FDP-Chef Lindner sieht in neuen Jamaika-Verhandlungen "keinen Sinn"

Dem Appell des Bundespräsidenten zum Trotz: FDP-Chef Christian Lindner bleibt bei seinem Nein zu Jamaika. In einem Interview bekräftigte der FDP-Chef seine Absage an ein Bündnis mit Union und Grünen.

Christian Lindner in der Nacht zum Montag
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Christian Lindner in der Nacht zum Montag


Knapp eine Stunde lang sprach FDP-Chef Christian Lindner mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Der hatte die Parteien nach dem Scheitern der Verhandlungen für ein Jamaika-Bündnis noch dazu aufgerufen, ihre Regierungsverantwortung wahrzunehmen. Lindner änderte seine Meinung offenbar trotzdem nicht: In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) sprach er sich dagegen aus, noch einmal die Bildung einer Jamaikakoalition zu versuchen.

Ein neuer Anlauf im Jamaika-Format mache "keinen Sinn", zitiert ihn die Zeitung in einem Vorabbericht. Die Entscheidung, die Sondierungen mit Union und Grünen platzen zu lassen, brachte den Liberalen nicht nur viel Kritik ein - sondern offenbar auch ein Plus in der Wählergunst. Das ergibt der aktuelle SPON-Wahltrend. Die FDP liegt demnach nun bei 13,3 Prozent. Damit legte sie seit Verkündung ihrer Entscheidung 1,7 Prozentpunkte zu.

Grünen-Politiker Jürgen Trittin warf Lindner vor, er habe mit seinem Verhalten bei den gescheiterten Jamaika-Sondierungen vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaden wollen. "Herr Lindner hatte, sicher zusammen mit anderen, darunter auch solchen in der Union, den Plan, Frau Merkel dabei zu stoppen und zu stürzen", sagte Trittin der "Welt".

Unterdessen wird auch über Chancen und Risiken einer Minderheitsregierung weiter diskutiert. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles kann sich offenbar die Tolerierung einer unionsgeführten Regierung vorstellen. "Das hängt davon ab, da müssen wir jetzt drüber reden", sagte sie im ZDF-"Morgenmagazin". Zugleich betonte Nahles mit Blick auf mögliche Neuwahlen: "Da hat niemand wirklich Lust drauf."

vks/Reuters

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