Parteitag FDP wählt Lindner mit 97,7 Prozent zum NRW-Chef

Christian Lindner führt die FDP nicht nur als Spitzenkandidat in die Parlamentswahl in NRW, sondern auch als Landesparteichef. Auf einem Parteitreffen in Gütersloh wählten ihn die Delegierten mit überwältigender Mehrheit zu ihrem Vorsitzenden: Fast 98 Prozent stimmten für ihn.

Christian Lindner: Mit 97,9 Prozent der Stimmen zum NRW-Landeschef gewählt
dapd

Christian Lindner: Mit 97,9 Prozent der Stimmen zum NRW-Landeschef gewählt


Gütersloh - Christian Lindner ist neuer Chef der nordrhein-westfälischen FDP. Die Delegierten des Landesparteitags in Gütersloh wählten ihn am Sonntag mit fast 98 Prozent der Stimmen. Lindner löst damit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr ab, der nicht wieder für den Posten kandidiert hatte. Bahr hatte den größten Landesverband der FDP eineinhalb Jahre lang geführt.

Der 33-jährige Lindner kann damit einen weiteren Erfolg als Hoffnungsträger seiner angeschlagenen Partei verbuchen. 367 Delegierte stimmten in Gütersloh für ihn, drei gegen ihn, fünf enthielten sich der Stimme. Gegenkandidaten gab es nicht. Lindner geht auch als Spitzenkandidat der FDP in die nordrhein-westfälische Landtagswahl am 13. Mai.

Der Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher fand tragende Worte für den neuen Landeschef. "Mit voller Kraft und mit ganzem Herzen stehen wir hinter diesem Hoffnungsträger der liberalen Partei in Deutschland", sagte Genscher. "Charakter, Mut und Bescheidenheit, das ist es, was dieses Land braucht."

Lindner will keinen Partner, der "nicht mit dieser Verschuldungspolitik bricht"

Zuvor hatte Lindner seine Partei auf den Wahlkampfendspurt eingeschworen. "Wir kämpfen für ein starkes Nordrhein-Westfalen und für eine starke FDP im Land", sagte er. Hierfür setze die Partei auf "solide Finanzen, faire Bildungschancen und die Sicherung unseres Wohlstands durch eine ideologiefreie Politik für den Standort Nordrhein-Westfalen". Die FDP braucht dringend einen Wahlerfolg, ihre Umfragewerte sind seit Monaten im Keller.

Eine Empfehlung für ein mögliches Koalitionsbündnis nach der NRW-Wahl wollte Lindner nicht abgeben. Die FDP werbe in der Schlussphase des Wahlkampfes nicht für andere Parteien oder Koalitionen. Lindner griff stattdessen die Haushaltspolitik der rot-grünen Landesregierung an. Trotz wachsender Steuereinnahmen hätten SPD und Grüne die Verschuldung nicht konsequent zurückgefahren. "Für uns als Partner kommt niemand in Frage, der nicht mit dieser Verschuldungspolitik bricht", sagte er.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verlangte auf dem Parteitreffen ein Ende der Verschuldungspolitik. "Wir können nicht in Europa überall auf Haushaltsdisziplin setzen, wenn wir es zu Hause selber anders machen", sagte er. Bei der Landtagswahl am kommenden Wochenende gehe es daher nicht nur um den Wettstreit zwischen Parteien, sondern auch um die Grundsatzfrage, wie die Schuldenkrise überwunden werden könne.

son/dpa/dapd

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