Familienzeit-Gesetz Bundesregierung beschließt Pflege-Auszeit

Zehn Tage frei, und bis zu 90 Prozent des Lohns werden trotzdem gezahlt: Das Kabinett hat ein Gesetz von Familienministerin Manuela Schwesig abgesegnet. Die sogenannte Familienzeit soll die Situation pflegender Angehöriger verbessern.

Familienministerin Schwesig: Auszeit für die Angehörigen
REUTERS

Familienministerin Schwesig: Auszeit für die Angehörigen


Berlin - Arbeitnehmer können von 2015 an eine zehntägige Auszeit vom Job zur Pflege eines Angehörigen nehmen - und ein Großteil des Lohns muss dann weiterhin gezahlt werden. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf von Familienministerin Manuela Schwesig hat das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedet. Nun muss noch der Bundestag zustimmen.

Während der Pflegezeit erhalten Arbeitnehmer künftig bis zu 90 Prozent ihres Nettoeinkommens aus der Pflegeversicherung ersetzt. Die Kosten dafür werden auf rund 100 Millionen Euro geschätzt und sollen aus den Einnahmen des zum Jahreswechsel steigenden Pflegebetrags finanziert werden.

2,6 Millionen Pflegebedürftige

Mit Einführung der sogenannten Familienzeit erhalten Arbeitnehmer zudem das Recht, für zwei Jahre ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Wochenstunden zu reduzieren. Ein zinsloses Darlehen soll ihnen in dieser Zeit helfen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Für einen Zeitraum von sechs Monaten können sie sich sogar komplett vom Job freistellen lassen. Diese Regelung soll auch dann gelten, wenn sich der Angehörige in einem Hospiz befindet.

Laut Angaben des Familienministeriums sind in Deutschland derzeit 2,6 Millionen Menschen pflegebedürftig, von ihnen werden 1,8 Millionen ambulant betreut - davon zwei Drittel von Familienangehörigen.

Kritik an dem Gesetzentwurf kommt von den Arbeitgebern. Es sei "kein neues bürokratisches Gesetz notwendig", erklärte die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände am Dienstag. Die Unternehmen unterstützten Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen schon heute durch individuelle Regelungen, hieß es.

mxw/Reuters/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marbh 15.10.2014
1. 10, 10.000, 100.000.000
...das Geld werden sich doch 10.000de, die eine illegale Pflegekraft beschäftigen zusätzlich abgreifen!
fridericus1 15.10.2014
2. Zukünftig ...
... wird man Frauen im Vorstellungsgespräch nicht nur nach dem Kinderwunsch, sondern auch nach dem Gesundheitszustand der Eltern befragen. Das wird ein klassischer Rohrkrepierer, vor allem für Frauen, die nicht im idyllischen öffentlichen Dienst arbeiten.
hesse 15.10.2014
3. Während eine Völkerwanderung Deutschland.....
.....überrennt, werden in der Politik zweitrangig wichtige Angelegenheiten diskutiert. Seit 200 Jahren gab es nie eine Regierung wie heute, die derart hilflos den bestehenden Desastern gegenüber stand wie die heute.
koves 15.10.2014
4. Gut und nicht gut
Gut für das Sozialwesen, nicht gut für Unternehmer und somit den Wettbewerb. In das Solzialsystem eingreifende Gesetze sollten verstärkte auf Europaebene beschlossen und eingeführt werden. Das erfordert natürlich sehr viel Disziplin, aber so gehört Europa!
tobe666 15.10.2014
5. wäre mal interessant...
...zu wissen ob auch Selbstständige davon profitieren bzw. irgendeine Zahlung erhalten wenn sie in die Pflegekasse einzahlen?!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.