben von Hartz IV

Bei alleinerziehenden Müttern und Vätern reicht das eigene Geld oft nicht zum Leben aus: Rund 40 Prozent von ihnen beziehen Hartz IV. Familienministerin von der Leyen warnte davor, in der Wirtschaftskrise die Familienpolitik zu vernachlässigen.

Berlin - Die Zahl der Geburten steigt, aber für zu großen Optimismus besteht deshalb nach Auffassung von Familienministerin Ursula von der Leyen kein Anlass. Die Ergebnisse seien "kein Grund zur Euphorie", jedoch "ein Grund zur Zuversicht", sagte die CDU-Politikerin am Montag bei der Vorstellung des Familienreports. Die Annahme, Familienpolitik sei in konjunkturell rauen Zeiten nachrangig, sei falsch, vielmehr sei sie die "Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand".

Familienministerin von der Leyen: "Ein Grund zur Zuversicht"
AP

Familienministerin von der Leyen: "Ein Grund zur Zuversicht"

Wie Deutschland aus der aktuellen Wirtschaftskrise herausgehe, werde von der Familienpolitik abhängen, sagte von der Leyen mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen.

Dem Familienbericht zufolge leben rund 40 Prozent der alleinerziehenden Eltern in Deutschland von Hartz IV. Dies seien etwa 660.000 Mütter oder Väter mit rund einer Million Kindern, sagte von der Leyen. Bei ihnen gebe es bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch erheblichen Handlungsbedarf. Von der Leyen verwies dabei auf eine Befragung von Alleinerziehenden, die auf der Suche nach einem Arbeitsplatz sind. Dabei gaben 43 Prozent an, dass sie Kinderbetreuung benötigen, aber nur drei Prozent hätten bei der Jobsuche entsprechende Betreuungsangebote erhalten.

Die Geburtenrate pro Frau hat sich von der Leyen zufolge von 1,33 Kinder im Jahr 2004 bis 2007 auf 1,37 Kinder erhöht. Bevölkerungswissenschaftler halten allerdings eine Quote von mindestens 1,6 für nötig, um den Bevölkerungsschwund durch Sterbefälle auszugleichen. Frankreich zum Beispiel hat eine Quote von 1,9. Das Statistische Bundesamt schätzt die Gesamtzahl der Geburten 2008 auf bis zu 690.000. Im Jahr 2007 waren es 684.862 Geburten.

Umfragen im Familienreport zufolge wächst der Wert der Familie. 90 Prozent der Deutschen halten sie für wichtig. "Wenn die Zeiten rauer werden, sagen rund Dreiviertel der Menschen: Mein wichtigster Halt ist die Familie", sagte von der Leyen. 50 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Familienpolitik der Bundesregierung habe die Situation der Familien verbessert. Fünf Prozent sehen eine Verschlechterung. Ein Drittel (34 Prozent) hält die Situation für unverändert.

Die Anzahl der Scheidungen ist seit 2005 gesunken, die Zahl der Single-Haushalte mit sieben Prozent relativ konstant geblieben. Die Zahl der Eheschließungen sinkt aber auch seit 2004 kontinuierlich, allerdings war der Rückgang in den vergangenen zwei Jahren vergleichsweise gering.

Der Familienforscher Hans Bertram von der Berliner Humboldt-Universität sieht die Eltern unter anderem durch das seit 2007 eingeführte Elterngeld in der "Rushhour" des Lebens entlastet. Diese könne ein Grund dafür sein, dass jetzt mehr Frauen zwischen 30 und 40 sich entschließen, ein Kind zu bekommen, unterstrich er.

Von der Leyen will sich bei ihren Ministerkollegen dafür einsetzen, dass die Leistungen für die Familien in der Krise nicht zu kurz kommen. Eine solide Familienpolitik sei "Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand und für die Frage, wie wir aus der Krise herauskommen", sagte sie und zitierte ein Kölner Wirtschaftsinstitut, wonach solide Familienpolitik das Wachstum um 0,5 Prozentpunkte pro Jahr anheben könne. Allein durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie könnten jährlich fiskalische Effekte von bis zu 70 Milliarden Euro realisiert werden, sagte die Ministerin.

Von der Leyen sprach sich außerdem für eine stärkere Hilfe für Eltern mit einem unerfüllten Kinderwunsch aus. Es müsse diskutiert werden, ob das sächsische Modell, nach dem der Staat Eltern bei der künstlichen Befruchtung unterstützt, ein guter Weg sei. Sie wandte sich dagegen, die Diskussion um die künstliche Befruchtung zum Gegenstand politischer Zuständigkeitsstreits werden zu lassen.

hen/dpa/ddp

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