FDP-Chef Christian Lindner kritisiert #MeTwo

Christian Lindner und der Alltagsrassismus: In einem Interview wirft der FDP-Chef der #MeTwo-Debatte Einseitigkeit vor.

Christian Lindner
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Christian Lindner


Erst im Mai hatte Christian Lindner sich zum Thema Migration und Fremdenangst geäußert und wurde dafür heftig kritisiert. In einem viel zitierten Bäckerei-Gleichnis stellte er fest, dass man bei einer Person, die in gebrochenem Deutsch Brötchen bestellt, nicht wisse, "ob das der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer".

Dafür wurde dem FDP-Chef von vielen Seiten Alltagsrassismus vorgeworfen. Nun nimmt Lindner (Lesen Sie hier ein Porträt des Politikers und Porsche-Fahrers in Warteposition) genau jene Twitter-Aktion ins Visier, die solcherart Alltagsrassismus abbilden will: Er kritisiert die #MeTwo-Debatte als einseitig.

"Wir erleben in Deutschland seit Langem eine Alltagsdiskriminierung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, vor allem aus der Türkei", sagte Lindner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Trotz guter Bildung erfahren sie Nachteile bei der Bewerbung um einen Job." Zu #MeTwo gehöre aber ein zweiter Aspekt: "In der türkeistämmigen Gemeinschaft gibt es eine Geringschätzung freiheitlicher Werte. Bemühungen, sich zu integrieren, werden vernachlässigt."

Nach Lindners Meinung sollte sich die auf Twitter unter dem Hashtag "MeTwo" geführte Diskussion daher dieser doppelten Frage widmen: "Einerseits müssen wir uns als aufnehmende Gesellschaft der Realität stellen, dass wir nicht so offen, tolerant und liberal sind, wie wir das selber immer von uns sagen und glauben. Auf der anderen Seite muss es eine klare Ansage geben, dass wir in Deutschland freiheitliche Werte haben, zu denen wir offensiv stehen: Wir sind genauso stark wie Erdogan."

Und weiter sagt der FDP-Politiker: "Auch wir kämpfen für unsere Werte - aber es sind andere Werte. Auf unsere Toleranz kann man sich nicht berufen, wenn man sie von Innen aushöhlen will."

cbu/dpa



insgesamt 101 Beiträge
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biber01 05.08.2018
1. Oh Mann!
Das gibt jetzt aber Mecker!
Das dazu 05.08.2018
2. Seine Meinung oder hat er Beweise
Hat er Beweise für diese Aussage: "In der türkeistämmigen Gemeinschaft gibt es eine Geringschätzung freiheitlicher Werte. Bemühungen, sich zu integrieren, werden vernachlässigt." Oder sind das auch Vorurteile, gepaart mit Alltagsrassismus? Es ist einfach ätzend, wie leicht Politiker heutzutage ohne Nachdenken die Gesellschaft spalten. Etwas rumgeschwurbelt und dem rechten Gesellschaftsflügel zum Mund gesprochen, aber bitte immer so uneindeutig, das man hinterher alles abstreiten kann. Dieser Mann sollte sich mal um die Schulden der FDP kümmern und seinen Mann da stehen, statt die Gesellschaft weiter mit "Sommerinterviews" zu spalten. Die Allgemeinheit wird es ihm danken, muss sie nicht für diese Schulden aufkommen. Ach, ich vergass, war ja eine andere Fraktion, eine andere FDP...
tomhagen 05.08.2018
3. Ist das eine Kriegserklärung an AfD und CSU?
„Auf unsere Toleranz kann man sich nicht berufen, wenn man sie von Innen aushöhlen will."
nahatschalah 05.08.2018
4. Die Freiheit
ein Rassist zu sein - FDP.
ali71 05.08.2018
5. Recht hat er
Wie so oft hat Lindner Recht. Aber ich erwarte, dass nun wieder das übliche FDP- und Lindner-Bashing losgeht, insbesondere bei SPON und einem Teil der Leserschaft. Unabhängig von Inhalt, frei nach dem Motto, von der FDP ? Schnell die üblichen Schlagworte raus: Neoliberalismus, Kaltherzigkeit, Lobbyisten, etc. :-) Ohne sich tatsächlich mit dem Inhalt zu beschäftigen. Das eigene selbstgerechte, immer gut klingende Selbstbild könnte ja angegriffen werden. Aber Toleranz darf der Intoleranz nicht weichen. Dieses Problem haben wir in Deutschland von rechts und, ja, man traut es sich kaum auszusprechen, von links. Toleranz nur wenn es in meine politische Richtung paßt.
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